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NEAERA

Interview mit Gitarrist Tobias Buck

NEAERA im Interview

Das ist schon ein starkes Stück, was die Münsteraner Band NEAERA den Massen zum Fraß vorgeworfen hat. Mit „Omnicide - Creation Unleashed" haben die Jungs einen großen Schritt weg vom Metalcore hin zum Death Metal gemacht. Wie es dazu gekommen ist, verrät uns Gitarrist Tobias Buck.

Hey Tobi. Also erstmal danke, dass du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten.

Tobi: Ja gerne. Ich bedanke mich bei dir, dass du Interesse hast.

Bei euch geht's ja ab nächste Woche wieder ans Touren, erst auf ein paar Festivals und dann ab August geht die Hell on Earth Tour los. Wo spielt ihr eigentlich lieber? Lieber auf so großen Events oder lieber in kleinen Clubs?

Tobi: Das kann man jetzt gar nicht so sagen, was man lieber macht. Klar ist es cool, auf einem großen Festival zu spielen. Zum Beispiel wenn man beim Wacken spielt, ist das natürlich schon ein super Erlebnis. Wenn man aber in einem kleinen Club spielt, der bis oben hin voll gepackt ist mit Menschen und die Stimmung gut ist, dann ist das genauso geil. Da kann man gar nicht sagen, ob das eine oder das andere besser ist. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Das kommt auch immer noch auf die Show drauf an. Es bringt nichts, wenn man auf großen Festivals spielt und keiner interessiert sich für dich. Da haben wir auch ziemlich wenig von. Aber wie gesagt, das ist immer mal so und mal so.

Die Hell on Earth Tour bestreitet ihr ja diesmal zusammen mit WAR FROM A HARLOTS MOUTH, um die es ja in letzter Zeit einen ganz schönen Hype gab. Was haltet ihr von den Jungs?

Tobi: Wir sind mittlerweile ganz gut befreundet und haben seit etwa einem Jahr schon überlegt, wie geil es wäre, mit denen mal auf Tour zu gehen. Da freuen wir uns auch tierisch drauf. Dass da so ein Hype um die herrscht hab ich ehrlich gesagt gar nicht mitbekommen. Das ging bei denen sicher auch so schnell wie es bei uns damals gegangen ist. Aber das sind nette Jungs und gute Freunde mittlerweile und wir freuen uns einfach darauf, vier Wochen Tour mit ihnen zu bestreiten.

NEAERA Band

Mit wem würdet ihr am liebsten mal auf Tour gehen? Habt ihr da einen Favorit?

Tobi: Also da ich ja übelster Bolt Thrower Fan bin, wäre das natürlich der Oberhammer, mit denen auf Tour zu gehen. Aber es ist auch sehr interessant, mit Bands auf Tour zu gehen, die man vorher gar nicht gekannt hat und die sich dann als sehr nett herausstellen und auch live überzeugen können. Aber ein Traum von mir wäre halt Bolt Thrower, weil es meine absolute Lieblingsband ist. Ich hoffe doch, dass die Jungs noch so lange machen, dass man vielleicht die Möglichkeit mal hätte.

Habt ihr bei so viel Rumgereise eigentlich noch Zeit für die Familie? Wie kriegt ihr das unter einen Hut?

Tobi: Gerade zur Festivalsaison ist klar, dass man da nicht großartig am Wochenende mit seinen Kumpels auf Partys gehen kann, weil man ja unterwegs ist. Aber sonst hat man unter der Woche neben Arbeit und Studium noch Zeit, um seine sozialen Kontakte zu pflegen. Das kriegt man schon irgendwie alles unter einen Hut.

Ich hab mal ein einem Interview gelesen, ich glaube das war kurz nach Veröffentlichung eures Debüts, dass ihr eure Musik als 08/15 Metal mit einem nervigen Sänger bezeichnet habt. Ich hoffe doch, da hat sich mittlerweile was daran geändert. Wie würde es jetzt aussehen?

(lacht) Keine Ahnung. Ich bewerte unsere Musik selber ungern. Wir sind immer noch die selben Typen, die wir vor sechs Jahren waren, machen noch genauso viel Quatsch und spielen die Musik, auf die wir Lust haben. Aber eine konkrete Beschreibung habe ich jetzt nicht parat.

Euer neues Album steht seit Ende Mai in den Regalen. Ich konnte es ja selber schon hören und muss euch erstmal ein fettes Kompliment dazu machen. Also da habt ihr ja wirklich die Death Metal Keule ausgegraben. War das von vornherein klar, dass es diesmal anders werden soll oder wie ist es dazu gekommen?

