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KRYPTERIA

Interview

 

KRYPTERIA im Interview

 

Anlässlich des KRYPTERIA-Konzerts im Berliner Magnet Club im Dezember (den Bericht dazu findet Ihr hier) wollte ich mit Sängerin Ji-In Cho ein Interview führen. Da die Frontfrau der Aachener jedoch zu dieser Zeit mit einer Erkältung und Halsschmerzen zu kämpfen und der Tourmanager für sie ein absolutes Sprechverbot zwischen den Auftritten verhängt hatte, waren es dann Bassist Frank Sturmvoll und Live-Gitarrist Olli Singer, mit denen ich vor dem Auftritt einen kurzen Backstage-Plausch halten durfte.

 

Hallo und gleich mal danke fürs Interview. Eigentlich dachte ich ja, ich würde Eure Sängerin interviewen, deshalb sind die Fragen jetzt auch eigentlich auf sie zugeschnitten...

Frank: Ahhh, das passt gut zu mir... (Gelächter)

Na gut, ok, lange Haare haste ja schon mal... Fangen wir mal so an: Ihr spielt ja auf sehr verschiedenen Festivals und Veranstaltungen, also Ihr wart auf Wacken, auf dem Mera Luna und ich hab Euch dieses Jahr auch beim Festival Mediaval gesehen, was ja jetzt eigentlich ein bißchen „artfremd“ ist. Wie würdet Ihr Euch denn selber musikalisch einordnen und gibts beim Publikum Unterschiede in der Reaktion?

F: Also musikalisch gesehen, wir können ja eh nur unser Ding machen, da haben wir richtig Bock drauf, wenn die Leute uns auch noch annehmen ist das um so besser. Beim Festival Mediaval war das natürlich genial, die Leute sind so abgegangen! Das war ja auf der großen Bühne und das war vor der Show ein leerer Platz in der Sonne und wir kamen raus und haben damit gerechnet, daß da keiner steht, und auf einmal stehen die ganzen Leute da und gehen ab und machen auch mit. Für uns ist das letztlich egal ob klein, groß, so eine Art von Festival oder ein Metal-Festival, wir ziehen da einfach unser Ding durch und haben Spaß, und das überträgt sich auf die Leute. Und wenn das dann zurückkommt als Feedback, dann ist es genial!

Und wie würdet Ihr Euch selbst denn jetzt musikalisch einschätzen? Seid Ihr eher „Metal“ oder eher „Gothic“ oder wollt Ihr Euch überhaupt nicht in eine Schublade packen lassen?

F: Schubladen sind ja eigentlich immer ganz gut, also vor allem für den, der sich jetzt nicht so gut damit auskennt, daß er das dann so ein bißchen vorher einordnen kann. Persönlich bin ich jetzt aber überhaupt kein Fan von Schubladen, aber das Ding is halt, wenn Du uns jetzt nicht kennst und mal nachfragst, was machen die denn, es geht ja von Symphonic Metal, Gothic Metal... im Endeffekt ist es wirklich von allem glaub ich ein bißchen. Wir sind schon ziemlich hart, wir haben aber auch unsere weichen Seiten. Wenn wir Songs schreiben, machen wir einfach das, worauf wir Bock haben und jeder befruchtet den anderen. Bei uns fließt immer alles in den großen Topf und da entsteht halt die Musik draus, wir machen uns da gar nicht so große Gedanken drüber. Und nachher, das was dann auf Platte ist, das wird dann kategorisiert von den Journalisten.

Jaja, die bösen Journalisten, ich weiß, wir machen das immer...

(allgemeines Gelächter)

Aber gut, daß Du das Songwriting erwähnst, da würd ich gern mal einhaken. Ich hab in einem Eurer früheren Interviews gelesen, daß Ihr alle ziemlich gleichwertig am Songwriting beteiligt seid und es auch gar nicht so sein muss, dass ein Gitarrenriff jetzt unbedingt immer vom Gitarristen kommt. Wie kann ich mir das denn bei den Texten vorstellen? Also kommt da jetzt einer und sagt ich hab diese eine Zeile im Kopf und wirft die in den Raum und der Rest schreibt das dann weiter? Oder kommt auch mal jemand mit nem fertigen Text und der Rest verbessert dann nur, oder wie kann man sich das vorstellen?

