"Chaostheorie und gälisches googeln" - OMDULÖ im Interview

Eine hoffnungsvolle Neuentdeckung im Bereich Mittelalter- und Paganfolk kommt dieser Tage aus Thüringen, genauer gesagt aus dem schönen Altenburg: OMDULÖ haben mit „Waldgeboren“ ein vielversprechendes Demo vorgelegt und schicken sich nun an, die einschlägigen Festivals und Märkte mit ihren fröhlichen Weisen zu erobern. Beim kürzlich stattgefundenen Festival Mediaval im oberfränkischen Selb hatte ich Gelegenheit, die noch recht junge Band backstage zu einem kurzen Interview zu treffen:
Zu Beginn eine Frage, die Ihr wahrscheinlich schon oft gestellt bekommen habt: Woher kommt der doch recht ungewöhnliche Name OMDULÖ?
Lydi: Dieser seltsam komplexe Name, der aus drei Silben besteht, hat eigentlich einen ganz langweiligen Ursprung, das heißt einen ganz einfach nachzuvollziehenden, simplen Hintergrund: „OM“, die erste Silbe, kommt von Trommel, „DU“ gehört zum Dudelsack und weil wir ja auch die wunderschönen Flöten haben ist das „LÖ“ dann die dritte Silbe – total unspektakulär. Und so merkt man sich das auch: OM-DU-LÖ, und nicht „Schlummdiduh“. Oder „Düpptüdüh“, das ist auch doof. (Allgemeines Gelächter)
Na das kann man sich wirklich merken. Zweite Frage: Seit wann gibt es Euch, beziehungsweise wie habt Ihr Euch in der jetzigen Besetzung zusammengefunden?
Anne: Also in der Besetzung, die jetzige Formation, gibt’s uns seit knapp einem Jahr. Aber OMDULÖ an sich gibt’s schon seit 2006, glaub ich. Oder? War doch 2006?
Susi: Genau.
Anne: Und daher kommt auch der Name, weil das damals aus drei Personen bestand, davon sind noch die Lydi und die Susi übrig geblieben, das war damals die ganz klassische Formation Dudelsack-Flöte-Trommel, und das war aber noch richtig ursprüngliche Mittelaltermusik. Mittlerweile, mit der neuen Formation haben wir ja nun diesen Weg eingeschlagen, ein wenig von der Mittelaltermusik weg.
Ich hatte ja kürzlich das Vergnügen Euer Demo zu rezensieren, „Waldgeboren“, da sind ja nur selbstgeschriebene Stücke drauf, live spielt Ihr ja aber auch Coverversionen bekannter Stücke. Bei den Eigenkompositionen würde mich interessieren wie die so entstehen, also wer von Euch schreibt die Lieder, oder entstehen die einfach zusammen in einer Session?
Anne: Das ist eigentlich ganz unterschiedlich, also teils/ teils: Bei bestimmten Stücken steht die Melodie zuerst und dann kommt so peu à peu Instrument für Instrument dazu, das entsteht meistens in ’ner Probe, und wenn so ’ne Melodie da ist, geht das eigentlich auch ziemlich schnell. Und manchmal haben wir aber auch Texte, selbst geschriebene Gedichte, wo wir meistens viel Zeit brauchen dafür, um uns da einen vernünftigen Rahmen zurechtzuschneidern. Also es ist ganz unterschiedlich. Manchmal kommt so was auch ganz spontan in der Probe, aber meistens gibt’s irgendeine Grundlage von irgendjemandem.

Bleiben wir gleich mal bei dem Demo: Ich habe das ja auf einem USB-Stick bekommen, aber schon mit einem fertigen CD-Booklet dazu. Ich nehme an, Ihr wollt das noch pressen lassen, wenn es schon ein Cover für die CD gibt? Habt Ihr Euch damit schon bei irgendwelchen Labels beworben, oder wollt Ihr das komplett im Eigenvertrieb machen oder zum Beispiel per download?
Susi: Ich muss sagen, dass wir uns darüber noch gar nicht so richtig Gedanken gemacht haben uns bei ’nem Label vorzustellen. Also wir haben’s noch nicht gemacht, aber vielleicht sollten wir mal drüber nachdenken? Wir hoffen in Zukunft den USB-Stick in eine CD umwandeln zu können.
Lydi: Der USB-Stick als solcher war eine Innovation, die wir gemacht haben aus dem einfachen Grunde, dass uns 500 CDs, die wir als Minimum hätten brennen lassen können einfach mal zu viel erschienen, und wir wollen natürlich damit auch keine Wände tapezieren oder so. Von daher haben wir uns gedacht, der USB-Stick is was Neues, was Schickes, und dient ja auch ganz multifunktional als Schlüsselanhänger zum Beispiel, und man kann ihn auch an diese schicken, mittelalterlichen Gürtel ranmachen, als Souvenir oder so – wer will der kann. Ja, Anne?
Anne: Aber ich denke das Album „Waldgeboren“ wird jetzt nicht noch mal auf einer CD erscheinen. Wenn dann eher das nächste, da werden wir dann ganz üblich auf die CD zurückgreifen.