Tobi: Wir haben uns eigentlich nicht als Ziel gesetzt, vom Metalcore wegzukommen, wir haben immer die Musik gespielt, auf die wir Lust hatten. Daher war es uns immer egal, wenn die Leute ankamen und gesagt haben „Ihr seid ne Metalcore Band" „Ihr seid ne Death Metal Band" „Ihr seid ne Metal Band". Klar, wir haben alle kurze Haare, da liegt der Metalcore Vergleich nahe, aber wie die Leute das kategorisieren, das ist uns eigentlich egal. Dass wir uns ein Ziel gesetzt hätten, wir müssten unsere Songs so und so schreiben, ist nicht der Fall. Wir sind einfach in den Proberaum gegangen und haben das versucht rauszuholen, was uns am meisten Spaß macht zu spielen.

Der Benny (Hilleke, Sänger, Anm. d. Red.) grunzt jetzt ja auch richtig tief. Das steht ihm aber echt gut. Hatte er keinen Bock mehr auf das ganze Geschreie oder wie kam es dazu?

Tobi: Ich denke mal das hängt damit zusammen, weil die neuen Songs eher nach tieferen Growls verlangt haben, als nach hohem Geschreie. Wir versuchen halt immer eine gute Mischung aus allem zu finden. Es war natürlich bei der letzten Produktion und auch bei der „Armamentarium" Produktion gut, dass Benny die Vocals zusammen mit Alex Dietz von Heaven Shall Burn aufgenommen hat, der da auch wieder neue Ideen mit reingebracht hat. Und so haben wir uns die fertigen Songs dann angehört und versucht, das Bestmögliche aus dem Gesang rauszuholen. Aber es gab keine Vorlage von ihm oder vom Rest der Band, dass er mehr grunzen oder schreien sollte. Das hat sich bei der Produktion einfach so entwickelt.

Was ist eurer Meinung nach besonders gut geworden auf dem Album?

Tobi: Ich persönlich bin mit den Songs richtig zufrieden und auch mit der Produktion. Ja das ist eigentlich das erste Mal, dass ich wirklich richtig zufrieden bin mit der Produktion. Auch mit dem Artwork bin ich das erste Mal vollkommen zufrieden, also kann man sagen, dass ich mit der ganzen Platte mehr als zufrieden bin.

CoverartworkDie Artworks eurer Alben sind ja ziemlich düster gehalten. Hängt das vielleicht mit euren gesellschaftskritischen Texten zusammen?

Tobi: Stefan (Keller, Gitarrist, Anm. d. Red.) kam mit der Idee an, dass wir die Platte „Omnicide" nennen und danach haben wir dem Artworker gesagt, was das bedeutet und was wir uns darunter vorstellen. Danach hat er dieses Artwork so entwickelt. Wir haben nun mal keine Texte über Blümchen, die Songs sind halt düsterer geworden und danach ist dieses Artwork entstanden.

Wie schreibt ihr eigentlich eure Songs? Manche gehen ja lieber nach draußen und lassen sich von der Umwelt inspirieren, andere hingegen schotten sich im Studio ab. Wie sieht es bei euch aus?

Tobi: Es sieht meistens so aus, dass man zu Hause sitzt, auf seiner Gitarre rumklimpert und ein paar Ideen sammelt. Dann gehen Stefan, Sebastian (Heldt, Schlagzeuger, Anm. d. Red.) und ich in den Proberaum und schreiben die Lieder aus den Ideen zusammen, mit denen jeder in den Proberaum kommt. Wir machen das also ganz traditionell, treffen uns zwei-, dreimal im Proberaum und arbeiten an den Songs. Es ist nicht so, dass jeder zu Hause vor seinem Laptop mit programmierten Drumspuren arbeitet, sondern es wird ganz traditionell im Proberaum ausprobiert, was gefällt. Wenn es einem gefällt, dann arbeitet man weiter, wenn die Idee Scheiße ist, dann wird sie verworfen und man macht was Neues.

Wer schreibt eure Texte?

Tobi: Die Texte werden von Benny, Stefan und von Benjamin (Donath, Basser, Anm. d. Red.) geschrieben. Die schreiben die Texte immer zu dritt.

Wie wichtig ist es euch denn, dass die Fans eure Texte lesen und die Message registrieren? Ist es euch wichtig, etwas in den Köpfen der Leute zu bewegen?

