Interview mit Derek

Spätestens nach ihrem zweiten Album „Planetary Duality“ kommt keiner mehr an der kalifornischen Tech Metal Kanone THE FACELESS vorbei. Daher haben wir uns Sänger Derek mal zur Brust genommen, um ihn über Aliens, Schubladendenken und Musikdownloads auszuquetschen.
Danke erstmal, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Kannst du uns erstmal was über die Geschichte der Band erzählen?
Derek: Ich war bei der Originalbesetzung noch nicht dabei, aber die anderen haben sich in der High-School kennen gelernt und dann beschlossen, Musik zu machen. Ich war in einer anderen Band, die eine Show mit The Faceless gemacht haben und als sie ernst machen wollten mit der Band, engagierten sie mich. Danach haben wir unser erstes Album, Akeldama, aufgenommen, haben bei Sumerian Records unterschrieben und sind auf Tour gegangen.
Ihr seid ja praktisch nur noch auf Tour, habt ihr da noch Zeit für eure Familie und Freunde? Und habt ihr noch „normale“ Jobs, wenn ihr gerade mal nicht unterwegs seid?
Derek: Es ist echt schwer, aber ich gebe mein Bestes, um engen Kontakt zu meiner Familie und zu den Freunden zu halten. Ich verbringe sehr viel Zeit am Computer oder am Telefon um mit meiner Freundin zu sprechen und es so normal wie möglich für sie zu machen. Zum Glück verdienen wir jetzt genug Geld mit der Band, um halbwegs davon leben zu können, aber vor einigen Jahren war es ziemlich schwierig für uns. Wir waren einfach zu lange auf Tour um noch andere Jobs zu machen, wenn wir zu Hause sind. Wir haben das so durchgezogen und jetzt scheint es ja gut zu funktionieren.
Wo spielt ihr eigentlich lieber: In kleinen Clubs oder lieber auf großen Festivals?
Derek: Beides hat seine Vor- und Nachteile. Als wir das erste Mal in Europa waren, war es unglaublich auf den Festivals zu spielen. Ich glaube, die Shows auf den Festivals waren schöner, als die in den Clubs, weil es in den Staaten keine Festivals dieser Art gibt. Die größten Metal Festivals zählen maximal 5000 Leute. Als wir in Europa eine Masse von 20.000 Leuten sahen, war das einfach überwältigend! Die Festivals machen außerdem so viel Spaß, weil wir dort viele unserer Freunde treffen und eine Menge toller Musik an einem Tag sehen können. Auf der anderen Seite sind die Festivals auch immer sehr stressig und ein riesiges Gedränge, so sind manchmal die kleinen Club-Shows besser in Bezug darauf, wie die Dinge laufen. Ich bin ziemlich aufgeregt, wenn ich an unsere bevorstehende Europatour denke und ich denke, dann kann ich auch mehr darüber sagen, was ich weniger oder was ich mehr mag.
Eure Bandbesetzung hat sich ja ganz schön oft geändert seit eurer Gründung 2004. Warum eigentlich?
Derek: Die einzigen Wechsel gab es eigentlich am Schlagzeug. Ich glaube, wir haben gerade unseren fünften oder sechsten Drummer, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht warum. Lyle (Cooper, Drummer, Anm. d. Red.) haben wir nun seit über einem Jahr an Board. Er ist großartig und somit denke ich nicht, dass demnächst nochmal ein Wechsel ansteht.
Eurer Album „Planetary Duality“ handelt von einer Science Fiction Geschichte, oder? Warum habt ihr euch diesem Schwerpunkt gewidmet?
Derek: Oberflächlich ja aber ich kann das besser bei der nächsten Frage erklären. Die Grundlage unserer Lyrics stellt die Beeinflussung von Aliens auf die Schöpfung der Menschheit dar und basiert auf der Idee, dass irgendetwas oder irgendjemand anderes unser Denken und Handeln beeinflusst.
