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HUMANEMY - DAS INTERVIEW ZUM HöRSPIEL

Interview

HumAnemy - Das Hörspielinterview mit Stefan und Thomas Lindner

 

Mit dem ersten Teil ihres Dark Future - Hörspiels „HumAnemy“ präsentierten die Macher von Lindenblatt-Records letzte Woche ihre erste große Hörspielproduktion. Mit Metal-District sprachen Stefan und Thomas Lindner über die Story, künftige Pläne und die Zweckentfremdung von Nahrungsmitteln.

 Unsere Rezension zu Folge 1 - Das ChamäleonHumAnemy - Der Trailer zur ersten Folge

Stefan, Du bist diesmal nicht allein für die Story verantwortlich, sondern hattest einen Co-Autor. Von wem stammt die ursprüngliche Idee bzw. wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Johnny Wittermann? Wie hat das genau funktioniert? Kannst Du uns den Entstehungsprozess der Geschichte kurz beschreiben?

Stefan: Johnny und ich kennen uns schon seit der Grundschule. Wir sind enge Freunde und er war auch schon bei den Gebrüder Thot Geschichten als Musiker und Sprecher beteiligt. Früher haben wir viel das Pen & Paper Rollenspiel Shadowrun gespielt, wobei er meist der Spielleiter war. Es war für mich einfach naheliegend ihn mit an Bord zu holen. Zuerst haben wir gemeinsam den Plot erdacht und dann das Storyboard entwickelt. Dabei haben wir uns im Ping-Pong-Prinzip die Bälle zugespielt. Anschließend habe ich dann das Drehbuch geschrieben.

Es gab ja diesmal nicht nur einen Co-Autor bei der Story, sondern Ihr habt Euch auch den Regieposten geteilt. Ich stelle mir das ziemlich schwierig vor. Gab es da eine Art Arbeitsteilung, oder hattet Ihr beide in allen Bereichen gleichberechtigte Entscheidungsgewalt? Wie löst Ihr es , wenn Ihr Euch mal in einem Punkt uneins seid?

Thomas: Die Arbeitsteilung war recht einfach und unproblematisch. Ich achtete in erster Linie auf die technischen Sachen, sprich: Ich hatte einen Kopfhörer auf, habe akribisch darauf geachtet, dass keine Geräusche aufgenommen werden, die unerwünscht sind. Zum Beispiel Papierrascheln oder „Popp-Laute“ und dergleichen. Wenn mir in diesem Zusammenhang aber auch noch Wörter aufgefallen sind, welche ich nicht verstanden habe, merkte ich dies an. Stefan hingegen verfolgte mehr den Storyverlauf und den Ausdruck der Sprecher, formte also mit seinen Regie-Anweisungen den Charakter des darzustellenden Protagonisten. Als Autor des Ganzen war er da ja auch viel tiefer in der Materie.

Unter den Sprechern sind einige prominente Figuren aus der Musikszene. Wie ist es Euch gelungen diese Personen für das Projekt zu gewinnen? Oder sind sie vielleicht sogar selbst auf Euch zugekommen?

Thomas: Man kennt sich seit vielen Jahren. Es sind nette Kollegen und zum Teil sogar Freunde. Ich habe einfach bei einem gemütlichen Bier auf irgendeinem Festival in der Republik vorgefühlt und Stefan hat dann später noch mal nachgehakt und die Sache fix gemacht.

Mit Oliver Mink, Claudia Urbschat-Mingues und Tonio von der Meden sind diesmal auch echte Profisprecher dabei. Waren das Wunschkandidaten? Wie kam der Kontakt zustande?

Stefan: Alle drei Sprecher sind natürlich einfach großartig und waren absolute Wunschkandidaten. Zu Claudia und Olli kam der Kontakt über Stephan Gossen zustande, der bei HumAnemy verantwortlich für das Musikarrangement ist, und der sonst in der Fernsehbranche arbeitet. Tonio von der Meden haben wir in München auf einer Theaterbühne gesehen. Und dann habe ich einfach bei allen höflich nachgefragt.

