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BUDDHA SENTENZA - Semaphora

BUDDHA SENTENZA - Semaphora

Die Band war mir von ihrem 2013er "South western lower valley rock" Album her bekannt, allerdings blieb mir der Longplayer eher unverständlich bis ich die Truppe 2014 auf zwei Festivals live erleben durfte. Davon fand eines auf Fehmarn an einem stürmischen und regnerischen Freitag im August 2014 statt und die Band musste vom Bühnenrand Meter für Meter nach hinten rücken, damit ihr Equipment nicht überflutet wurde. Hat den sympathischen verrückten Vögeln nichts ausgemacht, sie spielten sich und das Publikum in einen Rausch.

Aus den Augen und Ohren und somit aus dem Sinn wurde mir jetzt das neue, dritte Album "Semaphora" zugereicht und mit dem erweiterten Verständnis von ihrer Musik gelingt es mir wunderbar, die bunten und stark gefühlserfüllten Klangwelten der Band durch mich hindurchfluten zu lassen, während ich in ihnen umhertanze.

Fakt ist, dass hier einzelne Passagen auf einander aufbauen und sich jedes Stück von Anfang bis zum Ende hin immer wieder verändert, immer vorwärtsbewegt und mehr den Charakter einer Reise besitzt denn eines typischen, in sich geschlossenen Popsongs mit steten Wiederholungen besonders einprägsamer Kehrreime.

Große Melodien zaubern sich BUDDHA SENTENZA (Im Nachnamen nach dem Bösewicht aus "The good, the bad, the ugly" benannt) locker aus den Zylindern. Dabei kommen sämtliche Rockinstrumente vor, die man sich vorstellen mag. Gitarren, Bass und Schlagzeug neben Orgeln, Geigen, Synthesizern. Es ist ein sehr farbenfrohes und oft progressives, frei gespieltes und doch strukturiert wirkendes Gemenge an Passagen, welches hier perfekt gespielt die Sinne kitzelt.

Ich höre folkige Momente, ich schwebe durch düster - mystische Melodietunnel, ich werde von schweren Gitarren durchbrummt. Immer wieder tauchen versponnene Bassläufe auf und umschlingen das hypnotische Getrommel, welches für einen prächtigen, sehr bewegenden Rhythmus sorgt. Die Stücke explodieren förmlich, brechen dann in sich zusammen und wabern wie bunter Nebel hinaus in den Kosmos, wenn es denn an der Zeit dafür ist. Die Musik ist rein instrumental gehalten, was aber bei den ganzen dominanten und im steten Dialog befindlichen Instrumenten auch gut ist. Das Ergebnis ist ebenso reich an Substanz, wie auch spannend und schlichtweg schön.

Ich könnte jetzt Vergleiche ziehen, aber das nützt niemandem. Ich fühle mich ebenso berauscht von dieser Musik, wie vom Anhören meiner alten PINK FLOYD, TANGERINE DREAM und MIKE OLDFIELD Platten der frühen bis mittleren Siebziger. BUDDHA SENTENZA sind aber eigen, bei allem was sie tun. Es ist nicht der Ausdruck ihrer Klangkunst, es ist die Seele, welche sie mit den Helden der progressiven Ära vereint.

Sie können hart rocken, donnern, fetzen und treiben, sie können Dich in einen Kokon aus Harmonien und träumerischen Läufen einspannen. Hier auf diesem Album gibt es alles. Es hat keinen Zweck, nach Mainstream, nach Pop und nach oberflächlichem Entertainment zu suchen. Letzteres kommt aus der Tiefe der einzelnen Stücke in Deine vor Leidenschaft entflammte Seele geschossen und hält Dich bis zum Ende der gut 48 Minuten in seinen Fängen.

Ich kann auch nicht sagen, ob ich hier sieben Stücke oder eines höre. Es gibt zwar durchaus Übergänge, aber die Stimmung bleibt selbst in der Sekunde Ruhe bestehen, in der ein Abschnitt des Albums den nächsten ablöst.

Ich wünschte ihnen mit diesem Werk Ruhm und Reichtum, weil sie den Musikhörer förmlich befreien. Sie bringen Spacerock, Stonerrock, Progressiverock, Psychedelic, Hardrock, sphärische Elektronik und Folk in Einklang, sprengen dabei die stilistischen Ketten in den Seelen der Fans von lebendiger Musik. Wo vielen Instrumentalbands einfach die Mehrdimensionalität fehlt und sie einen eher monotonen Klangbrei kochen, da brodelt die Kreativität von BUDDHA SENTENZA mit grandioser Intensität auf diesem Album. Wäre die Musikwelt nur so gerecht zu ihnen und ihrem Label, dass sich dieses auch in barer Münze niederschlüge.

Neben den Iren ESTEL die beste progressive und wuchtige Instrumentalband dieser Tage.

Tracklist:

01. Jet
02. Greek ancestry
03. Kréčn (Patagonian lights)
04. Laika
05. Blood rust
06. The end is coming...
07. ...we'll take it from here

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
10 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
World In Sound
Band-Webseite:
buddhasentenza.de
Release:
17.01.2017

Gelesen:
3649 x

Artikel eingestellt:
20.11.2016