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ANNA KATHARINA

Interview

Bei ihrer Hauptband SCHANDMAUL legte Anna Katharina Kränzlein in diesem Jahr eine längere Babypause ein. Musikalisch untätig war sie jedoch während dieser Zeit mitnichten, denn vor kurzem erschien der mittlerweile bereits dritte Silberling ihres Soloprojekts ANNA KATHARINA, der passenderweise den Namen „Dreiklang“ trägt. Am Telefon sprach sie mit Metal-District über das neue Album, Vorbilder, Familie und zukünftige Pläne.


ANNA KATHARINA

 

Metal-District: Ich habe ja Dein neues Album inzwischen mehrfach gehört, und auch mit einigen Kollegen darüber diskutiert. Interessanterweise gingen dabei die Meinungen weit auseinander. Einig waren wir uns eigentlich nur darin, dass es anders ist, als die ersten beiden. Wie siehst Du die Unterschiede und die Entwicklung zu den vorherigen Alben?

Anna: Das Album ist insofern anders, als daß wir die Songs diesmal vorher arrangiert und dann live ausprobiert haben, bevor wir ins Studio gegangen sind. Das ist glaube ich der größte Unterschied. Die Songs haben insofern einen viel längeren Reifungsprozess durchgemacht. Zuerst waren sie live-kompatibel und dann haben wir im Studio geschaut, wie man sie ausschmücken kann.

Metal-District: Ich hatte den Eindruck, dass Du Dich dieses Mal stark auf klassische und heimatliche Klänge konzentriert hast, mir fehlte so ein wenig das „Ethno“-Element, das auf den beiden Vorgängern durchaus vorhanden war.

Anna: Das ist jetzt nicht irgendwie bewusst gewählt oder nicht gewählt, sondern das passiert einfach wies kommt. Das liegt einfach daran, was für eine Phase man grad durchmacht und was da dann eben an kompositorischen Outputs passiert. Und das war eine Zeit, als ich da gewohnt habe, da hat mich eben der Chiemgau ziemlich inspiriert, also die Natur dort und die Berge auf alle Fälle. Insofern sind zwei Nummern dann in die Richtung gegangen. Wobei ich eigentlich der Meinung bin, daß gerade der Micha – es ist ja ziemlich viel Elektronik von seiner Seite dabei – das dann wieder ein bißchen moderner gemacht hat.

Metal-District: Da Du gerade Michael ansprichst, das von ihm geschriebene Stück „Eros“ war ja ursprünglich für eine Besetzung mit Cello geschrieben, also für die LETZTE INSTANZ?

Anna: Den gibts sogar schon von der INSTANZ, und zwar ist der auf dem weißen Album drauf, den hatten die bei der Akustik-Tour im Set. Und diese Tour war ja auch die erste Tour wo ich mit meinem Projekt auf der Bühne stand, mit Specki und Micha, als Vorgruppe von der Instanz, und da hab ich den Song immer schon gehört und fand ihn toll. Der war eigentlich von der Besetzung her für Cello, Schlagzeug und Bass, und das war dann relativ einfach die Cello-Stimme auf die Geige zu übernehmen.

Metal-District: Wie wählst Du beziehungsweise wählt Ihr die Songs aus? Gibt es Ausschuß? Also Ideen, die es nicht aufs Album schaffen?

Anna: Es gab Ausschuß, aber der ist nicht aufgenommen worden, sondern ist, nachdem wirs versucht haben live zu spielen und das zwei, drei mal nicht hingehauen hat und damit eben nicht glücklich waren unter den Tisch gefallen. Da passiert auch nichts mehr damit, der is dann eben weg.

Metal-District: Davon wird dann auch später nichts mehr aufgegriffen?

Anna: Also ich bin mir ziemlich sicher, dass wenn es eine gute Idee war, die sich irgendwo im Hinterkopf festsetzt und irgendwann wieder rauskommt. Aber ich habe mir das jetzt nicht explizit aufgehoben, weil dafür kommen zu viele Ideen als dass man immer drauf kucken müsste was man mal gemacht hat. Man entwickelt sich ja auch weiter. Meistens passt das dann zwei, drei Jahre später gar nicht mehr, wenn man das da dann wieder aufgreifen würde.

Metal-District: Der Name des neuen Albums „Dreiklang“ soll sich ja nicht nur auf die dritte Veröffentlichung, sondern auch auf die Band an sich beziehen. Nun hattet Ihr ja während der Aufnahmen einen Wechsel am Schlagzeug und auf der CD sind beide Drummer zu hören. Eigentlich ist es ja dann ein „Vierklang“?

Anna (lacht): Wobei sie aber nie gleichzeitig gespielt haben.

Metal-District: Das nicht, aber es haben sich ja beide eingebracht. Wie kam es eigentlich zu dem erneuten Wechsel?