Nicht alle der Sprachaufnahmen wurden im Schandmaul-Studio gemacht. Wo und von wem wurde der Rest der Sprecher aufgenommen?

Thomas: Oliver Mink stand zu der betreffenden Zeit sowieso in einem Münchener Studio vor dem Mikro und synchronisierte irgendwas. Da haben wir dem befreundeten Aufnahmeleiter Stefan Held einfach den Text „untergejubelt“, der für Olli vorgesehen war und erhielten so unsere Aufnahmen. Bei Claudia Urbschat-Mingues war der Grund ein schneebedingtes Verkehrschaos, welches sie vom ursprünglichen Plan abbrachte bei uns aufzunehmen und sie kurzfristig dazu veranlasste den Text in ihrem eigenen Studio einzusprechen. Philipp Gorges nahm sich aufgrund der räumlichen Entfernung nach Bremerhaven selber auf. Ähnlich verhielt es sich bei Julia Fölster, die in Hamburg lebt. Die wurde von unserem befreundeten Hörspiel-Produzenten Thomas Tippner mitgeschnitten. Und „last but not least“ unsere Schwester und unser Schwager Simone und Brad Wolfe: Die leben in der Nähe von Atlanta in den USA – auch hier spielt die Entfernung eine gewisse Rolle...

Die vier männlichen Hauptdarsteller von HumAnemy: (V.l.n.r.) Stefan Lindner, Patrick Borlé, Johnny Wittermann & Thomas Lindner

Wie war die Arbeit mit den verschiedenen Sprechern im Studio? Wo lagen jeweils die besonderen Herausforderungen, also sowohl mit den Laien als auch mit den Profisprechern?

Thomas: Erstmal sei bemerkt, dass es riesigen Spaß gemacht hat – sowohl mit den Profis, als auch mit den Laien! Bei den Profis, egal ob Sprecher, Film- oder Theaterschauspieler war es logischerweise vergleichsweise einfach. Da gab es nur noch ein „fine-tuning“ bei der Art und Weise wie sie die Charaktere interpretieren. Nach dem Motto: „Mach den noch ein wenig hinterhältiger oder böser etc.“ - und schon hatte man das gewünschte Ergebnis. Weit spannender war die Arbeit mit den Laien, weil man da viel mehr kämpfen musste. Da wurden vergleichsweise kleine Rollen zu zweistündigen Aufnahme-Marathons. Da hat vor allem Stefan keine Gnade walten lassen und hat sich solange in den Waden der Freunde vor dem Mikro verbissen, bis das Wunschergebnis vorlag.

Hatten die Sprecher in irgendeiner Form Einfluss auf die Geschichte beziehungsweise die Gestaltung der Charaktere? Oder seid Ihr streng nach Drehbuch vorgegangen?

Stefan: Wir haben in erster Linie darauf geachtet, dass der Sinn erhalten bleibt. Ansonsten war es uns wichtig, dass der Ausdruck der Sprecher passend und authentisch wirkt. Wenn dafür das ein oder andere Wort oder auch mal ein Satz verändert wird oder weg fällt, ist mir das nicht so wichtig.

Thomas, von Dir stammt ja das musikalische Thema zu HumAnemy. Hast Du Dich da gezielt hingesetzt und das speziell dafür komponiert, oder war das ein musikalisches Motiv, das Dir schon länger im Kopf rumgespukt hat?

Thomas: Bruchstücke des Motivs waren bereits vorhanden. Aber erst zusammen mit den Vorgaben der Story - also düstere Zukunft, Hightech, Geheimagent, harte Welt - ergaben die Fragmente das Gesamtbild, und ich konnte am Arrangement feilen.

Wie habt Ihr die restliche Musik zur Geschichte ausgewählt? Vieles davon ist ja wieder, wie bei den beiden vorherigen Produktionen von VORTEX. Wurden alle Titel von deren Seite speziell für das Hörspiel geschrieben? (Bei einigen wie „Lennarts Theme“ ist es ja offensichtlich.)