Tobi: Puh, das ist schwer. Man will ja nicht immer predigen. Letztendlich handeln die Texte immer von Sachen, die man tagtäglich in den Nachrichten sieht. Wenn sich jemand mit den Texten beschäftigen will, ist das schon super, aber wenn jemand die Musik nur geil findet, dann ist das natürlich auch toll. Echt ätzend finde ich es, wenn man vor irgendwelchen Hardcore Konzerten erstmal eine halbe Stunde zugepredigt wird, was man machen und was man nicht machen soll. Ich meine man geht ja zu einem Konzert, weil man Spaß haben will. Wenn dann jemand nach dem Konzert sagt, dass er sich mehr mit den Texten auseinandersetzen will, ist das cool, aber wenn das nicht der Fall ist, ist es auch ok.

Gibt es hierzulande noch andere Bands, die bisher vielleicht noch eher unbekannt sind, auf die wir mal achten sollten?

Tobi: Oh da würde mir spontan gar nichts einfallen. Aus Amerika kommen ja immer viele, aber hierzulande? Hm, keine Ahnung, Helrunar vielleicht? Das ist eine Black Metal Band, die kommt auch aus Münster, aber ansonsten fällt mir spontan keine andere ein.

Kommen wir mal zu aktuellen Problemen: Was haltet ihr eigentlich von Musikdownloads? Ist das eher förderlich für die Bands oder zerstört das die Musikindustrie?

Tobi: Letztendlich wird das schon die Musikindustrie zerstören, denn wenn keiner mehr Platten kauft, kommt keine Kohle rein und dann können die Labels den Bands auch keine Kohle geben, um eine Platte aufzunehmen. Aber das ist ein zweischneidiges Schwert, wir leben immerhin im Zeitalter der Downloads. Ich meine, da haben auch die Plattenfirmen gepennt und die Gefahr im Laufe der Jahre nicht erkannt. In Amerika ist es ja so, dass die Kids für die Downloads bezahlen, wie bei iTunes zum Beispiel. Das ist wie wenn man in den Plattenladen geht und die CD kauft. Was mich persönlich aufregt, ist, wenn man eine Platte zwei Wochen vor Veröffentlichung schon im Netz findet. Wenn die Platte veröffentlicht wurde und dann im Netz auftaucht, kann man das auch nicht ändern, aber wenn die Alben vor der Veröffentlichung im Netz sind, ist das sehr ärgerlich. Das ist auch den Künstlern gegenüber nicht fair. Für eine kleinere Band hingegen, die noch auf Labelsuche ist, kann das natürlich auch ein Vorteil sein. Ich kann das ganze wirklich schwer einschätzen.

NEAERA Band

Außerdem ist ja die GEMA zurzeit im Gespräch, die die Ticketpreise um 600 Prozent erhöhen will. Was sagst du dazu? Ist das gerechtfertigt?

Tobi: Wenn man als Künstler mehr Geld von der GEMA kriegen würde, wäre es ja gerechtfertigt, aber das ist ja nicht der Fall. Das wird dann alles in einen Topf geschmissen und eine kleinere Band wie wir profitiert da überhaupt nicht davon. Das finde ich eine Schweinerei, zumal die Ticketpreise in den letzten Jahren eh schon ziemlich explodiert sind. Es werden ja schon weniger CDs gekauft und wenn die Ticketpreise jetzt auch noch erhöht werden, dann gibt es auch bald weniger Konzerte. Also wir als Band profitieren gar nicht davon, uns schädigt das eher, weil die Leute uns dann einfach nicht mehr buchen, wenn die GEMA Abgaben zu hoch sind.

Letzte Frage: Welche Musik hören wir in 20 Jahren von euch?

Tobi: Boah, also wenn es nach mir geht, dann kann es gerne so weiter gehen. Freunde von mir die haben immer gesagt „Tobi, wenn du mal älter bist, dann hörst du auch andere Musik", aber seitdem sind gut fünf Jahre vergangen und nichts hat sich geändert. Ich entdecke jetzt auch viele Bands, die ich in meiner Kindheit nicht wahrgenommen hatte, für mich. Also Metal wird immer mein Ding bleiben.

Danke noch mal, dass du dir die Zeit genommen hast. Das letzte Wort gehört natürlich dir:

Vielen Dank natürlich an alle, die dieses Interview gelesen haben, checkt unsere Platte aus, kommt zu unseren Shows und vielen Dank für die Unterstützung.

 

Interview geführt von Anja Ebert.

Zu diesem Interview:

Autor:
ehemaliger Mitarbeiter

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Artikel eingestellt:
25.06.2009