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Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss

Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss

Was schreibt man über eine Serie, die seinerzeit bereits im Vorfeld der Ausstrahlung im US-Fernsehen für ein enormes Maß an Aufsehen und Kontroversen sorgte?
Kann und sollte man den Holocaust überhaupt fiktional darstellen oder trivialisiert man damit die Geschichte?
Fragen, mit denen man sich immer wieder konfrontiert sieht, wenn es um die Darstellung des Zweiten Weltkriegs in den Medien geht - sei es nun in gedruckter oder filmischer Form.

Vor 30 Jahren wurde in Deutschland zum ersten Mal der TV-Vierteiler „Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss" ausgestrahlt. Die Serie galt als die erste filmische Aufarbeitung der Geschehnisse während des Zweiten Weltkriegs in Deutschland und fand immensen Zuspruch bei der Bevölkerung, die eine derartige Darstellung des Genozids an den Juden durch die Medien bislang so nicht kannte.

Die Serie erzählt die Geschichte zweier fiktiver Familien, deren Schicksale sich immer wieder kreuzen: die `arische´ Familie Dorf und die jüdische Arztfamilie Weiss aus Berlin. Der ehemals eher zurückhaltende Erik Dorf (Michael Moriarty) entwickelt sich unter der Schirmherrschaft des Holocaust-Organisators Heydrich zusehends zu einem skrupellosen Massenmörder. Die Familie Weiss hingegen muss am eigenen Leib immer wieder die zunehmende Einschüchterung unter den Nationalsozialisten erfahren, weigert sich jedoch vehement, ihre Heimat zu verlassen. Schließlich werden die Eltern Weiss und ihre Kinder auseinandergerissen und jeder muss sich seinem Schicksal fügen.

Zum Inhalt der vier DVDs

Teil 1 - Die hereinbrechende Dunkelheit (1935-1940)

Der Jude Karl Weiss (James Woods), Sohn des geachteten Doktors Josef Weiss (Fritz Weaver) und dessen Frau Berta (Rosemary Harris), und Inga Helms (Meryl Streep), die `arischer´ Abstammung ist, heiraten 1935 in Berlin, wo sich bereits sämtliche Vorzeichen eines drohenden Krieges bemerkbar machen. Obwohl die Anfeindungen gegen die jüdische Bevölkerung von Tag zu Tag zunehmen, kann sich die Familie nicht dazu hinreißen lassen, Deutschland zu verlassen. Noch glauben sie daran, dass sich alles zum Guten wenden wird und können sich die Schrecken und Gräueltaten, die sie schon bald erfahren müssen, nicht einmal ansatzweise vorstellen.
Zeitgleich begibt sich der junge arbeitslose Jurist Erik Dorf als persönlicher Referent in den Dienst von Reinhard Heydrich (David Warner), der die ersten schlimmen Attacken gegen die Juden veranlasst: die Reichskristallnacht gibt die jüdische Bevölkerung offiziell zum Pogrom frei.

Teil 2 - Die Straße nach Babi Yar (1941-1942)

Nachdem die deutschen Truppen weite Teile Osteuropas besetzt haben, errichten sie dort Lager, in die vor allem die jüdische Bevölkerung transportiert wird. Karl Weiss, der von seiner Frau getrennt und ins KZ Buchenwald gesperrt wurde, hat in der Künstlerabteilung zunächst gute Überlebenschancen. Der Doktor und seine Frau Berta wurden ins Warschauer Ghetto abgeschoben und versuchen mit einigen Verbündeten, eine Widerstandsgruppe gegen die Deutschen zu gründen. Rudi Weiss (Joseph Bottoms), der jüngere Sohn der Familie, ist aus Berlin geflohen und wird Zeuge des Massakers von Babi Yar. Währenddessen macht Erik Dorf eine steile Karriere bei der SS, da er perfide Methoden austüftelt, mit denen man die in Europa lebenden Juden systematisch vernichten kann.

Teil 3 - Die Endlösung (1942-1944)

Karl Weiss wird nach Theresienstadt verlegt und hält die Verhältnisse im Lager in Zeichnungen fest. Als diese jedoch durch Zufall in die Hände der Gestapo gelangen, wird er schwer misshandelt. Rudi Weiss hat sich unterdessen einer Partisanengruppe in der Ukraine angeschlossen, die regelmäßig Anschläge auf die deutschen Truppen verübt.
Mittlerweile werden immer mehr Juden in die Vernichtungslager in Auschwitz und Treblinka abtransportiert. Josef Weiss ist sich dessen überaus bewusst und bereitet gemeinsam mit einigen hundert Anhängern einen bewaffneten Aufstand im Ghetto vor.

