Interview mit dem Gitarristen Bob Crooke

Seid gegrüßt. Bevor wie anfangen, lasst euch zu eurem neuen Album beglückwünschen.
Seid ihr denn zufrieden mit “Escalator”? Wie haben eure Fans und die Presse bislang auf die neue Scheibe reagiert?
Yeah, das Endergebnis stellt uns sehr zufrieden und bislang scheinen die Reaktionen durchweg positiv zu sein. Die Rezensionen sind größtenteils sehr gut.
Stell unseren Lesern doch bitte mal die Band vor!
JERUSALEM besteht in erster Linie aus Lynden Williams, dem Sänger, der die Band mit gegründet hat und mir, Bob Cooke (ich habe immer versucht, die Leute dazu zu bringen, mich Robert zu nennen, aber ich werde das in Zukunft wohl aufgeben), einer der beiden ursprünglichen Gitarristen. Auf diesem Album haben wir uns Unterstützung von Geoff Downs am Keyboard, Dave Meros am Bass und Nick d’Virgilio am Schlagzeug geholt. Die drei sind alle sehr gut mit unserem Freund und Produzenten Rob Aubrey befreundet und spielen erfolgreich in verschiedenen Prog Rock Bands.
JERUSALEM wurde vor knapp 40 Jahren gegründet, hatte für eine kurze Zeit enormen Erfolg und hat sich dann aufgelöst. Einige Kritiker schrieben, eure Musik war ihrer Zeit weit voraus – würdest du dem zustimmen? Wieso habt ihr euch aufgelöst, nachdem euer erstes Album erschienen war?
40 Jahre ist das noch nicht ganz her, aber echt eine verdammt lange Zeit. Ich nehme an, wir kamen der Punk Bewegung zuvor und haben viel Energie in unsere Musik investiert und wenig auf unsere technische Versiertheit an den Instrumenten geachtet. Wir waren damals sehr jung und fanden das einfach gut. Ich frage mich oft, wieso wir uns damals getrennt haben, denn rückblickend empfinde ich diese Entscheidung als ziemlich dumm. Aber zu der Zeit haben wir uns auch nicht auf Anhieb alle miteinander verstanden.
Was habt ihr denn dann in den letzten Jahrzehnten so getrieben, nachdem euer erstes Album erschienen war?
Wir haben unterschiedliche musikalische Pfade eingeschlagen. Gemeinsam mit Lynden hatte ich einige Projekte in Schottland als er dorthin gegangen war. Als er in den 80ern wieder in den Süden nach England gezogen war, gründeten wir eine neue Band. Gott bewahre, wir arbeiteten hart an einigen verrückten Ideen, die ziemlich poppig waren.
Hattet ihr von Anfang an geplant, JERUSALEM irgendwann wiederzubeleben? Oder war „Escalator“ eher eine spontane Entscheidung?
Glücklicherweise hat sich das alles so ergeben, nachdem ein Musikmagazin einen Artikel über uns veröffentlicht hat, indem es darum ging, was eigentlich aus uns geworden ist. Das hat uns daran erinnert, dass es da draußen doch noch Leute gibt, die sich an uns erinnern und unsere Musik lieben. Die logische Konsequenz, die wir daraus zogen, war, einige der alten Sachen wieder auszukramen und in diesem Zuge gleich ein paar neue Songs einzuspielen.
Wenn wir gerade davon sprechen, hätte ich ein paar Fragen zu „Escalator“ selbst: wieso habt ihr euch gerade für diesen Titel entschieden? Hattet ihr da etwas Bestimmtes im Sinn?
Wieso ist die Wahrheit immer so langweilig... ;) Alfie von Mausoleum hat einen Freund, der hervorragende Artworks zeichnet. Das originale Artwork stammt von mir und ich arbeite immer noch als Grafiker, aber Ehre wem Ehre gebührt und das ist in diesem Fall Alfies Kumpel, der beeindruckende Illustrator. Wir hatten einige verrückte Ideen für einen Titel im Sinn, der zum Artwork passt. Mein erster Favorit war „Stairgate“, aber glücklicherweise wurde ich überstimmt. Wörter, die auf ‚-or’ enden, passen einfach viel besser zu Heavy Rock - ‘Terminator’, ‘Fornicator’ und solche Sachen eben.