Anna: Da will ich jetzt eigentlich gar nicht mehr so tief drauf eingehen, das hat einfach aus persönlichen Gründen nicht mehr hingehauen. Oft ist es ja im Studio so, dass es irgendwie knallt und dass man merkt, man kommt jetzt einfach so nicht weiter, weil es verschiedene Vorstellungen gibt. Und dann war im Studio einfach klar, also Micha und mir, dass wir erst mal abrechen und eine andere Lösung finden müssen. Micha hat dann sofort gesagt, er hätte so gern, dass wir es mal mit Philip ausprobieren, weil er den schon sehr lange kennt. Und der kam dann auch direkt ins Studio, da haben wir dann einen Tag lang ein bißchen rumgejamt und danach hab ich eben auch gesagt: Der solls werden.

Metal-District: Aber Philipp bleibt jetzt auch, also auch für die Live-Sachen?

Anna (flehentlich): Ja, er solls bitte, bitte jetzt auch bleiben!

Metal-District: Bei den klassischen Stücken auf dem Album sind ja mit Brahms „Ungarischem Tanz“ und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ zwei sehr bekannte Vertreter dabei. Was sich dem Klassik-Unkundigen jedoch nicht sofort erschließt ist, daß das Lied „Weißer Vogel“ auch auf den Melodien klassicher Komponisten aufbaut. Magst Du uns verraten von wem die ursprünglich stammen?

Anna: Von Bach ist das Klavierstück, als das Praeludium, und die Melodie des Gesangs ist von Charles Gounod, das Ave Maria, da hab ich dann einfach einen eigenen Text drauf gemacht.

Metal-District: Du bist ja vor nicht all zu langer Zeit Mama geworden. Was bedeutet für Dich Familie und wie hat sich das auf Deine Musik ausgewirkt?

Anna: Musikalisch hat sich insofern viel verändert als dass sich mein Arbeits-/Übe-Tag sehr eng gestaltet. Ich komme eigentlich erst wenn die Kleine im Bett ist zu irgendwas, das ist dann meistens so ab 7. Es verrückt schon ne Menge und es ist schon so, daß ein Kind alles so ein bißchen umschmeisst. Ich hab ja vorher gedacht das ist alles gar kein Problem, und wenn sie ein halbes Jahr alt ist geh ich auf Tour und alles super, und jetzt hab ich schon ein bißchen Bammel davor, dass es nächste Woche losgeht und ich denk mir, geht das alles so? Also es verändert sich schon ein bißchen, aber ich bin zuversichtlich, dass ich beides hinkriege.

Metal-District: Geige üben ab abends um 7 Uhr? Was sagen denn da die Nachbarn dazu?

Anna: Ich bin gottseidank in der Situation, daß wir hier in einen alten Bauernhof, also ein frei stehendes Bauernhaus, gezogen sind und das renoviert haben im letzten Jahr. Ich habe den alten Kuhstall zu meinem Übe-Raum gemacht und da kann ich 24 Stunden am Tag üben, ohne daß irgendwer was sagen würde.

Metal-District: Im Zusammenhang mit Dir fällt ab und an das Wort „Ausnahmegeigerin“. Wen würdest Du selbst als „Ausnahmegeiger“ bezeichnen? Hast Du Vorbilder? Auch im klassischen Bereich?

Anna: Also auf alle Fälle so jemanden wie Nigel Kennedy. Wenn ich jetzt sowas wie ein Vorbild suche, kommt der da am ehesten in die Richtung. Einfach weil er jemand ist, der seinen eigenen Stil gefunden hat und es auch total durchzieht, bei dem die Musik aber auch irgendwie lebt und der gerade auch die Klassik ein bißchen in die heutige Zeit holt mit seiner Art. Das wäre für mich jetzt zum Beispiel ein Ausnahmegeiger. Und ansonsten, ich meine im richtig klassischen Sinne, das ist wieder was ganz anderes, weil da gibt es andere Regeln und die spielen natürlich alle ganz anders. (überlegt) Ich würde jetzt einfach mal Nigel Kennedy so stehen lassen.

Metal-District: Zum guten Schluß natürlich die Frage nach den Zukunftsplänen. ANNA KATHARINA wird mit dem neuen Material auf Tour gehen und mit SCHANDMAUL steht ein neues Album an. Gibt es weitere Pläne oder Projekte? Du hast ja in den letzten Jahren auch mit anderen Musikern zusammengearbeitet, wie etwa Wolfgang Ambros oder Pippo Pollina.

Anna: Nee. Ich bin froh, angesichts dessen, daß ein Kind sehr viel Zeit braucht, wenn ich jetzt mein Soloprojekt und Schandmaul und das Kind auf die Reihe krieg. (lacht) Ich glaub das sind jetzt erstmal genug Sachen. Alles andere hab ich grad im Moment abgelehnt.

Metal-District: Also gab es anscheinend Angebote?

Anna: Es war mal die Rede davon, ob ich mit Ringsgwandl ein bißchen was mache, aber ich hab da jetzt einfach mal die Vernunft durchgesetzt.

Metal-District: Wir bedanken uns herzlich für das Interview.


ANNA KATHARINA

 

 

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Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
17.11.2012