NWoBHM, meine Damen und Herren, so nannte sich eine heuer, eigentlich sogar seit Urzeiten bereits von Sammlern halbverwester Vinylsingles und LPs, sowie von den Freunden der weniger bekannten bis obskuren Vertreter der Heavy Metal Rockmusik mystisch verklärte und von einigen Musikern als großer Einfluss gepriesene Bewegung im bereich der kräftigeren Beatklänge aus Großbritannien Mitte der 70er bis Mitte der 80er, welche eine Vielzahl unterschiedlicher Stile unter einem Banner vereinte und diverse später populär gewordene Untergenres des Hardrocks gebar.
Der typische Vertreter dieser, auch von meiner Person heissgeliebten musikalischen Revolution spielte einen geradlinigen, mittelschnellen und kantigen Rock mit erdigen, bisweilen nachdenklich stimmenden Melodien, welche die Melancholie lauer Nachmittage im heimischen Pub deutlich wiederspiegelte. Nun, die erdige, ehrliche britische Rockmusik hatte stets, selbst bei den biederer klingenden Gruppen, eine eigenartige Magie in sich und nach dem offiziellen Auslaufen der Welle um 1985 herum gab es nur selten eine englische Band, welche diesen speziellen Zauber klanglich erneut zum Wirken bringen konnte.
OVERDRIVE, RITUAL, SLANDER, immer fallen mir ein paar Namen ein, die auch später noch dem alten Geist treu die Fahne hielten und dabei grandiose Musik erschufen, aber die meisten Truppen, ob alte Helden oder Nachkömmlinge, hatten sich neuen Trends gewidmet oder waren im Sud der eigenen Unkreativität ertrunken. AGINCOURT, um die es hier gehen soll, gründeten sich erst Jahre nach der NWoBHM, hatten aber u.a. den Schlagzeuger der echten NWoBHM Helden SCARAB gleich mehrmals in ihren Reihen. Nun, das soll uns dann auf die richtige Fährte lenken, was die Musik betrifft, denn AGINCOURT spielen absolut echten, ehrlichen und melodieverliebten NWoBHM der etwas moderateren Art.
Die Gitarren knarzen herzhaft aus den Boxen, bilden aus den geschlagenen Akkorden geradlinige Riffstrukturen markanter Natur und verweben diese mit feinen, sehr lustvoll und mit sehr viel Leidenschaft inszenierten Soli, die mehr eine Melodie über der Melodie, denn einfach nur ein wildes Gefiedel sind. Insgesamt sind die Stücke recht eingängig und dabei stets packend angelegt. Hymnenhaft wird mit angerauter, etwas gnägelnder, aber doch klarer Stimme von historischen Begebenheiten, kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch inneren, spirituellen Zwistigkeiten gesungen.
Nun, der epische, also Geschichten erzählende Aspekt der Musik wird durch die meisten Texte durchaus noch hervorgehoben, obschon die eine oder andere leicht frivole Rock’n’Roll Hymne, ich ziehe mal die alte Band SOLDIER und ihr hervorragendes Kultstück „Sheeralee“ von 1982 als Beispiel heran, da AGINCOURT sich ähnlicher Stilistika bedienen, hätte die CD wahrlich perfektioniert, obschon ich keine Kritik üben möchte.
Das hier ist absolut ergreifender britischer Heavymetal mit rockiger Kante, echt und ehrlich, wie man sich das von Engländern wünscht, frei von Innovationen und all dem Dreck, der die spirituelle Reinheit unserer Musik gefärdete. Wer also auf die weniger wilden unter den alten Britenkapellen abfährt, der ist hier genau richtig und ich meine, das tun wirklich viele Leute.
Gibt es als CD in Deutschland u.a. bei HELLION RECORDS für faire 12,00 Euro. Demnächst erscheint auf HIGH ROLLER RECORDS noch eine schöne Vinylversion des guten Stücks.
Tracklist:
01. Edge of Paradise
Autor:
SirLordDoom
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
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Artikel eingestellt:
12.11.2011