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BERNHARD HENNEN

Der Fantasy Autor über Traumberufe, Vorbilder und Inspirationsquellen

Interview mit Bernhard Hennen

 

Im Herbst letzten Jahres haben Sie mit „Drachenelfen“ einen neuen Zyklus innerhalb der Elfen-Saga begonnen. Der erste Elfen-Roman erschien bereits 2004, zuvor haben sie jahrelang Romane und Abenteuer in der DSA-Rollenspielwelt Aventurien geschrieben. Was fasziniert Sie daran, sich so lange mit einer bestimmten Welt auseinanderzusetzen? Oder anders gefragt: Wird das nicht auch irgenwann langweilig und Sie würden lieber etwas anderes schreiben?

Der Reiz, so lange an einer Welt zu arbeiten, liegt für mich darin, ihr mit jedem Buch mehr Tiefe zu geben. Alle Romane sind miteinander vernetzt. Es ist zwar nicht so, dass man sie alle gelesen haben muss, wenn man zum Beispiel mit dem Drachenelfen-Zyklus neu einsteigt, aber wer die anderen Bücher kennt, wird viele Anspielungen darauf finden, Antworten auf offene Fragen entdecken und manch eine vermeintliche Wahrheit über die Vergangenheit Albenmarks und der Welt der Menschen in einem neuen Licht sehen. Ich selbst bin ein Fan von komplex aufgebauten Fantasy-Zyklen, wie etwa George Martins „Das Lied von Eis und Feuer“ und solche Vorlieben schlagen sich auch in meiner Arbeit nieder. Allerdings sind es nicht die Elfen allein, die mich begeistern. Nebenbei sammele ich Material für Romane, die in der Zukunft erscheinen werden. Besonders begeistere ich mich an einem Projekt, in dem ein Thriller, der im Hier und Jetzt spielt, kombiniert wird mit einem historischen Roman, der die zweite Erzählebene dieses Buches sein wird.

War (Fantasy-)Autor schon immer Ihr Traumberuf?

Nein, das war mir nicht in die Wiege gelegt. Tatsächlich war mein Weg zum Autor lange und gewunden. Hier einige meiner Traumberufe in verschiedenen Lebensphasen: Archäologe (6 Jahre), Zahnarzt (12 Jahre), Künstler (16 Jahre), doch Archäologe ? (18 Jahre), Kriegsberichterstatter (20 Jahre). Plötzlich Autor (27 Jahre). Mit Leib und Seele Autor! (37 Jahre)

Wann und wie entstand eigentlich die Idee zum Elfen-Universum?

Ganz ehrlich? Das hatte mit dem Erfolg der Romane „Die Orks“ und „Die Zwerge“ zu tun. Damals dachte ich mir, dass da noch „Die Elfen“ fehlen, was mir sehr gut passte, da es schon lange vorher, in meinen allerersten Fantasy-Publikationen, um Elfen ging. Also habe ich ein Exposé verfasst, beim Heyne Verlag eingereicht und hatte das Glück genommen zu werden.

Wie lange brauchen Sie durchschnittlich, um einen Elfen-Band zu schreiben?

Hinter einer Romanseite stecken etwas mehr als zwei Stunden Arbeitszeit. Da meine Bücher meist recht dick sind (900 Seiten), läppert sich da einiges zusammen. In aller Regel schaffe ich ein Buch im Jahr.

Die Schilderung der Flucht der Firnstayner über den zugefrorenen Fjord in “Elfenwinter” war für Sie nach eigenen Angaben beeinflußt durch die Berichte von Vertriebenen aus dem Kriegswinter 1944/45. Wie wichtig ist Ihnen Authentizität innerhalb des Fantasy-Genres?

Sehr wichtig. Für mich ist die Tatsache, dass ich Fantasy schreibe, keine Ausrede dafür, unpräzise zu sein. Ich habe vor langer Zeit Schwertkämpfen gelernt, um die Kampfszenen in meinen Büchern realistischer schreiben zu können und bin einige Jahre lang sogar als Schwertkämpfer auf Mittelaltermärkten aufgetreten. Ich habe Geschichte, Germanistik und Vorderasiatische Altertumskunde studiert, was sich kombiniert mit meiner Zeit als Journalist massiv auf meine Vorgehensweise bei der Romankonzeption niederschlägt. Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte. Wie zum Beispiel beim Roman „Elfenwinter“, der sich auf einer tieferen Erzählebene mit den Bombennächten des zweiten Weltkriegs und eben dem von ihnen erwähnten Fluchtwinter 1944/45 beschäftigt. Auch wenn die Verbindungen zu unserer Welt von den Lesern nicht immer rational nachvollzogen werden, werden sie doch auf einer tieferen Ebene emotional berührt, weil vieles mit Ereignissen verbunden ist, die unser tägliches Leben beeinflussen. Das ist zugegebenermaßen ein ungewöhnlicher Erzählansatz für Fantasy.

Woher beziehen Sie generell Ihre Inspiration(en)?