Die ersten beiden Stücke des Albums tragen ja einen gälischen Namen. Beim ersten Stück ist irischer Einfluss in der Musik für mich durchaus hörbar, aber das zweite, was übersetzt glaube ich „Frühling“ heißt, hat ja an sich einen deutschen Text. Seid Ihr so große Irlandfans, oder wie kommt es zu diesen Titeln?
Flo: Um ehrlich zu sein hab ich das gegoogelt. (grinst) Also das erste Stück, „Bealoideas“, hatten wir fertig, aber noch keinen Namen dafür. Und da mich das so ein bisschen an Folklore erinnert hat, dachte ich kucken wir doch mal bei Google, was so das irisch-deutsche Wörterbuch hergibt, und da kam für „Folklore“ dann eben „Bealoideas“ dabei raus. Und das zweite Lied, „Earrach“, auch irisch-gälisch, für „Frühling“ – ich fand’s einfach schön, der Name klingt einfach gut. Und natürlich sind wir auch Fans von Irland. Lydi war ein Jahr in Irland als Au Pair und zum jobben, wir haben sie da zwei Wochen besucht und haben uns natürlich auch in das Land verliebt, in die Landschaft, in die Städte, in die Pubs selbstverständlich, in das Guinness (Gelächter). Also eine Vorliebe für Irland haben wir auf jeden Fall alle.
Eine letzte Frage noch zum Demo, und zwar zum Remix von „Derwischtanz“ – der passt ja vom Stil her überhaupt nicht zum Rest des Albums. Könnt Ihr mir verraten, wie es dazu kam beziehungsweise wie der entstanden ist?
Lydi: Sehr, sehr gern. (lacht). Also man könnte ganz klischeehaft sagen, wir wollen uns gar keine Grenzen setzen und das wollen wir eigentlich von vornherein als klare Linie: Erwarte das Unerwartete - das war eigentlich auch ein bisschen die Grundidee von diesem Remix. Und geholfen haben uns dabei Canay und Mad Axeman, der Carsten und der liebe, gute Tassilo, die in Leipzig in der Wave/ Gothic – Szene aktiv sind. Die haben auch schon mehrere Bands wie STEINKIND oder SCARECROW produziert und die haben uns da eben unterstützt. Das fanden wir so abgedreht und unpassend, daß es schon wieder reingepasst hat. Das soll von vornherein maßgeblich das Ziel sein, dass wir immer überraschen und dass es nicht irgendeine eingefahrene Linie gibt, sondern auch durchaus mal was aus dem Konzept fallendes sein kann. Das passt auch wieder ins Konzept, weil’s aus dem Konzept fällt. Chaostheorie. Macht das Sinn? (Gelächter)
Damit sind wir auch fast schon am Ende. Aus gegebenem Anlass vielleicht noch eine Frage zum Festival: Ihr habt ja auf Eurer Myspace-Seite unter anderem FAUN und OMNIA als Eure Vorbilder gelistet. Wie ist es für Euch mit diesen Bands jetzt hier zusammen auf diesem Festival zu spielen? Ihr steht ja zwar nicht auf derselben Bühne, sondern spielt auf dem Markt, aber Susi, Dich hab ich ja gestern z.B. während des gesamten OMNIA-Auftritts ganz andächtig auf der Bassbox sitzen sehen. Wie ist das so hier mit den „Großen“ der Szene zusammenzutreffen, und wollt Ihr nächstes Jahr wiederkommen?
Susi: Also es ist natürlich echt abgefahren hier auf einem Festival zusammen mit FAUN, OMNIA und auch VALRAVN zu spielen. Gerade weil OMNIA und FAUN eigentlich unsere ersten Kontakte in diese Folkgeschichte rein waren, weil wir ja alle auch eigentlich aus ganz anderen musikalischen Bereichen kommen. Für uns war das damals DIE Offenbarung. Am Ende sind es ja dann auch nur Menschen, aber es ist halt doch so eine Art Mythos. Also es war einfach, kurz und knapp, ein echt schönes Wochenende - war toll!
Lydi: Ein Wochenende voller Eindrücke. Eine Jam-Session mit FAUN und VALRAVN – Wahnsinn!
Jan: Und JOHN KELLY.
Lydi: Und JOHN KELLY, ja. Eigentlich eine totale Reizüberflutung, und ich denke wir haben alles noch gar nicht so richtig verarbeitet, und werden morgen schlafen und dann noch mal über das Wochenende nachdenken. Und was das Wiederkommen angeht, ich würde auch gleich hierbleiben. Ich nehm’ mir eins von diesen schönen Zelten, die da stehen, bleib hier und warte auf nächstes Jahr. Wenn ich dann irgendwie moosbewachsen bin ist das auch nicht so schlimm, hoff ich. Passt ja eigentlich ins Konzept, dann brauch ich kein Kostüm mehr, schon ok. Es war auf jeden Fall einzigartig und einmalig! Jederzeit wieder!
Dann bedanke ich mich an dieser Stelle für das Interview, wünsche Euch noch viel Spaß beim Festival und hoffe in Zukunft noch viel von Euch zu hören!
