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MARCEESE

Über KISS, Nostalgie und sein neues Album

Der Berliner Singer-Songwriter Marceese Trabus hat im April ein KISS-Coveralbum mit dem Titel "Baby Driver" veröffentlicht. Unsere Rezension zu der Scheibe findet ihr HIER. Nun hat sich der Musiker die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu der Scheibe zu beantworten.

Schon vor drei Jahren hast du uns im Interview erzählt, dass du über KISS zur Musik gekommen bist. Was macht für dich die Faszination der Band aus? Hat sich das im Laufe der Jahre verändert?
Mein großer Bruder hat früher KISS gehört. Gene, Peter, Paul und Ace waren lange Zeit meine Superhelden. Andere fanden Star Wars und Spider-Man cool – ich KISS. Die frühen Scheiben sind auch guter Rock’n’Roll. Aber heutzutage sind sie eigentlich nur noch peinlich. Gene Simmons vermarktet die Band komplett, er ist sogar soweit gegangen, dass er andere Musiker das Original-Make-Up von Ace und Peter tragen lässt. Sorry, das geht gar nicht! Das wäre als wenn sich jemand eine Nickelbrille aufsetzt und Paul McCartney sagt: „Wir sind die Beatles!“

Hast du die Idee, ein KISS-Coveralbum zu veröffentlichen, immer im Hinterkopf gehabt?
Wir haben Mitte der Neunziger, direkt nach meiner ersten Thrash-Metal-Band ein KISS-Cover-Projekt gestartet – Flaming Youth. Es gibt sogar ein Tape mit drei KISS-Songs aus der Zeit. Später haben wir immer wieder mal verschiedene Songs auch live gespielt.

Wonach hast du die Lieder für „Baby Driver“ ausgewählt?
Drei von denen („Tomorrow“, „Mr. make believe“ und „What’s on your mind?“) hatte ich in den letzten Jahren in meinem Solo-Programm. Und als mein Verlag meinte es sei kein Problem ein Coveralbum zu veröffentlichen – war für mich die Sache klar. Ich habe mich kurz hingesetzt, verschiedene Songs probiert und bei denen es spontan gefunkt hat, die habe ich aufgenommen.

„Seit dem Tag habe ich davon geträumt, Ace Frehley zu sein, Gitarre zu spielen...“, trotz dieser Aussage aus dem Booklet ist nur relativ wenig von Ace Frehley, sondern mehr Songmaterial von Paul Stanley und Peter Criss auf der Scheibe gelandet. Woran liegt das?
Das liegt zum einen daran, dass Ace relativ wenig Songs gegenüber Paul und Gene durchsetzten konnte und erst auf dem sechsten Album überhaupt Lead-Vocals gesungen hat. („Shock me“)

Das neuste Lied auf „Baby Driver“ ist „Tomorrow“, das vom achten KISS-Album „Unmasked“ stammt. Planst du noch einen zweiten Teil, der die neueren Alben abdeckt?
Also wenn man es genau nimmt, hast du die ziemlich guten Solo-Alben aller vier Mitglieder von 1978 nicht mitgezählt. Dann ist „Unmasked“ das zwölfte Album. Ich hatte vor Jahren die Idee, dass wenn ich Gitarre spielen kann, ich alle KISS-Songs aus der ersten maskierten Ära aufnehme. Somit ist „Baby Driver“ der erste von circa 12 Teilen. Wenn ich also jedes Jahr ein KISS-Coveralbum aufnehme, bin ich 2024 fertig. Tolle Aussichten, wie ich finde.
Marceese
(Foto: Isi Fischer)

Was hat dich dazu bewogen, die CD im Heimstudio aufzunehmen?
Mehrere Gründe waren ausschlaggebend. Natürlich das finanzielle, aber auch die Freiheit machen zu können was ich will. So konnte ich Sachen ausprobieren, wo ein externer Produzent womöglich frühzeitig eingeschritten wäre. Aber ehrlich gesagt ist es auch ein Versuch, ob es einen Unterschied macht für den Hörer wie dick die Produktion ist. Klanglich ist das nicht diese High End Aufnahme, wie bei meinem letzten Album. Das ist klar. Aber ich hoffe, dass mehr Spirit rüberkommt, mehr Leben und Herzblut. Dann hat es funktioniert.