Ich denke die Thematik eures Albums kann man auch ins wahre Leben übertragen. Ihr singt ja immerhin von Freiheit und Widerstand. Ist es euer Ziel diese Botschaft den Hörern zu vermitteln?
Derek: Wir hoffen, dass die Leute über die „Sci-fi” Andeutungen der Lyrics hinwegsehen und diese ins wahre Leben übertragen können. Natürlich sind Aliens cool (lacht), aber der eigentliche Gedanke dazu ist, dass bestimmte Leute und Behörden dir vorschreiben wollen, wie du leben und denken sollst und das ist nicht die Art, wie wir leben sollten. Jeder will jeden unterdrücken und die Öffentlichkeit sollte wissen, dass die meisten dieser Leute versuchen jemanden hinters Licht zu führen.
Wie wichtig ist euch der Inhalt eurer Songs? Einige Bands wollen einfach nur ihre Musik machen und diese für sich selbst sprechen lassen, andere erzählen richtige Geschichten mit ihrer Musik.
Derek: Natürlich sollte die Musik für sich sprechen und ich denke unsere tut das. Die Lyrics und Vocals fügen lediglich die Stimmung und die Atmosphäre zur bereits bestehenden Musik.
Im vorletzten Song eures Albums kommt ein Sample vor. Wo kommt das her, aus einem Film oder so? Benutzt ihr diese Effekte auch in euren Live-Shows?
Derek: Das Sample stammt aus einer Radiosendung namens „Coast to Coast AM“. Die Sendung handelt von paranormalen Aktivitäten, Regierungsverschwörungen und anderen Themen dieser Art. Dieses spezielle Sample kommt von einem Typ, der angeblich in der Area 51 gearbeitet und Informationen über Aliens hat und meint, dass die Regierung diese Fakten vor den Menschen
verheimlicht.
Wer hat denn euer Cover-Artwork entworfen? War das eure Idee oder ist das das Konzept von einem Künstler? Das Booklet ist ja auch sehr witzig, vor allem die “No-thanks-Liste“ am Ende. Eine echt witzige Idee.
Derek: Par Olaffson hat das Cover für unser Album entworfen. Es hat uns echt gut gefallen, als es rauskam. Ich glaube, wir haben ihm einfach ein paar Songs und die Lyrics geschickt und er hat den Rest übernommen. Er hat schon viele Albumcover für viele großartige Bands gemacht und so wollten wir auch mit ihm zusammenarbeiten. Ich denke die „No-thanks-Liste” war Mikes (Michael Keene, Gitarrist, Anm. d. Red.) Idee. Ich habe sie vor der Veröffentlichung des Albums gar nicht gesehen, haha.
Ich glaube es gibt einen Unterschied zwischen anderen Tech Metal Bands und The Faceless. Einige Bands wie Beneath the Massacre und so weiter klingen eher kalt und unarrangiert. Eure Songs klingen mehr harmonisch und strukturiert. Wie würdet ihr das sehen?
Derek: Natürlich kann man uns seine Tech Metal Band nennen, weil wir eine sind. Aber wir vereinen genauso andere Bandtypen in uns. Uns einfach in diese Schubladen zu stecken ist unfair, aber wenn du die anderen Aspekte in unserer Musik registrierst und anerkennst, kannst du uns nennen, wie du willst.
Wie kann man sich den Entstehungsprozess eurer Songs vorstellen? Arbeitet ihr im Team oder ist nur einer von euch verantwortlich für das neue Zeug?
Derek: Es ist Teamwork, aber nicht so wie du das hier meinst. Wir arbeiten alle zusammen an den Lyrics. Ich habe nicht direkt mit den Instrumenten zu tun, weil ich kein Instrument spielen kann. (Obwohl ich mir gerade meine erste Gitarre gekauft habe. So kann ich hoffentlich bald auf einem tieferen Level verstehen, was da musikalisch so passiert). Jeder hilft jedem und zusammen hoffen wir, die beste Musik zu machen, wie wir können.