F: Sowohl als auch. Also viele Sachen... Manchmal kommt man sogar mit nem fertigen Song und daraus entsteht dann ein Song, wo dann vielleicht die Bridge davon noch drin ist und die Strophe dann von nem anderen Song und wir schmeissen das dann zusammen, weil es einfach so gut passt, also auch untereinander so gut passt. Wir verstehen uns sehr gut, aber wir gehen natürlich auch sehr kritisch miteinander um und daraus kann man dann im Songwriting eigentlich auch alles machen. Wir schmeissen einfach alle unsere Songs und Ideen in einen Topf und rühren um, und da kommt dann irgendwas bei raus was man vorher nie gedacht hätte, was auch für uns dann wieder total spannend ist. Wir sind da auch wirklich gut aufgestellt. Oft spiel auch ich Gitarre beim Songwriting, was dann nicht so toll klingt und das muss dann alles repariert werden nachher... (Gelächter) Manchmal fangen wir auch mit einem Bassriff an oder, weil Du auf die Texte zu sprechen gekommen bist, wir machen auch viel nach Themen. Wir sprechen so ein Thema lange, lange durch, wir können uns da echt stundenlang vertiefen und sprechen ein Thema worüber der Text handeln könnte durch und dann schmeißt jeder seine Sätze da mit rein, und am Ende setzt sich halt dann einer hin und formuliert nochmal. Und auch da kommt dann halt meist ein Text raus, der das Thema widerspiegelt, aber den man vorher vielleicht alleine nicht so geschrieben hätte. Wenn Du Dich hinsetzt und so alleine vor Dich hin schreibst kommt meist ein ganz anderer Text raus als wenn Du da gemeinsam dran rum arbeitest.

Wenn das Songwriting jetzt bei Euch so ein Flickenteppich ist, wenn ich es mal so nennen darf, wie viel davon ist Bauch und wieviel Kopf?

F: 99,9% Bauch.

Ok, das ist eine deutliche Aussage...

F: Ja, aber es soll ja auch nicht nach Flickenteppich klingen, wir ergänzen uns einfach gut. Wenn Du viele individuelle Songwriter hast, wie das auch bei uns auch der Fall ist, die aber untereinander nicht so kooperieren können weil sie eben sagen: Das ist mein Song , und der bleibt so, oder wir machen ihn halt nicht, das gibts bei uns halt nicht. Bei uns ist es jetzt aber auch nicht so, daß man den Song zerreißt, man lässt halt in einen Song, der schon mal existiert, viele Sachen einfließen, und dann verbessern sich halt Bridges mit ner anderen Idee noch dazu und so... Es ist kein Flickenteppich, sondern da entstehen dann halt neue Sachen, ich meine, wir sind ja jetzt auch schon seit 7 Jahren zusammen.

Also eher Schmelztiegel als Flickenteppich?

F: Das ist eine sehr schöne Formulierung.

Frank Sturmvoll beim Konzert in Berlin

Was kommt bei Euch denn jetzt als nächstes? Ihr seid jetzt gut bei der Hälfte der Tour...

F: Ja, heute Berlin, dann morgen Ingolstadt, dann sind wir in Ludwigsburg in der Rockfabrik, dann Nersingen und dann noch Siegburg, dann ist das Thema auch erst mal für dieses Jahr live durch. Nächstes Jahr sind wir dann in Asien, also China und Korea stehen schon fest bisher, da kommt mit Sicherheit noch was dazu, und danach dann Europa, das heißt Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich... Wir haben dann auch wieder in Deutschland ein paar Sachen mit drin, die wir jetzt nicht spielen konnten, weil man nach Siegburg z.B. eben nicht gleich in Köln spielen kann, ist zu nah dran. Ich hoffe auch daß München noch dazu kommt und noch ein paar Städte mehr in Deutschland.

Also wieder so eine Mini-Tour wie jetzt diese?

F: Genau. Und auch wieder so Club-Größe, also maximal so wie in Aschaffenburg das Colos-Saal. Das ist im Moment so der Plan fürs nächste Jahr. Dann kommt die Live-DVD raus, die wir in Aachen aufgenommen haben, die wird Ende des Jahres hoffe ich fertig geschnitten sein, das wird sich dann halt noch in den Januar reinziehen, dann muss es ja auch noch gemischt werden, aber im ersten Quartal wird es dann soweit fertig sein. Und wir sind natürlich auch schon am nächsten Album fleissig dran...

Da wollte ich gerade nachfragen, ich hab in einem anderen Interview gelesen, daß Ihr da Euren bisherigen 2-Jahres-Rhythmus vielleicht ein bißchen aufbrechen wollt...

F: Es soll in erster Linie gut sein. Wir wollen natürlich mit dem Album top zufrieden sein und wir sind auch untereinander nicht so leicht zufrieden zu stellen, das heißt wir arbeiten schon sehr intensiv, dementsprechend dauert es halt auch ein bißchen. Aber wir sind fleissig dran, wir haben schon einen wirklich großen Pool an Songs und ich denke auch, daß wir relativ schnell Anfang des Jahres mit der Produktion beginnen werden.

Das klingt ja schon mal sehr vielversprechend!

F: Ja, wir haben viel vor fürs nächste Jahr!

Weil Du eben nochmal die Clubgröße angesprochen hast, das letzte Mal als ich Euch gesehen habe war ja auf einer Riesenbühne beim Mediaval, das heute Abend ist ja was ganz anderes, das ist ja eher so mit Kuschelfaktor. Was macht Ihr lieber?