Bestand zwischenzeitlich die Überlegung, das Projekt größer, bzw. gemeinsam mit mehreren Musikern aufzuziehen?
Nein, das war diesmal wie gesagt eher ein spontanes Ding. Mein Verlag sagte ja zum Coveralbum und ich sagte mir: „the action is go!“ Sicher mache ich eines von den kommenden 11 KISS-Coveralben in einer Bandbesetzung. Aber das nächste ist erstmal noch Solo, soviel kann ich schon verraten.

An wen ist das Album vor allem gerichtet und welche Erwartungen möchtest du damit erfüllen?
Es sind KISS-Songs und es ist trotzdem ein Folk-Rock-Album. Das Album war eigentlich nur für mich – mein eigenes Geburtagsgeschenk (siehe VÖ-Datum ; ) Ich möchte niemand bestimmten damit bedienen und irgendwelche Erwartungen erfüllen. Hört es euch an und liebt es oder lasst es. Das hat man eh nicht in der Hand. Wahrscheinlich auch gut so, sonst würde man den Fokus verlieren.

Es gibt bereits eine Menge KISS-Tribute-Alben. Was unterscheidet „Baby Driver“ vom Rest?
Auf den KISS-Foren und Fansites habe ich gelesen, dass es das erste Folk-Rock-Coveralbum ist. Da habe ich wohl unbewusst doch eine Lücke gefunden.

Wie unterscheidet sich die Herangehensweise zwischen einem Coveralbum und einer Scheibe mit selbstgeschriebenen Songs?
Die Songs sind fertig komponiert, da hat man nicht mehr bis zur letzten Minute am Text zu feilen. Ich konnte verschiedenste Stile versuchen, um möglichst weit vom Original wegzukommen. Im Endeffekt bleibt es aber dasselbe. Man will sich bei den Aufnahmen fallen lassen – auch wenn hier und da etwas Nostalgie im Spiel war.

Wie entstand der Kontakt für das Coverbild?
Ich bin so was von stolz wie Bolle! Ich wollte ein Cover haben, das irgendwie einen KISS-Bezug hat. Aber du darfst weder die Masken verwenden noch das Original Logo. Da kam mir die Idee mit den Katzen. Wenn man das Doppel-Livealbum „Alive II“ aufklappt, sieht man den Drumriser von Peter Criss und die Katzen. Der Grafiker John Rios bekam den Auftrag die Original-Katzen aus den Siebzigern für einen neuen KISS-Banner zu gestalten. Ich habe seinen Entwurf im Netz gefunden. Ich habe ihn angeschrieben und von meinem Tribut-Projekt erzählt und er fand die Idee super. Da er die Katzen exklusiv für KISS entworfen hatte, musste er sie für mich minimal umgestalten. Der Deal war, dass ich ihm CD-Kopien nach Detroit sende und ich diese wahnsinnig gutaussehenden Katzen auf meine Cover benutzen darf! Ich fasse es immer noch nicht!

Heute haben immer mehr Leute Musik nur noch auf dem Computer. Findest du, dass dadurch auch der gefühlte Wert von Musik sinkt? Bzw. gibt es für dich ein „richtiges“ Medium für Musik?
Ich bin da eher der Vinyl-Typ. Mit einem Rohling wo der Bandname draufsteht kann ich nichts anfangen. Leider kann ich mir bisher keine Vinyl-Produktion leisten und muss CDs veröffentlichen. Die Leute machen sich (teilweise) wirklich Gedanken, dass das Coverartwork zur Musik passt. Das sind zwei Arten der Kunst – das ist untrennbar. Schau dir die Cover von Tool, Pink Floyd, Mars Volta oder Radiohead an. Aber Coverartwork gehört zur Musik dazu. Und es reicht eigentlich nicht sich den Mp3-Player mit Musik vollzuhauen. Aber immer noch besser als gar keine Musik zu hören.

Danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast!

Zu diesem Interview:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
08.05.2013