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MARCEESE

Songwriter Marceese im Interview

Interview von Janina Stein

 

Cover

Hallo Marceese, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, uns ein paar Fragen zu beantworten!

Du hast im Februar dein erstes Soloalbum „Blood for Blood“ veröffentlicht, das ja auch bei uns rezensiert wurde. Wie kam es eigentlich zu dem Albumtitel?

Ich wollte für meine erste Solo-Platte einen nicht unbedingt klassischen Singer/Songwriter-Album-Titel haben. Aber auch einen der das widerspiegelt, was ich auf der Platte erzähle. „Blood For Blood“ bedeutet für mich, dass ich mein Herzblut in Gitarrenspiel, Text und Gesang gegeben habe.

Versuche, dein Album in einem Satz zu charakterisieren.

Schaffe ich nicht.

Für die Studioaufnahmen hast du dir zwei Gastmusiker, namentlich Mikka Oertel und Tayfun Schulzke, mit ins Boot geholt. Wieso gerade diese beiden, kennt ihr euch schon länger?

Ja genau, mit Mikka Oertel habe ich das Album zusammen aufgenommen und produziert. Er hat das sehr schöne Goldfisch-Studio in Berlin-Kreuzberg, wo ich vor Jahren schon mit meiner Band Aufnahmen gemacht habe. Er war auch diesmal meine erste Wahl, nicht nur weil ich ihn als Musiker in Theorie und Praxis sehr schätze, auch weil wir seit über 10 Jahren Freunde sind und somit eine gute Basis für die Arbeit gegeben war. Für die Percussion-Sektion gibt es einfach keine andere Wahl als Tayfun Schulzke. Zum Glück kenne ich ihn auch schon seit Jahren, ebenfalls ein krasser Profi und Virtuose.

Marceese

Welches Stück auf der CD magst du selbst am liebsten – und warum?

Das ist natürlich schwer, obwohl mir jetzt sofort „To Infinity… And Beyond“ in den Kopf kommt. Ja der ist es, weil es ein Lied für meinen Sohn ist und mir die Geschichte in dem Song sehr zu Herzen geht.

Welche Bedeutung stellt Musik in deinem Leben dar, und was bedeutet dir vor allem auch deine eigene Musik?

Ich habe schon als kleiner Piefke den ganzen Tag Musik gehört, wenn ich nicht gerade draußen kicken war. Und schon immer wollte ich Gitarre spielen und ich werde es auch immer tun. Meine eigene Musik ist für mich immens wichtig, es würde mir nicht reichen den ganzen Tag nur Covers zu spielen. Ich brauche diesen Output, der ewige Drang Neues zu erschaffen und textlich mein Leben zu verarbeiten. Hhmm… ist irgendwie so.

Womit verbringst du deine Zeit am liebsten, wenn du nicht gerade eine Gitarre in der Hand hast?

Musik hören. Familie, Kind und Kegel, Sonne genießen. Und Konzerte live erleben oder auch gut ist sich über Musik zu unterhalten.

Du sagst selbst, dass deine Texte eine autobiographische Grundlage haben. Beziehst du dich dabei auf konkrete Ereignisse, die dich inspiriert haben, oder eher allgemein auf die bisher gesammelte Lebenserfahrung?

Auf „Blood For Blood“ sind es überwiegend konkrete Ereignisse, bis auf zwei Songs die etwas allgemeiner gehalten sind. Ich finde es generell für mich gut, ganz direkt an die Sache ranzugehen und sie in einem Song anzusprechen. Aber auch der allgemeine Zeige- oder Mittelfinger hat seinen Reiz. Je nach dem halt, aber ausgedachte Stories oder Fabelwesen brauch ich nicht auch noch erzählen.

Inwieweit findet denn auch das aktuelle Weltgeschehen Eingang in deine Musik?

Leider bin ich nicht so politisch wie ich gerne wäre und Klima- und Umweltkatastrophen besingen... nee.

In der Vergangenheit hast du in sehr unterschiedlichen Bands gespielt. In wie weit beeinflusst dich das heute noch?

Ein großer Einfluss natürlich. In meinen düsteren Momenten kommt schon meine alte Trash-Core-Vergangenheit durch und natürlich der Psychedelic-Rock den ich ja aktuell auch noch mit Red Stoner Sun fabriziere. Mein ganzes Gitarrenspiel und meine Art Songs zu schreiben ist von zwei Dekaden Bandmusik geprägt, ohne Frage.

Wie bist du denn ursprünglich zur Musik gekommen?

Mein Bruder und mein Cousin haben früher KISS gehört, da bin ich nicht drum herum gekommen und meine Schwester hat mir Pink Floyd vermacht. Sie hat mir auch meine erste Akustik-Gitarre geschenkt, mit der habe ich 20 Jahre später meine erste Solo-Platte aufgenommen.

Welchen Vorteil haben für dich englische Texte im Gegensatz zu deutschen?

Ja gut dass du fragst. Ich kann Dinge ansprechen die ich auf deutsch so nicht sagen konnte. Man kann sich hinter einer Maske verstecken, einer Fremdsprache. „I love you“ oder „stupid motherfucker“ ist mal schnell dahin gesagt, aber auf deutsch kommt das schon sehr direkt. Beim Songwriting finde ich anfangs, dass englisch musikalischer klingt und ich höre auch meistens englischsprachige Musik. Aber nicht desto trotz, arbeite ich gerade an einer neuen EP mit ausschließlich deutschen Texten.

 

Marceese

Gibt es, ganz genre-unabhängig, einen Musiker, mit dem du einmal gern zusammenarbeiten und auf der Bühne stehen würdest?

Im Studio würde ich einem Angebot von Eddie Kramer oder Rick Rubin kaum widerstehen können. Was kann der wohl aus einem herausholen? Auch schön wär es wenn Jimi Page oder David Gilmour sich mit einem Solo auf einem meiner Songs verewigen würden… *träum*. Live, gerne mit Dave Grohl an den Drums, Ben Harper am Gesang, usw. usf… Kannst du eigentlich was organisieren oder warum fragst du ; )

Momentan spielst du viel direkt in Berlin. Können denn auch Hörer in anderen Teilen Deutschlands damit rechnen, dich in absehbarer Zeit live hören zu können?

Sicher, für September/Oktober plane ich noch mal etwas herumzukommen, aber eher so im Osten und im Norden der Republik. Und spätestens im Februar 2011 habe ich dann auf einer hoffentlich ausgedehnten D-Tour auch die neue EP mit im Gepäck.

Was für ein Projekt steht denn als nächstes bei dir an – Widmest du dich erstmal wieder deiner Band oder dürfen wir uns auf weitere Soloprojekte freuen?

Neues Solo-Album, Tour und vielleicht auch mal die Singer/Songwriter-Songs mit einer Band live spielen. Ich liebäugel schon seit geraumer Zeit mit dem Gedanken ein Rock-Duo auf die Beine zustellen – Drums und E-Gitarre. Blues-Rock, ich sag dann aber nochmal bescheid.

Nochmal vielen Dank für das Interview!

Sehr gerne, ich hab zu danken!

 

Zu diesem Interview:

Autor:
Kolyma

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Artikel eingestellt:
30.04.2010