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NACHTGESCHREI

Im Gespräch zu "Aus schwärzester Nacht"

Nachtgeschrei
Am 22. März werden NACHTGESCHREI ihr neues Album "Aus schwärzester Nacht" veröffentlichen, das alle eventuell noch bestehenden Zweifel an der Zukunft der Band schnell ausräumen sollte - unsere Rezension zu der Scheibe könnt ihr HIER noch einmal lesen. Das letzte Mal hatten wir mit dem ehemaligen Sänger Hotti über dessen Ausstieg und seine Zeit bei der Band gesprochen, nun hat sich Bassist Oli die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zu dem Album und dem vergangenen Jahr zu beantworten.

Hinter euch liegt eine seit vergangenem April andauernde Livepause. Dabei wart ihr in dieser Zeit keineswegs untätig: Ihr einen neuen Sänger gesucht und ein Album produziert. Die Sängersuche hat dabei eine ganze Weile gedauert. Wie habt ihr Martin letztendlich überhaupt gefunden und was hat euch davon überzeugt, dass er der Richtige ist?


Das stimmt leider – die Suche hat ziemlich viel Zeit und Nerven in Anspruch genommen. Der Kontakt zu Martin kam dann letzten Endes über unseren Mischer/Techniker Erik, der ebenfalls bei MEKONG DELTA spielt. Überzeugt haben uns dann innerhalb kürzester Zeit ein paar von Martin neu eingesungene Versionen alter NACHTGESCHREI-Stücke, die Aufnahme und der Text, den er sich zu dem Song „Spieler“ innerhalb kürzester Zeit aus den Fingern gesogen hat und ein persönliches Treffen zum Abschluss dieser ereignisreichen Zeit im April 2012. Martins Stimme ist genau das, was wir gesucht haben. Tonal sicher, ausdrucksstark & emotional und mit einer sehr hohen dynamischen Spannbreite. Außerdem lebt er durch und durch Musik und kam auf Anhieb mit unserem Dummgebabbel klar.

In wie weit hat euer Besetzungswechsel die Dynamik innerhalb der Band verändert?

Das Bewusstsein endlich wieder komplett zu sein, hat uns unheimlich Auftrieb gegeben. So motiviert wurde bei uns schon lang nicht mehr gearbeitet, weil es keine Zweifel mehr an gemeinsamen Zielen gab, weil alle Unsicherheiten mit einem mal weggewischt waren und weil die Gruppe auf persönlicher Ebene wieder vollständig war.

Was motiviert euch zum Musik machen und welche Momente belohnen am meisten für die in die Band investierte Zeit und Energie?


NachtgeschreiDürfte auch für die Einzelnen etwas unterschiedlich sein. Aber am Ende läuft es dann doch darauf hinaus, dass es die Anerkennung und Wertschätzung ist für die Musik, die man macht. Sei es allem voran durch ein gut gelauntes Publikum, das bis zum Abwinken vor der Bühne abfeiert, sei es ein tolles Review, das man bekommt oder dass einen ’ne Band wie SUBWAY TO SALLY als würdige Vorgruppe erachtet und mit auf Tour nimmt...

Ihr tretet regelmäßig auf Mittelalterfestivals auf. In wie weit rechnet ihr euch selbst zur Szene?

Ach – diese Szenefrage... ;) schwierig. Natürlich sind wir alles andere als eine Mittelalter- bzw Marktband, aber ich denke wir passen doch sehr gut in eine Szene, in der Bands wie SUBWAY TO SALLY, LETZTE INSTANZ, FIDDLER'S GREEN und SCHANDMAUL zuhause sind.

Wer schreibt bei euch die Songs?


Das ist eigentlich immer sehr konstant geblieben. Nik schreibt viele Texte, früher mit Hotti, jetzt mit Martin. Joe und ich schreiben viel Musik. Tilman hat sich da mittlerweile eingeklinkt und Sane steuert auch immer ein bis zwei Liedchen inklusive Text pro Platte bei. Früher hat Hotti das auch gemacht – jetzt tut es Martin. So entstehen die Grundlagen und dann werden die Details gemeinsam ausgearbeitet, Lücken geschlossen und die einzelnen Instrumentenstimmen verfeinert.

Wie liegt die Priorität zwischen der Musik und den Texten?

Denke das ist für jeden unterschiedlich. Für mich ganz klar bei der Musik, wobei ich wirklich froh bin, dass wir gute Texte haben ;) Schlechte Texte können das ganze Lied versauen - wenn man sie denn versteht ;)

Wieviel ist beim Songwriting der Bauch, wieviel der Kopf beteiligt?

Das läuft bei uns eher auf emotionaler Ebene. Natürlich wird auch viel überlegt und ausprobiert, aber was dann nicht rockt wird verworfen – egal, wie viel Zeit und Arbeit bis dahin dringesteckt hat. Ein Lied auf ASN wurde dreimal fast komplett neu geschrieben, bis es gut war.

Worin liegen für dich die Besonderheiten an „Aus schwärzester Nacht“?

Am Anfang waren ein paar sehr unterschiedliche Ideen und Ansätze vorhanden, die auf den ersten Blick kaum zueinandergepasst haben, gerade mal zwei fast fertige Stücke, so gut wie keine Zeit und das war’s. Außerdem hatten wir mit Martin ja noch nie zusammengearbeitet und damit war uns allen erst mal nicht klar, wohin die Reise nun ganz genau gehen würde. Als wir Mitte Mai letzten Jahres den ersten Zeitplan gemacht haben, ist uns allen etwas schwindelig geworden und als die ganzen Deadlines dann bedingt durch äußere Umstände im Herbst noch mal drastisch nach vorne gezogen wurden noch viel mehr. Dennoch gab es in dieser Zeit was die kreative Arbeit betrifft nur wenige Schrecksekunden, aber viele positive Überraschungen. Das Songwriting lief verdammt gut, alles hat sich zusammengefügt und wir wussten bald, dass wir da gerade ein besonderes NG-Album aus dem Boden stampfen, mit dem wir sehr zufrieden sein werden – ein lautes und angemessenes „Nachtgeschrei ist wieder da!“. Und zum Glück hat uns der ständige Zeitdruck zu keinen nennenswerten Kompromissen gezwungen.