Das ist ein weites Feld. Es können die Acht-Uhr-Nachrichten sein, aktuelle politische Vorgänge, die in überzeichneter Form in meine Bücher fließen, Eindrücke meiner Reisen. Ich war in den letzten Jahren mehrfach in China und genieße das Privileg, dort an Orte zu gelangen, die man als Tourist üblicherweise nicht zu sehen bekommt. Auch das hinterlässt Spuren in meinen Büchern. Außerdem beschäftige ich mich noch immer sehr intensiv mit historischer Fachliteratur. Daher kommt mein Wissen über den Einsatz von Streitwagen in der späten Bronzezeit, den Aufbau von Schlachtlinien, Götterkulte, Heilkunde etc. Natürlich könnte ich das in einem Fantasy-Roman alles erfinden, aber unsere Welt ist so reich an phantastischen Stoffen, dass ich es genieße, aus den Quellen zu schöpfen und manches, was die Leser für pure Fantasy halten, ist ein Auszug aus unserer eigenen Vergangenheit.

Haben Sie Vorbilder, oder gibt es (Autoren-)Kollegen, die Sie besonders bewundern?

Ich bin bekennender Vielleser und mein Geschmack ist weit gefächert. Ich schätze besonders die Werke einiger lateinamerikanischer Autoren, wie zum Beispiel Gabriel García Márquez, Mario Vargas Llosa oder Carlos Fuentes. Sehr gerne lese ich auch Arturo Pérez-Reverte. Im Genre der Fantasy ist seit langem George Martin mein Vorbild. Und Kai Meyer beneide ich regelmäßig um seine wunderbaren Romananfänge.

Wie kam es zu der Idee die Romane in ein Hörspiel umzusetzen? Und wieso wurde gerade der „Elfenwinter“-Zyklus dafür ausgewählt?

Dennis Ehrhardt von Zaubermond ist an mich herangetreten und als das geschah, habe ich keine Sekunde gezögert, denn von Kollegen wusste ich schon seit einer Weile, was für wunderbare Hörspielumsetzungen er erschafft. Für „Elfenwinter“ habe ich mich entschieden, weil dieser Roman in sich abgeschlossen ist und im Gegensatz zu „Die Elfen“ eine einfachere, geradlinigere Erzählstruktur hat. Da mir klar war, dass bei Büchern mit 900 Seiten etliche Kürzungen anstehen würden, war dies einfach die naheliegendste Wahl.

Wie viel Mitspracherecht hatten Sie bei der Hörspielbearbeitung, z.B. was das Skript oder die Sprecherauswahl anging? Gab es Streitpunkte bei der Umsetzung?

Am Skript habe ich gemeinsam mit Dennis Ehrhardt gearbeitet. Wir haben gemeinsam nach Wegen gesucht, einige Handlungsstränge der Geschichte zu verknappen, ihre Essenz dabei aber zu erhalten. Die Sprecher habe ich mit ausgesucht. Als ich mir am Ende die fertigen Hörspiele anhören konnte, war ich sehr, sehr stolz auf das, was aus meinen Büchern geworden war. Und Streit… Nein, den gab es nie. Dennis macht seinen Job einfach viel zu gut. Ich habe vom ersten Augenblick an spüren können, dass er mit Herzblut bei der Sache ist und ein Perfektionist ist. Bei uns hat die Chemie sofort gestimmt.

Wird es weitere Hörspieladaptionen der Elfen-Saga geben?

Das hängt vom Verkaufserfolg der Hörspiele ab. Da sich die Serie aber ganz gut an einem schwierigen Markt schlägt, hoffe ich, dass es schon bald weitergehen wird.

Abschließende Frage - da wir eigentlich ein Musikmagazin sind: Abgesehen von der musikalischen Bearbeitung im Hörspiel - welche 5 Künstler/Interpreten/Bands/Musikstücke würden Sie spontan als Soundtrack zur Elfen-Saga empfehlen?

Ich arbeite bereits seit zwei Jahren mit der spanischen Musikerin und Sängerin Maite Itoiz von der Gruppe „Elfenthal“ zusammen. Ihre Musik höre sich sehr häufig bei der Arbeit. Sie hat mein Gedicht „Lyviannes Nachtlied“ aus dem Roman „Drachenelfen“ genial vertont, was eines der schönsten Geschenke war, die ich in den letzten Jahren bekommen habe. Ich hatte ihr das Gedicht zusammen mit einigen anderen Texten geschickt – wir reden häufig miteinander über die Arbeit, an der wir gerade sitzen – und dann kam völlig unerwartet zwei Wochen später ein fertiges Lied zurück. Zurzeit gibt es diesen Song nur als Bestandteil des Hörbuchs „Drachenelfen“, wer aber neugierig ist, kann hier einmal reinhören, in welche Richtung das Ganze geht. 2011 hatten wir unter dem Titel „Die verwunschene Nacht“ eine erste gemeinsame Tour, bei der wir einen Abend mit Lesungen und auf die Lesestücke abgestimmte Musik angeboten haben. Eine zweite Tour wird es im Februar 2013 geben. Sie sehen, den Soundtrack zu den Elfen gibt es schon.

Wir bedanken uns herzlich für das Interview!

 

Bernhard Hennen

 

 

Zu diesem Interview:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
07.06.2012