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ELMSFEUER

Gespräch mit dem Ersten Maat

 

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Gut ein Jahr ist es her, dass ELMSFEUER als Vorband von NACHTGESCHREI in der Goldenen Krone in Darmstadt ihr Bühnendebüt gegegeben haben. Seither hat sich bei den Freibeutern einiges getan - unter anderem haben sie eine Promo CD veröffentlicht und auf dem Festival Mediaval den "Goldenen Zwerg" als beste Nachwuchskünstler in der Kategorie Mittelalter-Rock gewonnen.

Wir haben uns mit André Abram alias Dargon, dem ersten Maat der Elmsfeuer über die Band und ihre Zukunftspläne unterhalten.


Nach Fluch der Karibik gab es damals einen Piratenboom, inzwischen hat sich das wieder relativiert, aber so ganz lässt die Faszination nie nach. Auch ihr habt euch die Piraten zum Thema gemacht. Worin erklärst du dir die anhaltende Begeisterung?
Wieso mögen Jungs Cowboys, Ritter, Soldaten und Jedis? Warum wollen Mädels Prinzessin oder Model sein und ihren Prinzen, bzw. einen starken Käpt´n finden? Irgendwie hat man schon sehr  früh eine gewisse Hingabe/ Faszination zu jenen Abenteuerwelten und die bewahrt man sich insgeheim, denke ich. Das sieht man besonders bei Rollenspielern/Larp, Gamern und all den „großen Kindern“. Jeder lässt sich gerne in so ein Abenteuer zurückkatapultieren und genießt diese kurze Zeit. Davon profitiert natürlich auch „Fluch der Karibik“, wobei dies natürlich ein Teufelskreis aus visuellem Effektgehasche und Abenteuerstory ist. Natürlich ergeht es solchen teuren Produktionen ähnlich wie auch „Herr der Ringe“. Es gibt Nörgler und Feinde, besser Informierte und Kritiker, Menschen die damit nicht umgehen können, sich einfach mal mitreißen zu lassen, ohne sich wieder darstellen zu müssen. Geschmäcker sind glücklicherweise sehr unterschiedlich… aber anhand bestimmter Aussagen weiß man: selbst Tolkien hätte es denen nicht recht machen können. Diese Leute gibt es übrigens auch in der Musik und wir nenne sie die: „Musikerpolizei“.

In den vergangenen Jahren haben sich immer wieder einmal Bands in unterschiedlichen Stilrichtungen mit der Piratenthematik auseinandergesetzt. Unter anderem haben CULTUS FEROX haben in ihrer Rockshow viele entsprechende Songs, ALESTORM machen Scottish Pirate Metal und VROUDENSPIL bezeichnen ihre Musik als Freibeuterfolk. Was kann man sich bei euch unter der Bezeichnung „Piratenrock“ vorstellen?
Als ich Ende 2009 mit der Idee begann eine Piratenband zu gründen, habe ich mir schon Gedanken gemacht, wie man meine Songideen, bzw. meine Art Songwriting umsetzten kann.
Mir war es wichtig etwas Neues zu erschaffen. Somit unterscheidet sich Piratenrock ganz klar von den piratig-musikalischen Geschichten von VROUDENSPIL, CORVUS oder den PULVERAFFEN. Natürlich liefen wir Anfangs in die Gefahr mit „Piratenrock“ eher in die piratige „Uffzack“-Punkschublade geworfen zu werden. So erwartet auch heute manch einer rauen Piratenpunkrock, hehe. Piratenrock ist im Grunde Mittelalterrock im Piratengenre, nur mit Akkordeon und Geige anstelle von Sackpfeifen. Was indirekt aber auch in diesen Stil einfließt ist die Mischung der Genres, welche von Folk bis Metal reichen und durch den klaren Gesang unseres Käpt´ns unsere gewisse Note bekommen. Die Piratenthematik wird aber auch durch Folk- und Schunkelnummern untermalt.

Du hast ELMSFEUER bereits 2009 gegründet. Bis ihr zu eurer heutigen Form gefunden habt hat es allerdings einige Zeit gedauert. Kannst du die wichtigen Stationen eure bisherige Bandgeschichte kurz für uns zusammenfassen?
Ende 2009 habe ich die Band ins Leben gerufen, musste mich aber im Laufe des folgenden Jahres von fünf Leuten trennen. Wir kamen einfach nicht zu Potte, es wurde alles tot diskutiert und im Gegenzug nichts zur Musik geleistet. Als bei mir dann auch der Nullpunkt erreicht wurde zog ich die einzig richtige Konsequenz. Nur die Anni mit ihrem Akkordeon ist von damals dabei und das ist gut so! Kurzerhand habe ich neue Mitstreiter gesucht, diesmal etwas gezielter und mit mehr Sorgfalt. Letztes Jahr im Mai wurden wir dann komplett.