Teil 4 - Die Überlebenden (1944-1945)

Der Aufstand in Warschau hält sie SS 20 Tage lang in Schach, ehe er niedergeschlagen werden kann. Josef Weiss und seine Frau, die in der Zwischenzeit mit tausend anderen Juden nach Auschwitz gebracht wurden, werden sich zusehends der Aussichtlosigkeit ihrer Situation bewusst.
Die Familie ist nun völlig zerschlagen, seit Jahren weiß niemand, ob seine Lieben noch am Leben oder bereits tot sind. Auch Karl Weiss wird nach Auschwitz geschickt - als gebrochener Mann, dem man jeglichen Lebensmut gestohlen hat. Rudi wird bei einem misslungenen Anschlag geschnappt und in das Lager Sobibor gebracht, wo ihm jedoch die Flucht gelingt.

Kritik

„Holocaust" hat nicht zuletzt wegen seiner Rolle als Vorbote vieler späterer Filmprojekte, die sich der Geschichte des Holocaust widmen, seine Daseinsberechtigung. Allerdings kann man als großen Kritikpunkt nennen, dass sich der Darstellung der deutschen Bevölkerung sehr einseitig genähert wurde. So hat man den Eindruck, dass die Deutschen nahezu ausschließlich als Täter dargestellt werden, als gefühllose Mitläufer, als Menschen, die ihre Augen vor den Grausamkeiten des Krieges verschließen. Dass es auch in den deutschen Reihen starken Widerstand gegen den NS-Staat gab, geht leider gänzlich unter.

Auch technisch gesehen gibt es einiges zu bemängeln. Die DVDs sind zwar allesamt mit englischer und deutscher Sprachfassung ausgestattet; zusätzlich gibt es deutsche Untertitel für Hörgeschädigte. Allerdings ist die Bildqualität der Serie sehr schlecht: die Einstellungen wirken unscharf und oft verzerrt, die Farben sind an vielen Stellen zu blass und der Kontrast zu stark, zahlreiche Szenen sind extrem blau- oder rotstichig. Für eine Serie aus dem Jahr 1978 sicherlich nichts Ungewöhnliches, dennoch wäre eine gute digitale Nachbearbeitung für eine DVD-Fassung durchaus von Vorteil gewesen.

Auch die deutsche Synchronisation kann nur mäßig überzeugen, da die Dialoge gekünstelt und allzu pathetisch anmuten, wohingegen die Stimmen der Charaktere im Originalton wesentlich angenehmer und treffender scheinen. Ist aber vielleicht auch einfach Geschmackssache.

Im Übrigen bietet die Box auch keinerlei Extras - weder Trailer, noch Interviews oder andere Specials, was sehr schade ist, wäre es doch interessant gewesen, etwas Hintergrundinformation oder ein Making Of zu bekommen.

Auszeichnungen

Die Serie verhalf den damals eher weniger bekannten Schauspielern James Woods und Meryl Streep zum internationalen Durchbruch und gewann zudem zahlreiche Auszeichnung, darunter 8 Emmy Awards für das beste Kostümdesign, die beste Regie, den besten Schnitt, den besten Hauptdarsteller (Michael Moriarty), die beste Hauptdarstellerin (Meryl Streep), die beste Serie, die beste Gastdarstellerin in einer Serie (Blanche Baker) sowie das beste Drehbuch.

Fazit

Der Vierteiler ist trotz genannter Kritikpunkte auf jeden Fall sehenswert. Schon allein aufgrund der Tatsache, dass er sich doch so grundlegend von vielen späteren Filmen über den Holocaust unterscheidet: jenseits von jeglichem Hollywood-Pomp und übertriebenem Kitsch wurde versucht, ein bedeutendes Stück Geschichte darzustellen, was vor allem durch die schlichte Produktion und die nüchternen Kulissen recht gut gelungen ist.
Zudem ist die Box optisch sehr schön und edel gestaltet und macht sich gut in jedem DVD-Regal.

Sieht man also von der schlechten Bildqualität ab, kann man den Film thematisch Interessierten auf jeden Fall empfehlen.

 

Darsteller: James Woods, Meryl Streep, Fritz Weaver u.a.
Regisseur(e): Marvin J. Chomsky
Komponist: Morton Gould
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Region: Region 2
Bildseitenformat: 4:3
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 24. April 2009
Produktionsjahr: 1978
Spieldauer: 415 Minuten

Zu dieser Rezension:

Autor:
Kath

Bewertung:
- von 10 Punkten

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Gelesen:
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Artikel eingestellt:
07.06.2009