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MALRUN

Von inzuchtgeschädigten Bauern, dunkler Materie und den Vorteilen von Nightlinern

MALRUN haben kürzlich ihre Tour mit MARK TREMONTI beendet. Nun sind die Dänen mit der Arbeit an ihrem neuen Album beschäftigt, das im kommenden Jahr erscheinen soll. Bassist Ulrik Soelgaard-Nielsen hat sich die Zeit genommen, uns einige Fragen über die Band selbst, ihre Einstellung zur Musik und die zurückliegenden Touren zu beantworten.

Malrun
Könntest du die Bandgeschichte kurz für uns zusammenfassen?

Die Band wurde vor acht Jahren als Coverband gegründet, aber MALRUN, wie wir es heute kennen, entstand eigentlich mit der EP “Longest Road to Rome” 2007 und der EP “Beyond” 2008. Als ich der Band im Frühjahr 2009 beigetreten bin, war das Studio schon für die Aufnahmen unseres Debütalbums “Beauty in Chaos” gebucht, das 2010 veröffentlicht wurde. Seitdem haben wir noch 2012 “The empty Frame” herausgebracht, was die Dinge für uns stark beschleunigt und zu ausgedehnten Touren durch Europa geführt hat.

In welches Genre würdest du eure Musik stecken?


Wir liegen irgendwo zwischen Hardrock und Metal. Einige würden uns Metalcore nenne, andere Hardrock, doch ich glaube, dass keiner davon ganz Recht hat. Einige unserer Fans nennen uns einfach “großartig”, diese Definition mag ich lieber (lacht).
Wir haben viele unterschiedliche Einflüsse. Wir sind nicht alle gleich “Metal” in unserem eigenen Musikgeschmack. Ich bin eher ein Rock'n'Roll-Typ, einer der anderen in der Band steht auf Djent-Metal, einer mag auch Blues – aber wir alle lieben Metal. Von daher können die Einflüsse irgendetwas von URIAH HEEP bis zu ELITIST sein und ich glaube, dass es uns gerade dieser musikalische Schmelztiegel erlaubt gemeinsam Musik zu machen, die gewissermaßen einzigartig ist, denn es ist schwierig, sie in ein bestimmtes Genre zu packen.

Könntest du dir vorstellen, in anderen Musikrichtungen zu spielen? Gibt es irgendwelche “No gos”?

Ich glaube, wir haben unseren Stil auf den letzten beiden Alben mehr und mehr gefunden, von daher bleiben wir dabei und gehen eher an die Feinarbeit und ans Polieren. Und no gos? Ich glaube, wir werden nie Pop, Techno oder Dubstep spielen...

MalrunFür Leute, die euch und eure Musik noch nicht kennen und einen kurzen Eindruck bekommen wollen: Welche Lieder der Alben fangen die Essenz eurer Musik am besten ein?

Ich glaube, sie sollten sich “The Jovian Transit” von “Beauty in Chaos” und “Moving into Fear” von “The empty Frame” anhören und danach “Yoke of Stone”, das auch auf dem neuen Album zu hören ist. Das sind meine Lieblingslieder, und sie sind alle ziemlich MALRUN-isch. Als Ballade empfehle ich “Sink Forever Down”.

Worin besteht die Hauptentwicklung zwischen „Beauty in Chaos“ und „The empty Frame“?

Mit “Beauty in Chaos” haben wir unsere Musikrichtung und den Stil, den wir spielen wollen, gefunden und wir haben viel über Song-Writing und das Entwickeln unsere eigene Klang-Signatur gelernt. Auf dem neune Album haben wir uns frei gefühlt, auch unsere Metal-Seite auszuleben und meiner Meinung nach ist es uns auf “The empty Frame” besser gelungen, metallische mit melodischen Elementen zu kombinieren.

Wer von euch schreibt die Songs?

Wir tragen alle zum Songwriting-Prozess bei. Meistens fängt es damit an, dass Patrick ein neues Riff oder Ideen für einen neuen Song hat, und dann geben wir alle unseren Input und Jacob kümmert sich normalerweise um den Gesang. Doch wir testen für das nächste Album neue Möglichkeiten Lieder zu schreiben. Es ist sehr spannend neue Perspektiven beim Schreiben auszuprobieren.

