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HOGBITCH - Hogbitch

HOGBITCH - Hogbitch

Manchmal kommt man zu guter Musik wie die Jungfrau zum Kinde. Da war ich mit Freunden auf dem KEEP IT TRUE Festival arbeiten, Platten verkaufen, hatte kurz frei, trieb mich mit einer Horde Spanier draußen rum und geriet in ein fröhliches Beisammensein, an dem auch Mitglieder der US Metaller KARION, u.a. deren Drummer Chip teilnahmen. Man tauschte sich aus und kam darauf, dass Chip Alexander neben dem geilen Powermetal von KARION noch andere Dinge auf der Pfanne hatte und in einer Psyche / Hardrock Band spielte. In der nächsten Stunde wurde ich stolzer Besitzer der HOGBITCH CD und schon begann eine gewaltige Liebe.

HOGBITCH sind ein Quartett mit Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug, wobei als Gastmusiker auch mal ein Organist mitspielen darf. Die Musik ist durchaus von den 70ern und 60ern inspiriert, allerdings sehr heavy und wild zuweilen, sehr intensiv dargeboten, getrieben von Leidenschaft und Besessenheit. Ich stecke sie ohne mit der Wimper zu zucken zu den neuen klassischen Hardrockern, aber ich sage gleich, dass HOGBITCH wesentlich vielschichtiger und abgefahrener sind. Ich liebe all die neuen Altherrenrockbands, davon mal ab. Doch man kann es auch frisch und frivol rüberbringen, was bei HOGBITCH der Fall ist.

Sängerin Suzy Bravo fällt mir natürlich als erste auf. Sie hat eine helle, kräftige Stimme, mittlere Höhenlagen. Diese Stimme legt sie mit sehr viel Inbrunst auf die nicht selten verdrehten und verwinkelten instrumentalen Strukturen, so dass sie zuweilen schon wie eine kleine Hexe klingt. Die Frau kennt sich mit Gefühlen aus und interpretiert ihre Songs der jeweiligen Stimmung entsprechend. Suzy hat Feuer im Hals und speiht es aus den Boxen, auf dass Eure Seelen brennen mögen.

Erste und wichtigste Hürde genommen, würde ich sagen. Neben dem herausragenden Gesang kommt nun das Spiel der Instrumentalisten. Sanford Allen an der Gitarre, Chip Alexander am Schlagzeug und Patrick Macmaghnuis am Bass zaubern sehr locker und entspannt eine wunderschöne Heavy Rock Musik, die, wie schon oben erwähnt, den Geist des klassischen 70er Sounds in sich trägt, aber durchaus frisch und aktuell klingt. Der Ausdruck ist eher Doom, selbst bei den bluesig verspielten Parts, so heavy und intensiv brodelt die Musik aus den Boxen. Sanfords Gitarre kocht förmlich und der Bass dröhnt und donnert alles in Grund und Boden.

HOGBITCH können ihre Musik explodieren lassen, wenn sie wollen. Geheimnisvoll düstere, zwar ruhigere, aber sehr morbide Passagen liegen ihnen auch. Wenn sie beide Aspekte im selben Song verbauen, dann massiert es Dir buchstäblich die Sinne weg. Gerade das erneute Ausbrechen in wuchtig pulsierende Powerrockeruptionen nach einem sinisteren Psychedelicpart ist mörderisch. Die Darbietung, so entspannt sie bei aller Schwere ist, trägt eine gewaltige Entschlossenheit mit sich. Ist das der Heavy Metal Einschlag? Aber dann sind da wieder diese schönen Instrumentendialoge, wo Bass und Gitarre sich zu unterhalten scheinen, frei gespielte, einfach um ihrerselbst an bestimmten Punkten sitzende Einlagen, ohne die zwar der Song auch leben könnte, die aber noch eine Menge mehr Spirit in das jeweilige Stück bringen.

Bands wie ORCHID und all die anderen 70er Rocker, die aktuell unterwegs sind haben mit HOGBITCH eine Schwesterband erhalten, die ihnen gewaltig den Marsch in Sachen Frische blasen sollte, was auch gut ist. Kreativität muss fließen, will man alte Musik erfrischt neu aufleben lassen. HOGBITCH tun genau dies mit immenser Lust. Chapeau, chapeau!

Die Entwicklungen der einzelnen Songs sind spannend. Sie gehen selten den geraden Weg von Strophe und Refrain, haben immer wieder diese Unterbrechungen, kleine Brücken, neue Passagen. Das ist großartig, denn so wird aus einem guten Song ein lebendiger Organismus, der nach seinen eigenen Gesetzen funktioniert. Der freie Geist der 70er halt. Schön sind die Leadgitarren, dieses volle, warme, sehr intensive Jaulen, welches ich genauso mit dem besten 70s Hardrock assoziieren kann, wie die oben angesprochenen Drehungen und Wendungen innerhalb der sehr frei dargebotenen Kompositionen.

Freunde von GRAND FUNK RAILROAD, SIR LORD BALTIMORE, BLACK SABBATH und BLUE CHEER, die sich auf eine 45 Jahre frischere Variante einlassen mögen, werden um dieses Album wohl kaum herumkommen. In Deutschland u.a. bei Hellion Records zu erstehen.

Tracklist:

01. Queen B
02. Thrown to the sky
03. Black corridor
04. Hameh
05. Never
06. Life begins and ends in the subterranean oceans of Ceres
07. Slaves of the ether
08. Consumptive sun
09. Maidenhead
10. Skin don't you know me
11. Rats in the walls

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

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Artikel eingestellt:
03.05.2014