Suche:

CORVUS CORAX - Live in Berlin

CORVUS CORAX - Live in Berlin

20 Jahre haben sie nun schon auf dem Buckel die Kolkraben aus Berlin, man kann es kaum glauben. Und egal wie man persönlich zur ihrer Musik steht, man kann nicht umhin sie zu den einflussreichsten Gruppen der deutschen Mittelalterszene zu zählen, deren Stil inzwischen unzählige Nachahmer gefunden hat. Anlässlich des runden Jubiläums entschlossen sich die Sackpfeifendinosaurier im vergangenen Jahr die traditionellen Vorweihnachtskonzerte in der Berliner Passionskirche mitzufilmen und auf eine DVD zu bannen. Und als wäre das nicht genug, gibt’s das Ganze als Dreingabe gleich auch noch als Doppel-Audio-CD. Dabei fällt positiv auf, dass der Inhalt von DVD und CD nicht, wie bei anderen Bands oft üblich, unterschiedlich ist, sondern man bekommt 1:1 die gleichen 22 Songs, sowohl in der Audio- wie auch der visuellen Variante.

Die Musik der Berliner ist für mich immer wieder eine zweischneidige Sache. Zum einen habe ich mich an derartigen, sehr stark Dudelsack- und trommellastigen, Klängen wohl einfach überhört. Bands dieser Art (wenn auch vielleicht nicht gleicher Qualität) findet man seit dem Boom der Mittelaltermärkte ja inzwischen an jeder Straßenecke. Zum anderen empfinde ich die gemeine mitteleuropäische Sackpfeife meist um einiges „quäkiger“ als Exemplare, die der keltischen Traditionen Westeuropas entstammen und in meinen Ohren um einiges wohltönender klingen. Dazu kommt in diesem speziellen Fall die Vorliebe der Band, die Stücke oft in ein Speedfolk-Gewitter ausarten zu lassen, wobei die Devise „Härter, schneller, lauter!“ meiner Ansicht nach nicht jedem Song wirklich gut zu Gesicht steht. Aber sei’s drum, kommen wir zum hier zu besprechenden Konzert:

Wie schon an der Tracklist (siehe unten) ersichtlich, blieben was die Songauswahl angeht beim Berliner Publikum wohl nicht all zu viele Wünsche offen. Die Band spielte eine bunte Mischung aus ihrer langen Schaffensperiode, von der eröffnenden „Prozession“ und dem „türkischen Tanz“ bis hin zum abschließenden, von chinesischen Traditionen beeinflussten „Chou Chou Sheng“. Die Setlist unterstreicht auch einmal mehr den internationalen Anspruch der Gruppe. Aus oben genannten Gründen gefallen mir die abwechslungsreicher instrumentierten und/ oder gesungenen Stücke wie „Saderalladon“ oder die „Ballade de Mercy“ persönlich am besten, aber auch der ein oder andere Sachpfeifen-Kracher wie „Bibit Aleum“ hat mich beim Anhören bzw. –sehen durchaus gepackt. Was aber, natürlich vor allem auf der DVD, am meisten Vergnügen bereitet ist das großartige Ambiente der Kreuzberger Passionskirche, meiner Meinung nach eine der schönsten, wenn nicht sogar DIE schönste Konzertlocation in der Hauptstadt. Die außergewöhnliche Atmosphäre dieser Örtlichkeit wurde nicht nur visuell sehr schön eingefangen, auch die Tonqualität (wahlweise in Stereo 2.0 oder Dolby 5.1) bietet kaum Anlass zur Kritik, was bei den schwierigen akustischen Verhältnissen des Kirchenraums durchaus nicht selbstverständlich ist. Die Stimmung kommt echt gut rüber und die Publikumsgesänge, vor allem bei „Platterspiel“, erzeugen wirklich Gänsehautatmosphäre.

Neben dem Konzert bietet die DVD einige Extras, wie etwa Diashows vom Auftritt in der Passionskirche, dem 15-Jahre-Jubiläumskonzert im Potsdamer Lindenpark oder der Konzerte in China 2008 und Mexiko 2007 bzw. 2009. Das wirkliche Highlight für mich aber ist die ebenfalls enthaltene Dokumentation über die Band mit dem Titel „Mittelalter jetzt“, die aus dem Jahr 1993 und somit noch aus der Anfangszeit, also den Markttagen der Gruppe stammt. Man fühlt sich beim Ansehen der Doku nicht nur herrlich in die Zeit kurz nach der Wende zurückversetzt, was bei mir für ein dauerhaftes Schmunzeln sorgte, sondern erhält auch einige private Einblicke in das Leben der Musiker.

Fazit:. Für Fans und Besucher des Konzerts sowieso in jedem Falle ein Muss, ist „Live in Berlin“ ein auch sonst rundum gelungenes Jubiläumswerk, das mit 25 € auch durchaus erschwinglich ist.

 

DVD:

- Konzert (Tracklist s.u.)
- Dokumentation „Mittelalter jetzt“ (1993)
- Diashows


CD1:

1. Prozession/ Türkischer Tanz
2. Urmawi
3. Totus Floreo
4. Cheiron
5. Feralis Saltare – Pack
6. Saderalladon
7. Tertio
8. Bibit Aleum
9. Skudrinka 2 (Mazedonischer Tanz)
10. Ballade de Mercy
11. Venus Vina Musica
12. Nominalto

CD2:

1. Titenka
2. Albanischer Tanz
3. In Taberna
4. Sanyogita
5. Saltarello Ductia
6. Platerspiel
7. Saltarello
8. Admissio
9. Filii Neidhardi
10. Chou Chou Sheng

Zu dieser Rezension:

Autor:
redbeard

Bewertung:
8,5 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
PicaMusic
Band-Webseite:
http://www.corvuscorax.de

Gelesen:
1551 x

Artikel eingestellt:
31.07.2009