Elmsfeuer sind Lichterscheinungen, die durch elektrische Ladungen hervorgerufen werden. Was macht diesen Namen für euch treffend?  
Grundsätzlich ist es erst mal ein deutscher Begriff aus der Nautik und Physik. Dies war mir wichtig, um unsere Grundsätze einfließen zu lassen. Dazu kam ein zweiter Aspekt: Als bildliche Hilfe kommt somit das „Feuer“ rein. Wenn man dazu den physikalischen Hintergrund noch mit anführt, also die Büschelentladung [Anmerkung der Redaktion: Büschelentladungen sind elektrische Gasentladung, die sich durch fadenförmige Lichtsäulen auszeichnet, die vom elektrischen Leiter, also dem Draht ausgehen], trifft man sehr genau unsere Mischung!

An welchen Projekten hast du zuvor mitgewirkt und was hast du aus deinen alten Bands mit zu ELMSFEUER genommen?
Ich habe in zahlreichen Bands / Projekten gespielt, aber mein „Baby“ zuvor war/ ist PAIMON. Diese Band hat mich letztendlich nach meiner Ausbildung in Hessen gehalten. Ursprünglich war es eher Black/Paganmetal und nach neun Jahren Bandgeschichte dann Melodeathmetal. Für dieses Baby habe ich damals Musikerverträge von z.B. Napalm Records nicht unterschrieben. Ich konnte so was  einfach nicht bei einer anderen Band unterschreiben, wenn es PAIMON nichts gebracht hätte. Mir ist das Bandgefühl und die Tatsache, dass ich Songwriter bin, wichtiger!
Dies habe ich mitgenommen. Erfahrungen mit Presse, Veranstalter und Publikum positiv wie auch negativ weiß ich heute zu schätzen, aber auch zu verurteilen. So kann ich als „alter Hase“ die Mannschaft vor einigen schmerzhaften Erfahrungen bewahren.  

ElmsfeuerWie sieht es im Vergleich dazu bei deinen Mitmusikern aus?
ELMSFEUER ist sehr zusammen gewürfelt, denke ich. Unser Drummer spielt seit er zehn ist und stand schon auf einigen Bühnen. Diese waren zum Teil kleiner und eher Clubs. Doc Holsch ist Tontechniker und unsere gute Technikseele. Der kennt sich da schon besser aus. Aber unser Sänger und die Mädels sind da recht neu unterwegs. Umso mehr versuche ich, alles zu erklären und kompensieren und die Mannschaft vor dem Bösen zu schützen.

Wie bist du ursprünglich überhaupt zur Musik gekommen und welche Bedeutung stellt Musik heute in deinem Leben dar?
Ich bin, wie viele Andere auch, über Metal zur Musik und dem Gitarre spielen gekommen. Dies war wohl 1995 und meine erste Band war ABUSED in Duisburg im verrotzten Neumühler Bunker. Musizieren entwickelte sich während meiner Ausbildung in Frankfurt dann immer mehr zu meinem essentiellen Dasein. Dabei ging meine spielerische Fähigkeit entgegen dem Songwriting stets ins Kontrovers. Wer mit mir zusammen Musik gemacht hat weiß, das ich sehr viel gebe. Musik machen bedeutet für mich zum einen Zufriedenheit. Zum anderen bedeutet es aber auch für mich, etwas zu kreieren, das andere Menschen gut finden. Diese gewisse Anerkennung gibt mir dann erneuten Ansporn.  

Auf Platte gibt es bisher noch kaum etwas von euch zu hören, bisher sind gerade mal euer Stück „Weltenrand“ auf zwei Samplern erschienen. Dafür habt ihr aktuell die Arbeit an einer Demo-CD beendet und Ende des Jahres möchtet ihr ins Studio. Wie sehen denn die genauen Pläne aus?
Unser Promo 1712 haben wir im Juli auf CD gebannt und werden Dezember – Februar ins Studio gehen. Songliste und Reihenfolge stehen fest und wir arbeiten an den Feinheiten.  Parallel haben wir einige Kontakte gesammelt und planen weitere Zusammenarbeiten, insbesondere bei den Grafiken und Vertrieb. Zum jetzigen Stand kann ich nur sagen, dass wir möglichst viel selbst machen werden. Unser erstes Livejahr lief so gut, dass wir 2013 mithilfe einiger Partner weitgehend selbstständig agieren können.  

