Suche:

THE SEWERGROOVES

Die schwedische Band über Retro, Liebe zur Musik und Country auf Skandinavisch.

Sewergrooves

Hallo an THE SEWERGROOVES! Einige unserer Leser haben euch vielleicht schon im April auf eurer Deutschlandtournee gesehen. Gebt uns doch bitte für den Rest eine kurze Einführung zur Band und beschreibt, wer was zur Musik beiträgt.

THE SEWERGROOVES, das sind vier Jungs aus verschiedenen schwedischen Kleinstädten. Kurt Dräckes (Gitarre und Lead Vocals) kommt aus Kiruna, Anti Pop (Bass und Backing Vocals) auch – falls du Kiruna nicht kennst, das ist ziemlich weit im Norden oben, hinter dem Polarkreis, diese Typen sind also an einem seltsamen Ort aufgewachsen. Packe (Gitarre und Backing Vocals) kommt aus Katrineholm, einer kleinen Stadt in den Wäldern, und last but not least Fred am Schlagzeug, der aus Karlstad in der Nähe von Norwegen, also aus dem Westen Schwedens kommt. Kurt schreibt die ganze Musik und die Lyrics, aber die gesamte Band ist an den Arrangements und an diversen Änderungen beteiligt, und am Ende kommt dann ein Sewersong dabei raus! Wir arbeiten hart im Proberaum und wir mögen das so. Wir bringen alle einen unterschiedlichen Hintergrund mit und haben vor unserer SEWERGROOVES-Zeit sogar andere Instrumente gespielt. Anti Pop war Gitarrist, aus dem ein cooler Bassist wurde, Kurt spielte in seiner Jugend Bass in verschiedenen Metal-Bands, Packe spielte Punkrock und war ebenfalls Bassist, bevor er zur Gitarre griff; Fred ist wahrscheinlich der einzige richtige Musiker in der Band. Zunächst ist das alles zusammen ein bisschen chaotisch, aber es ist toll und irgendwie gibt uns dieses Line-up genau das richtige Gefühl.

THE SEWERGROOVES existieren seit fünfzehn Jahren. Das ist eine ziemlich lange Zeit, wenn man immer die gleiche Musik macht. Warum habt ihr euch dafür entschieden, das zu tun, was ihr eben tut? Ihr werdet oft als 'garage' beschrieben, stimmt ihr da zu oder würdet ihr diese Ansicht gerne verbessern?

Wir sehen uns wirklich nicht als eine Garage Band! Wir bevorzugen es, uns als Rock Band zu sehen, unseren Wurzeln treu aber eben doch immer bestrebt, neue Wege zu gehen. Wir wollen nicht so klingen wie eine Band aus den 60ern oder 70ern, aber wir nehmen gerne die guten Seiten dieser Ära und aktualisieren sie. Wir lieben Musik und wir lieben unsere Musik. Wir können nicht wirklich irgendetwas anderes tun, weil wir die Musik, die wir schreiben und spielen, sind. Es hört sich vielleicht blöd an, aber wir würden das mit oder ohne Plattenfirma machen, mit oder ohne Publikum, scheiß drauf wir würden keine andere Art von Musik machen, selbst wenn wir dadurch Millionäre werden würden. Wir freuen uns daran, dass wir uns entwicken, und wir fordern uns zu neuen Sachen heraus, selbst wenn es für einen Außenstehenden so aussieht, als ob wir Album auf Album die selbe Art von Songs machen. Das machen wir eben nicht, wir arbeiten wirklich daran, unseren Sound und unsere Songs langsam zu entwickeln. Songwriting ist auch wichtig für uns, gute Songs sind wirklich wichtig! Jedes Album, das wir gemacht haben, steht für eine bestimmte Zeit. Dinge, die passiert sind, während wir die Songs geschrieben haben, Dinge, die wir getan haben, wie Touren oder andere Sachen und Musik, die uns zu der Zeit gefallen hat.

Welche Bands/Künstler inspirieren euch?