Oli

Das Album ist etwas rockiger als „Ardeo“. War das von Anfang an geplant oder handelt es sich dabei einfach um eine Entwicklung während des Kreativprozesses?

Ach – das planen wir jedes Mal... „Das nächste Album wird aber ’ne Nummer härter!“ Hat sich einfach so ergeben, wobei ich retrospektive gar nicht so die großen Unterschiede zu „Am Rand der Welt“ und „Ardeo“ sehe – zumindest nicht, was den „Härtegrad“ der Musik betrifft. Das liegt wohl vor allem am Gesang. Hottis Stimme war zwar eindringlich, aber doch kontinuierlich recht sanft und Martin lässt es da oft mal etwas mehr Krachen, was der Musik auch sehr zugute kommt.

Gibt es eine Grundidee, die ihr den Hörern mit euren Liedern auf den Weg geben möchtet?

Nein – eigentlich nicht. Das soll den Leuten Spaß machen und unter die Haut gehen. Was der Einzelne da für sich rauszieht, bleibt jedem selbst überlassen.

Inwieweit entwickeln sich die Songs noch, wenn Ihr im Studio seid?


Das ist unterschiedlich. Einige Stücke werden ziemlich genauso eingespielt, wie in der Vorproduktion, andere sind noch gar nicht ganz fertig, wenn wir ins Studio gehen und andere klingen hinterher einfach noch mal anders, weil bestimmte Feinheiten durch die Studioproduktion viel besser zur Geltung kommen. Und natürlich weiß man nie, wie der Gesamtklang am Ende wird. Spontane Ideen fließen mit ein, kleine Experimente werden für gut befunden und behalten, Effekte werden ausprobiert und andere Dinge müssen geändert werden, weil sie nicht so funktionieren wie geplant. Insgesamt entwickelt sich das also noch bis zur letzten Masterversion immer weiter und bleibt dabei immer spannend.

NachtgeschreiDas Cover wurde auch dieses Mal wieder von Travis Smith gestaltet. Wie ist das Konzept zum Artwork entstanden – und wie kam es ursprünglich überhaupt zu der Zusammenarbeit?

Ich kann gar nicht sagen, wie viele CDs ich in meinem Regal stehen habe, für die er das Artwork gemacht hat. Und davon gefällt mir eins besser als das andere. Und da ich nicht der einzige bei NG bin, dem das so geht, dachten wir uns 2008 „warum nicht?“ und haben ihn gefragt, ob er ein Cover für uns gestalten würde – um ehrlich zu sein, waren wir etwas überrascht, dass das damals dann auch alles so geklappt hat. Und seitdem belästigen wir ihn immer wieder. Das Konzept ist diesmal nicht von Anfang an klar gewesen. Da gab es erst mal mehrere Ideen bezüglich möglicher Motive, Farben usw., aber je weiter wir mit dem Album waren und als wir die ersten Entwürfe hatten ist das alles auch immer konkreter geworden.

Die Scheibe ist noch ganz frisch. Wie zufrieden seid ihr mit den ersten Reaktionen?

Was ich bis jetzt gelesen und gehört habe, sowohl von der Presse als auch aus dem privaten Umfeld deckt sich alles ganz gut und macht uns auch recht glücklich. Die neue Stimme passt, die neuen Stücke sind gut – auf  zu neuen Taten!

Werden sobald ein Album fertig ist sofort neue Ideen für das nächste gesammelt oder legt ihr erst einmal eine Pause ein?


Natürlich müssen wir uns jetzt erst mal auf die Clubtour und die Festivals im Sommer vorbereiten. Trotzdem wird sich danach auch kreativ nicht ausgeruht und neue Ideen werden eh immer festgehalten – wir wollen mit dem nächsten Album nicht wieder 2 ½ Jahre warten!

Habt ihr die alte Songs fürs Liveset umarrangiert oder bleiben die genau so, wie sie bisher waren?

Nein – bei den alten Stücken wird nichts umarrangiert. Martin kommt mit den alten Gesangslinien ausnahmslos klar. Natürlich muss man dem neuen dabei kleine Änderungen einfach zugestehen. Aber keiner wird sich sorgen müssen, die alten Stücke nicht mehr wiederzuerkennen. Die neuen Arrangements von „Ardeo“ und „Herbst“ waren Ausnahmen. Wir hatten schon zu Hottis Zeiten über ein „Unplugged-Projekt“ rumgesponnen und sahen darin eine gute Möglichkeit, nicht letzten Sommer schon auf das neue Album vorzugreifen, andererseits aber der Nachfrage nach Hörproben vom „Neuen“ gerecht zu werden. Live wird zumindest „Ardeo“ aber wenn dann definitiv in der Rockversion zu hören sein.

„Aus schwärzester Nacht“ ist von einer ziemlichen Aufbruchsstimmung gekennzeichnet. Wohin soll es gehen, bzw. welche Ziele habt ihr euch für die nächste Saison gesteckt?  

An das anknüpfen, was wir bis 2012 erreicht haben - touren, feiern, proben, Musik schreiben, CDs aufnehmen, touren, usw...

Zu diesem Interview:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
15.03.2013