In wie weit siehst du das Internet als Chance, bzw. als Möglichkeit, eine Band schneller/leichter bekannt zu machen?
Das Internet ist seit locker zehn Jahren die beste Möglichkeit zur Verbreitung geworden. Leider geht die Wertschätzung gegenüber der Bandhomepages  stark zurück. Früher bekam man nach einem erfolgreichen Gig locker fünf bis zehn Gästebucheinträge. Heute bekommt man nach einem gelungen Konzert (meist vor drei mal so viel Zuschauern) ein bis zwei Einträge. Dies ärgert mich, da wir sehr viel Zeit in unsere Homepage stecken und regelmäßig  Käpt´ns Blogbuch und Konzertreviews verfassen. Das meiste passiert aber aktuell nur über Facebook. Ob neue Bands dadurch schneller voran kommen? Ich denke nicht! Sobald der erste Hype im Familien- und Freundeskreis abgeflaut ist, geht es ums Ganze und man muss vor fremden Publikum bestehen.

Wie schätzt du heutzutage überhaupt die Chancen für junge Bands auf dem – ziemlich übersättigten - Musikmarkt?
Darüber mache ich mir keine Gedanken mehr. Diese Frage gab es schon immer, auch als wir damals mit PAIMON jung waren. Die Chancen waren schon immer gleich, außer das sich die Bands immer weiter unter Wert verkaufen. Das Pay to Play Prinzip jagt ungehindert schon in Newcomercontests mit.

Wer schreibt bei euch die Songs und woher bezieht ihr die Inspiration für eure Lieder?
Der Großteil der Melodien und Grundideen entstammen meist meiner Feder. Oftmals lade ich eine Idee bei uns ins Forum und frage in die Runde, ob das gefällt und erkläre kurz in welche Richtung das gehen soll. Meist behalten wir dann genau diesen MP3- Namen als Arbeitstitel wie z.B. Klaus, Schlange, Orient usw. Meine Inspiration kommt meist aus dem Bauch, entweder beim Üben oder ich denke „sowas müssen wir auch mal machen“.

Verwendet ihr nur eigenes Material, oder dürfen es auch mal traditionelle Shantys sein?
Grundsätzlich spielen wir eigene Songs und verwenden 1-2 Coversongs für Zugaben und entsprechenden Anlässen. Ich arbeite noch an 1-2 alten Piratensongs, würde aber viel lieber „Blau wie das Meer“ von MR. HURLEY UND DEN PULVERAFFEN verrocken ;-)
Generell covern wir aber nicht und spielen unsere eigenen Songs.

Oft gibt es schöne Stücke, die selten live gespielt werden, weil sie zu wenig Partypotential haben. Denkt ihr bereits beim Komponieren darüber nach, wie livetauglich der Song ist?
Beim Songwriting mache ich mir schon Gedanken, welche Art von Songs wir brauchen und kann dann durchaus versuchen etwas gezielt zu schreiben. Es kommen aber auch Ideen von den Anderen rein und wir schauen dann. Wir machen uns eher Gedanken, wie wir unser Set aufbauen, da wir keine Partyband sein und trotzdem Stimmung und Gefühl verbreiten wollen.

Was ist dir wichtiger – das Entwickeln neuer Songs oder die Präsentation der Musik auf Liveshows?
Das wissen wir noch nicht! Momentan fällt uns die Vorbereitung fürs Studio schwer, da wir wieder Konzerte vor uns haben. Wir arbeiten gerne neue Songs aus, aber die Resonanz beim Publikum ist sehr wichtig. Ich denke neue Songs und die Liverperformance sind ein Teufelskreis.

Was macht dir/euch auf der Bühne am meisten Spaß?
Sobald das Publikum anspricht und mit springt beginnt unsere Show! Wir spielen sicherer und gehen mehr aus uns raus. Wir blicken von der Bühne in grinsende Gesichter und dann explodiert förmlich das Pulverfass. Mittlerweile hat sich seit dem Festival Mediaval eine Polonaise bei „Seeräuberleyd“ etabliert man merkt förmlich die Stimmungssteigerung gegen Ende unseres Sets.

Welche Ziele habt ihr euch für die nächste Saison gesteckt – oder lasst ihr das einfach auf euch zukommen?
2013 wird ein hartes Jahr! Wir werden unser erstes Album am Start haben und dies auch promoten. Zudem werden wir mittlerweile auf Märkten gerne gebucht und sind bei vielen coolen Märkten/ Festivals gebucht. 2013 wird für uns das „Wir sind Elmsfeuer“ Jahr^^

Zu diesem Interview:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
23.11.2012