Viele Künstler gehen raus in die Natur und holen sich dort ihre Inspiration, andere wiederum sitzen allein in ihrem Zimmer und schreiben ihre Gedanken nieder. Wie lasst ihr euch dazu inspirieren, neue Songs zu schreiben?
Derek: Die Lyrics entstehen in Gruppenarbeit, wir sitzen alle zusammen und tüfteln so lange daran rum, bis wir damit zufrieden sind. Michael (Keene, Gitarrist, Anm. d. Red.) und ich sitzen zusammen und knobeln aus, wie die Lyrics in den Song einfließen sollen. Wir beide haben gute, aber auch verschiedene Meinungen von den Gesangsparts und Mustern und wir kombinieren unsere Ideen, um sie so gut wie möglich zu machen. Jeder schreibt für sich selber und bringt Riffs und Parts mit, um sie zu proben. So finden wir die Teile, die am besten zusammen passen und können dann anfangen, aus den vielen Ideen Songs zu formen. Auf der anderen Seite kommt jemand mit einem kompletten Song an. Ich denke wir wählen alle verschiedene Wege.
Wie siehts in der lokalen Metal Szene in Kalifornien aus? Kannst du uns eine Band empfehlen, die hierzulande noch nicht so bekannt ist?
Derek: Wir touren so oft, dass ich ehrlich gesagt von der lokalen Musikszene getrennt bin. Das hier sind einige talentierte Bands, die weniger populär sind, aber meiner Meinung nach mehr Beachtung verdient haben: Intronaut, Deeds of Flesh, Severed Saviour, Odious Mortem, Decrepit Birth und viele andere. Ihr solltet diese Bands bereits kennen, aber sie verdienen es, erwähnt zu werden.
Wie ist deine Meinung zum Thema Musikdownloads? Fördern oder zerstören diese die Musikindustie? Und denkst du, dass die Möglichkeit, Musik über das Internet zu beziehen, egal ob legal oder illegal, Bands auch helfen kann, Bekanntheit außerhalb ihrer Heimat zu erlangen?
Derek: So ziemlich alles was ich mir anhöre habe ich illegal herunter geladen. Daher habe ich auch kein Problem damit, wenn Leute unsere Musik herunter laden. Alles was ich möchte ist, dass sie sich unser Album kaufen, eine Konzert besuchen oder sich ein Shirt kaufen, wenn ihnen unsere Musik gut gefällt. Mal im Ernst, über die Musikindustrie mache ich mir kaum einen Kopf. Mit oder ohne Label werden wir trotzdem noch Musik machen, diese Veröffentlichen und auch touren. Musik herunterladen hilft definitiv dabei, dass eine Band auch außerhalb ihrer Heimat Beachtung findet.
Letzte Frage: Wie sieht The Faceless in 20 Jahren aus?
Derek: 20 Jahre ist eine lange Zeit. Ich bin erst 24 und wie mein Leben bisher verlaufen ist, habe ich auch nicht vorhersehen können. Ich hoffe einfach nur, dass wir weiterhin in sämtlichen musikalischen Aspekten, die wir umsetzen wollen, an die Grenze gehen können und weiterhin einen Platz in der sich ständig verändernden Welt der Heavy- und Extreme-Music haben werden. Es wäre wünschenswert auch Fans außerhalb dieses Musikstils zu bekommen und dass Leute, die normalerweise nicht diesen Stil mögen, das musikalische Können in unseren Songs anerkennen.
Vielen Dank, dass du meine Fragen beantwortet hast. Hast du zum Schluss noch ein paar Worte an die Fans?
Derek: Zieht euch unser aktuelles Album „Planetary Duality“ rein, das bei Lifeforce Records erschienen ist und kommt zu unserer ersten richtigen Europa-Tour im Januar 2010, auf der wir zusammen mit The Black Dahlia Murder am Start sein werden.