Birgit Muggenthaler Schmack im Interview

Birgit Muggenthaler-Schmack, den meisten wohl bekannt als Dudelsack- und Flötenspielerin bei der Folkrockband SCHANDMAUL, wandelt seit einiger Zeit auch auf Solopfaden und hat im letzten Jahr mit „Metamorphosis“ bereits das zweite Album ihrer Roots-Folk-Formation SAVA veröffentlicht. Während bei SCHANDMAUL das Rockelement einen breiten Raum einnimmt, kehrt Birgit damit zurück zu ihren Wurzeln und verarbeitet dafür verschiedenste musikalische Traditionen und Einflüsse. Zunächst von Ihr zusammen mit Oliver „SaTyr“ Pade von der Gruppe FAUN als reines Studioprojekt gegründet, feierten SAVA in diesem Jahr dann endlich auch ihre Livepremiere, wenn auch im Vergleich zum Studio in völlig veränderter Besetzung. Auf dem Festival Mediaval II in Selb nahm sich Birgit nach dem Auftritt Zeit, für Metal-District ein paar Fragen zu beantworten.
Ihr bedient Euch ja bei den verschiedensten musikalischen Traditionen, da hört man nordische, sephardische oder irische Einflüsse, bis hin zu einem Oktoberfest-Schunkelsong. Woher nimmst Du die Ideen für die SAVA-Songs?
Birgit: Also es ist natürlich so, dass ich viel gereist bin in meiner Jugend (lacht) und dabei eine Menge Länder besucht habe und mir da mir natürlich eine Menge gemerkt habe an Melodien, oder sie auch einfach nur unterbewusst wahrgenommen. Das vergräbt sich dann ganz, ganz tief in irgendwelchen Hirnregionen und kommt Jahre später dann irgendwie verändert zum Vorschein. Genauso ist es mit Notenmaterial, da stolper’ ich mal über was, oder bekomme zufällig was in die Hände. Einmal hat ein SCHANDMAUL-Fan einfach ein keltisches Notenbüchlein an die Band geschickt, da hab’ ich auch was draus genommen, Texte zum Beispiel. Es gibt also ganz verschiedene Inspirationsquellen.
Da Du gerade SCHANDMAUL erwähnt hast, ich muss natürlich auch darauf kurz eingehen: Ihr macht ja jetzt im nächsten Jahr eine „Kreativpause", die Ihr Euch in meinen Augen auch redlich verdient habt, ich kenne kaum eine Band die in letzter Zeit so viel live unterwegs, und so für die Fans da war. Ihr habt ja alle auch noch andere Projekte, also bei Dir die Studioarbeit mit SAVA, jetzt auch live, dann gibst Du noch Workshops und so nebenbei hast Du ja auch noch ein Privatleben, bist verheiratet und hast ein Haus auf dem Land - wie schafft man das eigentlich?
Birgit: Naja, es ist schon so, dass man natürlich Kompromisse eingehen muss, vor allem beim Privatleben. Es passiert halt schon, dass ich oft tageweise am Stück nicht zuhause bin, und das würde natürlich nicht funktionieren, wenn der Partner nicht mitspielt, das ist ganz klar. Und ansonsten ist es einfach so, dass das Leben als Musiker immer so stoßweise sehr stressig und vollgepackt ist. Du hast da durchaus auch mal wieder zwei, drei Wochen wo es dann weniger ist und Du nicht wie jemand, der regelmäßig arbeitet dann jeden Morgen im Büro stehen musst oder so, dann kannst Du Dich schon sehr gut erholen. Also es ist einfach so mit dieser flexiblen Zeitgestaltung, dass es Phasenweise total stressig ist und dann aber auch wieder lockerer, muss man halt mit umgehen können. Aber das geht schon, Du musst eben einfach nur aufpassen, dass Du Deine Ruhepausen hast.
Naja, die Ruhepause, die Ihr Euch zum Beispiel jetzt nehmt, ist ja auch nicht soo ruhig, Ihr macht ja ein neues Album mit SCHANDMAUL. Auf der Bühne wurde ja vorhin angedeutet, dass auch ein neues SAVA-Album irgendwann mal kommen wird, das vielleicht den Titel „Brot“ tragen soll. Ist da schon was konkret in Planung?
Birgit: Nee (lacht), das war ein Scherz vom Oli. Es sind zwar viele neue Ideen schon wieder im Raum, auch die Kollegen haben ganz viele Ideen, und sicher wird es an neuem Liedgut nicht mangeln. Aber bis zu Aufnahmen für eine neue CD wird es noch eine Weile dauern, weil es einfach immer sehr, sehr viel Arbeit ist und das werden wir 2010 ganz sicher nicht mehr hinkriegen.
Wenn das neue Album dann irgendwann kommt, werden auch die Livemusiker mit im Studio mit dabeisein? Bei der letzten Produktion „Metamorphosis“ bestand die Studiobesetzung ja sozusagen aus einer Mischung von SCHANDMAUL und FAUN. Bleibt die momentane Livebesetzung jetzt fest?
Birgit: Ja, das ist eben so, dass ich die Livecombo erst nach den Studioaufnahmen zusammengestellt habe, aber das ist jetzt einfach ein Bandgefüge, und mit diesen Leuten wird auch definitiv die nächste CD aufgenommen.