Ist das Lieder schreiben für euch etwas Intuitives oder eher Kopfsache?

Beides, glaube ich. Manchmal packt dich ein Riff einfach gleich von Anfang an und der Song schreibt sich wie von selbst, oder es kommt einem zumindest so vor. Ein anderes Mal muss man mehr über die Arrangements nachdenken, diskutiert welche Teile eines Liedes funktionieren und welche nicht – und seinen Kopf anstrengen um herauszufinden, wo es hingehen soll. Gelegentlich sorgt ein guter alter Faustkampf dafür, unsere Meinungsverschiedenheiten zu überwinden (lacht).

Manchen Leuten scheinen die Texte relativ egal zu sein, solange der Song gut klingt. Wo liegen eure Prioritäten?  

Jacob schreibt die ganzen Texte. Ich bin eher ein “scheint es relativ egal zu sein”-Typ. Eigentlich weiß ich nicht viel über die textliche Seite der Lieder. Wir schreiben die Musik und die Melodien zuerst und dann die Texte, aber das heißt nicht, dass die Texte keine Priorität haben. Wir arbeiten einfach so und Jacob kümmert sich um die ganzen Worte die er singen wird, genau wie ich die Bass-Linien mache. Es muss ein guter Song sein, mit guten Texten und ich weiß, dass Jacob viel Zeit damit verbringt, die richtigen Texte auf die Musik anzupassen.

In welchem Ausmaß findet euer tägliches Leben seinen Weg in die Songs? Wenn es autobiographische Züge gibt, hängen diese eher mit einzelnen Momenten oder mit genereller Lebenserfahrung zusammen?

Wenn es um die Texte geht musst du mit Jacob sprechen. Aber ich glaube nicht, dass seine Arbeit als Anwalt für Gesellschaftsrecht irgendetwas ist, dass sich in seinen Texten widerspiegelt (lacht). Die Texte handeln vor allem von den emotional düsteren Seiten der Menschen und genereller Lebenserfahrung, daher arbeitet er in den Texten sehr viel mit den Aspekten der menschlichen Psyche.

Welche Ansprüche stellt ihr an euch selbst wenn ihr Songs schreibt, und welche Ansprüche müssen die Lieder erfüllen?

Wir müssen sie fühlen können. Es muss in den Körper gehen, in den Kopf und sie müssen für jeden in der Band funktionieren. Manchmal stellt sich heraus, dass ein Song nicht so stark ist wie die anderen, oder es kommt uns so vor als ob er nicht genug Potential zum Vorwärtskommen hat und dann endet er in der Mülltonne. Völlig vergessen wird er aber nicht, manchmal finden Teile eines fallengelassenen Stückes ihren Weg in neue Songs. Wir konzentrieren uns außerdem darauf, was gut in einem Liveauftritt funktioniert – wozu die Leute headbangen, moshen, weinen können... Als Band, die viel auf Tour ist, brauchst du einfach eine großartige Liveshow. Ich glaube, man kann sagen, dass wir Lieder eher mit dem Herzen als mit dem Kopf auswählen.

Ihr habt ein Video zu eurem Song „Shadowborn“ aufgenommen. Warum habt ihr dieses Lied ausgewählt – und kannst du uns etwas über den Hintergrund des Songs erzählen?  

Der Song hat gute Energie und zeigt die Dualität von Metal-Parts und melodischen Elementen. Wir glauben, dass er uns gut repräsentiert. Der Song handelt eigentlich von einen Menschen, der Probleme damit hat, mit anderen Leuten in Kontakt zu treten und der sich deshalb in ein imaginäres Paralleluniversum zurückzieht, wo er König ist.

Gab es irgendwelche Schwierigkeiten während ihr das Video aufgenommen habt? Wie kam es zu der Geschichte, die ihr im Video erzählt?