Wovon handeln eure Songs und was inspiriert euch?
Ich persönlich versuche, mit meiner Musik Bilder zu erschaffen, für die Lyrics ist aber Lynden zuständig, deswegen müssten wir ihn da fragen. Auf jeden Fall hat er eine dunkel-schaurig angehauchte Seite an sich und eine Schwäche für gute Stories.
Was können die Leute erwarten, wenn sie euer Album kaufen?
Idealerweise zehn Tracks, die sie auf der Stelle begeistern.
Wenn du mal die Rockszene von heute und den frühen 70ern vergleichst, welche gefällt dir besser?
Wenn ich jetzt sage, ich mag beide, dann würde ich mich vor einer Antwort drücken. In den 70ern habe ich die damalige Musik geliebt, mittlerweile kann ich sie nicht mehr ertragen. Die frühen Rockalben von LED ZEPPELIN, DEEP PURPLE, BLACK SABBATH und dergleichen sind natürlich immer noch gut. ACDC, ZZ TOP, GUNS ‚N ROSES und die FOO FIGHTERS haben die Musik aber weiter vorangebracht und ich beispielsweise war ein großer AUDIOSLAVE-Fan, als es die Band noch gab.
Was hat dir an den 70ern am besten gefallen? Was findest du heute besser?
Jung zu sein war super, aber immer noch hier zu sein ist natürlich noch besser. Musik bereitet mir damals wie heute große Freude – meine eigenen Kinder haben eine Band, deren Musik mich regelrecht umbläst. Es geht letztendlich also immer darum, neue Ideen zu finden und für den Moment zu leben.
Gibt es irgendeine aktuelle Band, die du regelrecht vergötterst?
AUDIOSLAVE und die Foos habe ich ja schon genannt, aber ich mag viele unterschiedliche Sachen gerne, zum Beispiel Idlewild, Biffy Clyro und MGMT.
Wie sieht’s mit deinen fünf Lieblingsplatten aus?
Die ersten vier LED LEPPELIN-Alben (ich weiß, das ist Betrug ;))
Deep Purple – Japan
Jimi Hendrix – Axis Bold as Love
Rory Gallagher - On the Boards
Und hell yeah, ich bin ein heimlicher Bruce Spingsteen-Fan...“The River“ rocks!
Wenn du die Möglichkeit hättest, eine Band auf deiner Party spielen zu lassen, aus welchen Musikern würde diese Gruppe bestehen?
Die noch lebenden Musiker gehen mir auf die Nerven, also beschränken wir uns auf die, die schon tot sind. Als Sänger ganz klar Jim Morrison, John Bonham am Schlagzeug, ok Mr Moon, du darfst auch mal ran. Paul McCartney am Bass, oh yeah, er weilt glücklicherweise immer noch unter uns. Ich muss auch Jimi haben, was mich selbst überflüssig machen würde, aber ich würde in diesem Fall einfach die Mandoline übernehmen.
Müssen wir nun weitere 40 Jahre auf ein neues JERUSALEM-Album warten?
Natürlich müsst ihr das. Ihr dürft uns nicht hetzen!
Spaß beiseite, wir arbeiten bereits an einer neuen Scheibe.
Was habt ihr für eure musikalische Zukunft geplant?
Nichts Spezielles, wir müssen jetzt abwarten, wie die Dinge mit JERUSALEM sich entwickeln. Um es mit John Lennons Worten zu sagen: „Life is what happens while you’re busy making plans“.
Werdet ihr denn auch mal live zu sehen sein?
Momentan sind keine Konzerte geplant, aber wir sind Feuer und Flamme auf der Bühne zu stehen, sobald es sich ergibt.
Ich danke dir vielmals für das Interview und wünsche euch alles Gute!
Die letzten Worte gehören dir...
Auch im Namen von Lynden und JERUSALEM ein riesengroßes Dankeschön an Metal District.