Was ich ja vorhin schon kurz angesprochen hatte und jetzt gerne noch einmal näher drauf eingehen würde, ist das Verhältnis zu den Fans. Das ist ja gerade bei SCHANDMAUL, und das strahlt ja sicher auch auf SAVA aus, ziemlich besonders. Ich kenne keine andere Band, die sich nach dem Auftritt noch eine Stunde so geduldig hinstellt, Autogramme gibt und Fragen beantwortet, und das bei wirklich jedem Konzert. Dann gibt es ja auch noch diese speziellen Fantreffen und so weiter. Wie wichtig ist Euch das, und stresst es Euch nicht doch manchmal, wenn Ihr durchgeschwitzt vom Auftritt einfach nur noch duschen und Eure Ruhe haben wollt?
Birgit: Naja, natürlich ist das manchmal anstrengend, nach dem Konzert noch 1000 Fragen zu beantworten oder viele Autogramme zu geben. Aber bei uns hat sich das einfach so eingebürgert und gehört einfach irgendwo dazu. Und auch in unserer Bandphilosophie gehört es irgendwo dazu, dass die Leute, die unsere Brötchengeber sind - das ist ja nun mal so - auch die Möglichkeit haben Fragen zu stellen oder Autogramme zu bekommen, das ist für uns so wie eine Art „Service-Ecke“ sozusagen. Für uns ist das irgendwie selbstverständlich, und da wird auch gar nicht drüber diskutiert.
Ein anderes Verhältnis, das ich ansprechen möchte ist das zu Oliver Pade. Ihr hattet ja zusammen FAUN gegründet, dann bist Du bei FAUN ausgestiegen, dann habt Ihr SAVA zusammen angefangen und jetzt ist Oli, zumindest was die Livegeschichten angeht aus Zeitgründen da nicht mehr dabei - was kommt als nächstes von Euch beiden?
Birgit: (lacht). Ja, ich weiß nicht, vielleicht gründen wir demnächst ’ne Landkommune oder so… Das ist einfach der Lauf der Dinge, wir denken da nicht großartig drüber nach. Wir sind einfach musikalisch ein gutes Team, menschlich sowieso, und halt leider auch beide anderweitig total eingespannt, deswegen deckt sich das eben nicht immer. Wir werden sehen was die Zukunft bringt, ich hab’ keine Ahnung. Wir haben nichts geplant.
Na da kann man ja mal gespannt sein. Eine andere Sache, die mir noch aufgefallen ist: Ich habe in Deiner Biographie auf der homepage von SCHANDMAUL gelesen, dass Du diplomierte Feng-Shui-Beraterin bist. Machst Du in der Richtung noch was oder kommst Du überhaupt noch dazu da Leute zu beraten? Und wie viel Raum nimmt das in Deinem Leben ein, oder anders gefragt: Wie viel Feng-Shui passt in den Tourbus?
Birgit: Also ich arbeite im Augenblick nicht damit, schlicht und einfach weil ich keine Zeit hab’ dafür. Wie es in meinem Privatleben Einfluss hat, das ist so ein bisschen phasenabhängig, also phasenweise ja, phasenweise nein. Ich betrachte das eher so als einen Grundstock, den ich gelernt hab’, einfach ein Wissen, das ich habe und das ich anwenden kann und mich davon bereichern lassen kann oder auch nicht. Ich finde es auf der anderen Seite aber auch sehr wichtig, sich, wenn man so etwas gelernt hat, eben nicht versklaven zu lassen, also zwingend damit zu arbeiten. Ich seh das eher so als zusätzliche Wissensquelle.
Aus gegebenem Anlass vielleicht noch eine Frage zum Festival Mediaval: Das Ganze findet ja in diesem Jahr erst zum zweiten Mal statt. Hattest Du Gelegenheit ein wenig vom Festival zu sehen und wie findest Du die Veranstaltung?
Birgit: Wir waren heute etwa 4 Stunden vor unserem Auftritt hier, ich bin leider nur einmal übers Gelände gestreift und musste dann gleich 1000 Sachen organisieren und mich um 1000 Sachen kümmern, deswegen hab ich es nur kurz gesehen. Ich finde es unheimlich speziell muss ich sagen, also auch unheimlich mutig so etwas zu machen, weil es von allen Normen die Festivals sonst so haben abweicht. Für das was es sein soll, nämlich ein Mittelalterfestival finde ich es unheimlich gelungen.
Das bringt mich zur letzten Frage, der Frage die ich stellen muss, obwohl ich denke dass ich weiß, welche Antwort ich bekomme. Ihr habt ja für nächstes Jahr kategorisch jeglichen Liveauftritt ausgeschlossen. Jetzt gab es ja zum Beispiel hier beim Festival im Internetforum eine Umfrage, welchen Headliner die Leute im nächsten Jahr gerne sehen würden, bei der SCHANDMAUL relativ klar geführt haben. Wie groß ist die Chance Euch im nächsten Jahr vielleicht doch zu einem exklusiven Festivalauftritt zu überreden, also etwa hier auf dem Mediaval?
Birgit: Null. Und zwar nicht, weil wir das nicht möchten, also es wäre total passend und auch total charmant zum Beispiel hierher zu kommen, aber wir spielen nächstes Jahr einfach nicht. Also auch keine Festivals und das wird auch nach außen so kommuniziert. Hier lief es leider so ein bisschen schief in der Koordination und in der Absprache, weil es eigentlich schon fast zugesagt war. Leider wird es auch mit SAVA im nächsten Jahr nicht klappen, da der Termin für uns zu spät im Jahr liegt.
Schade. Aber dann müssen wir uns eben in Geduld üben und freuen wir uns dann auf Schandmaul 2011. Vielen Dank für das Gespräch Birgit, und noch viel Spaß hier auf dem Mediaval.