Also, die Geschichte im Video spiegelt nicht wirklich den Text wieder. Wir haben dem Regisseur freie Hand gelassen, wie er den Text interpretieren möchte. Daher hat es sich in eine Geschichte über einen Unfall im CERN verwandelt, der eine ansteckende Ausbreitung von dunkler Materie verursacht. In dem Szenario sucht ein Vater nach seinem Sohn, aber nicht um ihn zu retten, sondern um ihn zu infizieren. Also, ich glaube, ihr solltet euch das Video auf Youtube anschauen – das ist viel einfacher, als wenn ich versuche, die mysteriösen Absichten des Regisseurs zu erklären (lacht).

Wir hatten am Set viele Probleme. Wir hatten eine 20 Mann starke Crew die mit knappen Budget und ebenso knapper Zeit zwei Tage lang gearbeitet hat und etliche Sachen sind kaputt gegangen. Es war die ganze Zeit wie verhext (lacht). Wir hatten einen Stromgenerator gemietet weil wir nachts in einem riesigen Vergnügungspark gedreht haben, aber es stellte sich heraus, dass der Generator viele Tonnen wog und viel zu groß und schwer war, um ihn mit einem Auto zu ziehen, also gingen wir von Farm zu Farm und versuchten, einen Traktor zu mieten um den dummen Generator zu ziehen. Und mitten in der Nacht kamen irgendwelche inzuchtgeschädigten Bauern und beschuldigten uns, für den Tod ihres Pferdes verantwortlich zu sein. Anscheinend hatte das Pferd wegen den Geräuschen, die wir im Freizeitpark machten, “Selbstmord begangen”. Sie wollten Geld, das sie für ihr totes Pferd entschädigt. Natürlich konnten wir ihnen nichts anderes anbieten als unser Beileid und eine heiße Tasse Kaffee, da wir niemals – wissenderweise – ein Pferd dazu bringen würden, für ein Musikvideo Selbstmord zu begehen (lacht). Wir hatten ziemlich viele seltsame Erlebnisse am Set, aber im Endeffekt hat trotzdem alles geklappt.

Wie waren eure Erfahrungen der letzten Tour mit MARK TREMONTI?

Es war grandios! Großartige Locations, ausverkaufte Konzerte und nette Leute. TREMONTI, seine Band und die Crew waren total am Boden geblieben und sind großartige Menschen. Sie mochten unsere Musik wirklich und wir haben viel von Mark TREMONTI gelernt. Außerdem hatten wir jede Menge Spaß, viel Bier und Schnaps. Vielleicht wird die Tour uns in Zukunft eine Tür zu Auftritten in der USA öffnen, man weiß nie, aber es war auf jeden Fall eine der besten Touren, die wir jemals hatten. Danke Mark!

Inwiefern hat sich diese Tour von den letzten mit DIE APOKALYPTISCHE REITER, ENGEL und den EMIL BULLS unterschieden?

Sie war in so ziemlich jeder Location ausverkauft, das war eine großartige Erfahrung. Alle Touren waren klasse, aber natürlich konnte man damals nur davon träumen, eins der eigenen Vorbilder zu treffen und gemeinsam die Bühne zu teilen. Auf der ENGEL-Tour sind wir selbst in Jacobs Auto mit einem riesigen Anhänger in Deutschland, Tschechien, Großbritannien und anderen Ländern herumgefahren, zusammengedrängt mit wunden Hintern, und jedes Mal, wenn wir in einer Stadt ankamen mussten wir uns selbst um die Unterkunft kümmern. Durch diese “Do it yourself”-Herangehensweise haben wir aber viel gelernt. Die Touren mit den APOKALYPTISCHEN REITER und den EMIL BULLS waren beides Nightliner-Touren, also war das eine viel komfortablere Transportweise und auch viel organisierter. Besonders die Tour mit den EMIL BULLS haben wir sehr genossen, weil wir sehr gute Freunde geworden sind. Aber alle Touren waren in ihrer eigenen Weise großartig, und wir hatten großes Glück mit diesen besonderen Bands und Persönlichkeiten unterwegs zu sein.   

Inwieweit beeinflusst es euer Leben, dass ihr so viel auf Tour seid?