The Sonics (US), Thirteen Floor Elevators(US), James Brown (US), Johnny Winter (US), Muddy Waters (US), Bo Diddley (US), the Detroit scene, Bob Seger, MC5, The Stooges, and the STAX soul from Detroit. Grand Funk Railroad (US), Lynyrd Skynyrd (US), Roky Erickson (US), New York Dolls (US), Kiss (US), The Ramones (US), Dead Boys (US), Velvet Underground (US), Foghat(US/UK),,, verdammt, so viel gute Musik aus den Staaten, und wir haben mit den britischen oder australischen Bands noch nicht mal angefangen...


Irgendwelche anderen Musikrichtungen, die eure Arbeit inspirieren? Oder wenn schon nicht inspirieren, euch dann wenigstens eine gute Zeit geben?

Naja, wie schon gesagt mögen wir Punk Rock und Metal, aber wir mögen auch einiges an richtig altem, bösem Death Metal. In Bezug auf lustige Musik würde ich mal schwedischen Country ins Feld werfen, es gibt hier einen Künstler namens Red Jenkins und er ist einer unserer Favoriten im Tourbus.

Sprechen wir mal über Veröffentlichungen... welches eurer Alben findet ihr am Besten und warum?


Meistens halten wir innerhalb der Band das letzte Album für das Beste. Wir haben alle unterschiedliche Favoriten. Wir spielen immernoch Songs von allen Alben live, es gibt auf jedem Album mindestens drei bis vier Songs, die wir immer noch gerne auf der Bühne spielen.

Ich habe euer neues Album „Trouble Station“ wirklich gerne angehört, es hat mir ziemlich viel Freude gemacht (und tut es weiterhin). Das Artwork ist auch cool. Steckt hinter diesem eindrucksvollen Straßencomic eine Geschichte? Sex, drugs, rock'n'roll, Wild West-Filme/12 o'clock showdown?

Normalerweise schreiben wir Songs, proben für einige Wochen und nehmen das Album dann in vier bis fünf Tagen auf, da wir alles im Studio live einspielen. Aber dieses Mal haben wir aus verschiedenen Gründen entschieden, zwei bis drei Songs auf einmal aufzunehmen, und dann wieder zwei bis drei weitere Songs zu schreiben und aufzunehmen. Das dauerte ewig! Wir haben Zeug geändert, wir hatten persönliche Probleme, wir hatten eine andere Meinung als unsere Plattenfirma, wir haben Geld verloren und beinahe aufgegeben... aber dann haben wir alles irgendwie wieder auf die Reihe bekommen und sowohl die Songs als auch das Album fertiggestellt, aber dieses Mal war es wirklich ein langer und harter Trip.
Wir haben bei Sounds Of Subterrania unterschrieben und ihnen unsere Idee für den Albumnamen mitgeteilt. Es geht um einen jungen Kerl,der sein Bike durch diese raue Gegend fährt, mit all diesen üblen Leuten, die ihn beobachten. Auf der Innenseite (insbesondere bei der Schallplatte) kann man sehen, wie er in seiner Fantasie Flipper mit diesen ganzen üblen üblen Leuten spielt. Wir haben kurz vor der Anfertigung des Covers auf einem Festival in St. Pauli gespielt, und Marcus Schäfer (dem Deutschen, der dieses fantastische Cover gemacht hat) gelang es gleich, das richtige Gefühl einzufangen!

Persönlich halte ich „Oh Trouble“ für den besten Song auf dem Album. Welchen Track mag die Band? Oder habt ihr erstmal genug, jetzt, wo alles aufgenommen und fertig ist?

 Ja, du hast genug gehört und willst dir die Songs echt nicht mehr reinziehen. Aber als wir die Proben für unsere Tour begonnen haben, entschieden wir uns dazu,  „Free To Fly“, „Oh Trouble“, „Burning Desire“, „One Of Those Things“ und „Twist Of Fate“ zu spielen. Wir haben auch eine Menge alter Songs, die wir immer noch gerne live spielen. Aber wir stimmen dir zu, dass „Oh Trouble“ vielleicht der beste Song ist... oder „Free To Fly“... oder „Burning Desire“... naja... wie du siehst, fällt es uns schwer, darüber zu einer Übereinkunft zu kommen.

Es gibt da eine Sache, die ich nicht verstanden habe... Es gibt „Free To Fly“, Part I & II. Naja, es scheint einfach irgendwie seltsam, denn der zweite Teil ist nicht mehr als ein Outro... und dieses konstante uh-uh-uh ist das Einzige, was ich am Album nicht mag. Also, wie ist es dazu gekommen, dass ihr den Song so aufgeschnitten habt, vielleicht um einen Rahmen um den Rest der Songs zu bilden?