Stefan: Wir haben uns dazu entschlossen für die Musik, die von den Figuren im Hörspiel gehört wird, also in Kneipen, Clubs und so weiter, Fremdkompositionen von bekannten beziehungsweise befreundeten Künstlern zu nehmen. So kam es dann zu der Zusammenarbeit mit FESTERING SALIVA, HEAVY RIDE, THE SATANIC MECHANICS und später auch noch GRAVE STOMPERS und VAN DRUNEN. Und natürlich LAND ÜBER , die mit ihrem Jazz-Sound wunderbar in die Szenerie passen.

VORTEX haben dann den Großteil des eigentlichen Score abgeliefert. Die Stücke wurden teilweise neu geschrieben oder aber für das Hörspiel umarrangiert und anschließend an die Szenen angepasst. Aber auch Sam Köhler und Kevin Flum, das sind befreundete Musiker aus der Schweiz, haben Beiträge komponiert und in den folgenden Episoden haben wir auch noch einige Spuren von Gastmusikern verwendet. Zum Beispiel Saxophon, Cello oder Hackbrett.

Wie entstehen eigentlich die Geräusche bei HumAnemy? Bedient Ihr Euch da aus digitalen Ressourcen wie etwa Online-Datenbanken oder ist da auch gute alte Geräuschemacher-Tradition dabei?

Thomas: Ich würde sagen: Fifty-Fifty. Die eine Hälfte habe ich aus Online-Datenbanken käuflich erworben oder aus der Audio-Software-Datenbank verwendet und die andere Hälfte wurde von uns „hergestellt“. Ein „Gummi-Dildo-in-den-Hintern-ramm-Geräusch“ findet man nirgendwo... da muss man schon selber der Fantasie freien Lauf lassen – ich sage nur: Honigmelone!!

Thomas bei der Arbeit im Studio

Könnt Ihr kurz etwas zum Stand der Dinge für die restlichen Teile sagen? Die Sprachaufnahmen für alle vier Teile sind, soweit ich weiß, ja bereits abgeschlossen?

Stefan: Richtig, wir haben bereits sämtliche Stimmen im Kasten. Thomas arbeitet momentan am Schnitt und den Geräuschen für Episode zwei und drei. Parallel sitzt Stephan Gossen schon wieder am Arrangement für den Soundtrack und man macht sich Gedanken für das Coverartwork.

Könntet Ihr Euch auch vorstellen ein Hörspiel mal live vor Publikum aufzuführen?

Thomas: Vorstellbar ist grundsätzlich erst mal alles. Da spielt nur der Faktor Zeit eine große Rolle. Wir müssen mal sehen, wie und wann wir so ein Vorhaben mit Beruf und Familie vereinen können. Lustig wäre es schon...

Stefan: Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass wir so etwas mal machen.

Und zum Schluß der allseits beliebte Ausblick: Ich habe gelesen, daß bereits Ideen für eine HumAnemy-Fortsetzung auch über die vier zunächst geplanten Folgen hinaus existieren - stimmt das? Und gibt es weitere Projekte die schon in Planung sind?

Stefan: Auch das ist richtig, es gibt bereits einige Ideen für eine Fortsetzung. Diverse Handlungsstränge lassen sich leicht wieder aufgreifen und weiter spinnen. Der Johnny und ich machen uns jetzt ganz langsam mal daran das nächste Storyboard auszuarbeiten.

Weitere Projekte sind auch in Planung. Allerdings ist dort entweder die rechtliche Abwicklung noch nicht in trockenen Tüchern oder wir stehen noch ganz am Anfang des Schreibprozesses, weswegen es noch zu früh ist, um darüber zu sprechen. Nur so viel: Das Genre „Fantasy“ würden wir schon auch gerne beackern. Naja und dann soll auch die Gebrüder Thot Reihe noch weiter geführt werden. Du siehst, es gibt viel zu tun...

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!

 

 

 

Zu diesem Interview:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
15.03.2013