MalrunNatürlich ist es schwierig, so oft von zuhause weg zu sein, wie wir es sind. Sowohl in unserem Privatleben, als auch in unserem Arbeits- bzw. Studienleben. Aber wir engagieren uns sehr stark für die Musik und sie hat einen sehr hohen Stellenwert für uns, also sorgen wir dafür, dass es funktioniert.

Wie ist es, zusammen in einem Tourbus zu leben? Was sind in deinen Augen die Vorteile eines Nightliners im Vergleich zu Hotelzimmern?

Nightliner sind toll. Du spielst ein Konzert, packst einige Sachen zusammen, trinkst Bier (viel!), feierst im Bus, gehst schlafen und wachst am nächsten Nachmittag an der neuen Location auf. Wir sind in der Band alle befreundet und haben viel Spaß wenn wir alle zusammen sind, von daher haben wir da bisher keine größeren Probleme. Natürlich gibt es Streiche, kleinere Diskussionen und lustige Geschichten mit Käse... wir mögen es, uns gegenseitig Streiche zu spielen, deshalb ist es nie leicht, der Erste zu sein, der schlafen geht, weil es fast sicher ist, dass deine Schlafkoje mit allerlei widerlichem Zeug gefüllt ist, wenn du aufwachst.
Wenn wir selbst fahren und in Hotels übernachten, auf Sofas oder sogar in Zelten schlafen, dann müssen wir viel mehr planen. Wo wir übernachten, wer fährt, wo wir fahren, wie wir die örtliche Polizei abwehren und so weiter... Und das kommt natürlich dem Spaß und dem entspannenden Teil der Tour in die Quere! Aber jede Herangehensweise hat etwas Spannendes.

Was war das beste/schlechteste Konzert, das ihr jemals gespielt habt?

Eine der besten Shows für mich war wahrscheinlich als wir mit den EMIL BULLS in Osnabrück waren. Das Publikum war fantastisch und wir haben eine super Show gespielt.
Ich glaube, jeder in der Band stimmt darin überein, dass der schlechteste Gig den wir jemals gespielt haben in den Niederlanden war. Wir sind für 12 Stunden durchgefahren und als wir ankamen waren kaum Leute vor Ort, jeder außer uns war völlig betrunken und die Unterkunft war so furchtbar, dass wir die 12 Stunden direkt nach dem Konzert wieder zurückgefahren sind. Im Auto waren wir alle ziemlich verdammt angepisst und letztendlich waren wir in einer Zeitspanne von 28 Stunden 24 Stunden in einem Auto zusammengedrängt. Das war KEIN Spaß!

Wie sehen eure Pläne für die nächste Saison aus? Gibt es irgendwelche speziellen Ziele, die ihr erreichen wollt?

Wir arbeiten gerade an neuem Material für unser drittes Album. Wir haben das Studio für Herbst 2013 gebucht. Im Sommer werden wir einige Festivals spielen, aber unser Hauptfokus besteht darin, das neue Album fertigzukriegen. 2014 stehen dann die neuen Albumveröffentlichung und  ENORM viele Konzerte an.

Wie weit seid ihr bisher mit der Arbeit an eurem neuen Album und was könnt ihr uns schon darüber verraten?

Wir haben im Moment die Grundideen für ungefähr zehn Lieder. Einige sind schon weit genug, um am Gesang zu arbeiten, einige sind bisher nur Riffs, die verbunden werden müssen, und andere werden vermutlich in der Mülltonne landen. Meine Basslinien sind gerade bei einige Songs in Arbeit. Es sieht alles ziemlich gut aus, ich habe hohe Erwartungen und bin mir sicher, dass die neuen Ideen sehr stark sind. Die neuen Einflüsse von unseren Erfahrungen der vielen Touren 2012, neue Arbeits- und Denkweisen und unsere eigene Entwicklung machen das alles ziemlich spannend. Ich bin sicher, es wird ein Killer-MALRUN-Album und das bisher Beste sein!

Vielen Dank für das Interview!

Zu diesem Interview:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
05.03.2013