Ja, wir nahmen den Song auf und haben plötzlich einfach mit dem Riff weitergemacht, also hoben wir es auf, und es war ein perfekter Weg, das Album zu umrahmen, denn wir sehen unsere Alben immer als Gesamtwerk und nicht als ein Bündel voneinander getrennter Songs. Das uh uh uhhh am Ende ist einfach so passiert, wir mögen es, aber es ist absolut okay wenn es jemandem nicht gefällt!

Bei manchen Songs sind weibliche Vocals zu hören, netter Effekt, Wer hat die eingesungen? Da ich eure anderen Alben nicht kenne, gibt's das bei euch öfter?

Das war eine Freundin namens Kristina Karlsson. Sie hat in Stockholm in verschiedenen Hard Rock- und Metal-Bands gesungen und sie ist ein echt cooles Mädchen. Wir haben das auf dem ersten Album gemacht und jetzt auf dem letzten, und ebenso auf einigen 7inches.
 
Haltet ihr euch selbst für 'retro'? Das ist zumindest das Etikett, das euch aufgedrückt wird. Wenn man THE SEWERGROOVES als Band sieht, die 'retro'-Zeug macht, denkt ihr, dass es möglich ist, authentisch zu bleiben, im Sinne von eigene Ideen beizutragen und nicht nur viel zu wiederholen? Es scheint Tonnen von Bands zu geben, die sich in den Markt gedrängt haben, weil 'retro' zu sein in den letzten Jahren zu einem Trend geworden ist. Ist es möglich, die Möchtegerngruppen von denen zu unterscheiden, die diesen Musikstil machen, weil sie ihn lieben? Auf welche Weise versucht ihr, euch von anderen Bands zu unterscheiden?

Nein, wir halten uns nicht für eine 'retro'-Band. Wir wir schon früher in diesem Interview ausgeführt haben, versuchen wir, alles Gute aus den 60ern und 70ern aufzunehmen und die Formel auf unser Jahrhundert anzuwenden. Wir spielen auf alten Gitarren und Verstärkern, aber das ist vor allem deswegen, weil das ganze neue Zeug scheiße klingt. Wir konzentrieren uns auf die Songs und darauf, diese mit dem richtigen Feeling zu umgeben; wir wollen nicht, dass es wie eine Platte aus den 70ern klingt, wir mögen es modern, aber gleichzeitig möchten wir es dreckig, gemein, und nicht poliert. Wir mögen es, die Aufnahmen mit dem Gefühl eines Liveauftritts zu umgeben. Wir nehmen alles live auf, und danach versehen wir das Ganze mit manchen der Solos, Lead Guitars und Vocals. Aber das Meiste ist live, und oft hängen wir im Studio ab, trinken Bier, unterhalten uns, und wenn das Gefühl richtig ist, machen wir es einfach. Es ist eine Herausforderung für uns, es so hinzubekommen, und wir sind noch nicht angekommen. Aber... vielleicht wird das nächste Album das perfekte Seweralbum?


Lebt ihr gerne heute? Ich meine, musikalisch gesehen, was sind die Vor-und Nachteile, wenn ihr einen Stil quasi wiederholt anstelle dort gewesen zu sein, als sich der Stil entwickelt hat?

Wir leben eigentlich gerne heute. Alles ist so viel leichter zu bekommen, wenn du dich für Musik interessierst. Du findest Alben im Internet, du kannst überall Freunde haben und Platten veröffentlichen und es ist nicht so schwer wie früher. Wir sind durch ganz Europa getourt und sogar in den Staaten. Wir haben auch auf der ganzen Welt veröffentlicht und ich bin mir nicht so sicher, ob wir das als schwedische Band in den 70ern erreicht hätten. Aber okay, manchmal werden wir nostalgisch und reden darüber, dass wir im falschen Jahrzehnt geboren wurden.

Vielen Dank für das Interview!

Cheers
Packe, Kurt, Anti Pop und Fred/ THE SEWERGROOVES

Zu diesem Interview:

Autor:
Thunderhead

Weiteres:

Gelesen:
3668 x

Artikel eingestellt:
26.05.2011