F: Beides gleich. Das Feedback der Leute ist entscheidend, also egal ob da jetzt 20 stehen oder 2000 oder 20000. Natürlich ist das geil aufm Wacken, wenn da 70000 Hände hochgehen, das is schon ein Erlebnis wo man auch selber dann Gänsehaut kriegt noch, also so richtig intensiv... und auch ein bißchen Angst... (Gelächter) Aber es ist wirklich das Feedback der Leute entscheidend, wenn das stimmt, ist es egal, wie viele da stehen... darum gehts letztenendes, das macht die Sache halt aus. Die kleinen Bühnen sind sehr schön intim. Als wir in Übach gespielt haben, da wars rappelvoll, und das ging so dermaßen ab, das is natürlich was anderes als beim Mediaval in der Sonne zu stehen. Wir haben Spaß, ob klein oder groß. Wir haben da auch öfter schon untereinander drüber diskutiert, aber wir machen alles ganz gern, deshalb auch diese kleine Tour jetzt, man is halt näher dran und hat danach auch noch Zeit mit den Leuten zu quatschen, das geht halt bei den großen Dingern nicht so.

Da hat man dann eher diese festen Autogrammstunden, wo die Leute für Schlange stehen...

F: Ja, da muss dann halt alles doch eher so fließbandmäßig durchgehen...

Gut, noch zwei kurze Fragen zum Abschluss: Zum einen, ganz klischeemäßig die Frage: Was hört Ihr denn eigentlich privat so für Musik?

F: (deutet auf Olli) Jetzt darfst Du mal! (Gelächter)

Olli: Ich hör natürlich nur Metallica! (Gelächter) Nee, aber eigentlich ein bißchen von allem. Das fängt an bei ner guten Jazzplatte und hört natürlich auf bei, ich will jetzt keine Bandnamen nennen, aber bei Thrash-Metal oder auch moderne Sachen. Im Prinzip, es gibt keine „gute“ Musik, sondern Musik, die mir gefällt.

Bleibt als letztes die Frage nach der Inspiration: Was inspiriert Euch denn so, z.B. dazu einen Song zu schreiben. Und habt Ihr Vorbilder, also sowohl musikalischer Natur als auch sonst?

O: Vorbilder ist natürlich immer ein bißchen schwierig, natürlich gibts Vorbilder. Also mein großes Vorbild ist Frank... (Gelächter).

F: Kannst Du das ganz laut machen?

Ja, ich werds beim Abtippen dann dick drucken! (mehr Gelächter)

O: Ja, aber natürlich gibts Vorbilder, ich glaube das hört man ja auch, das kommt ja bei uns echt aus allen Ecken und Enden... Und ich glaube nicht, daß das so ein bewußtes „Ich nehme mir was zum Vorbild“ oder „Ey das find ich cool, das will ich jetzt auch machen“ ist, sondern, kennst Du ja selber, da bleibt einfach irgendwas hängen und irgendwas kommt raus, und Du denkst Dir „Find ich gut!“ oder „Das fand ich auch mal gut“. Aber das soll ja nicht genau so klingen. Einflüße kommen einfach automatisch, und manchmal kann man das auch gar nicht richtig einordnen. Wenn man jetzt vom musikalischen Geschmack her geht, würd ich jetzt mal sagen geht das von sehr klassischen Sachen bis zu sehr technisch orientierter Musik.

F: Es ist ja auch so ein bißchen die Synergie des Erlebten. Man lässt eben viel von dem, was man erlebt hat, da mit reinfließen. Manchmal gehen diese Erlebnisse auch sehr tief, also auch auf so einer Tour hat man sehr tiefe Erlebnisse... das spiegelt sich mit Sicherheit auch mal wieder in den Songs. Und auch alles, was man so gehört hat, von klein bis heute, fließt ja da irgendwie mit ein. Und das Schöne daran ist, wenn viele Leute an so einem Songwriting arbeiten, dann fließen auch viele Jahre Erfahrung und viele Jahre gehörte Musik da mit ein, und das macht es dann auch so interessant was hinten raus kommt.

Gut, dann bedanke ich mich nochmal herzlich für das Interview, auch bei Dir [gemeint ist Keyboarder Stefan, der die ganze Zeit schweigend anwesend war], auch wenn Du nix gesagt hast...

F: Aber er sah zumindest gut aus!

Ja, aber das hört man ja auf dem Tape nicht... hmm, ich kann ja schreiben, daß eine Verzierung beim Interview anwesend war...

(allgemeines Gelächter)

Na dann, ich freu mich auf die Show!

F: Wir uns auch. Und danach trinken wir ein Bier zusammen!

 

Zu diesem Interview:

Autor:
redbeard

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Artikel eingestellt:
01.01.2012