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DUNST - Dunst

DUNST - Dunst

Oh, ich habe eine Schwäche für Desertrock und Stonerrock, schön brodelnd und roh, mit langen Songs, zäh und brodelnd wie kochende Lava und hypnotisierendem Gesang aus rauer Kehle. Und dann kommen DUNST aus dem Brandenburgischen Templin und stellen meine Weltanschauung in Frage.

Kein Gesang, keine lärmenden Klangmauern, dafür verspielte, zum Teil wild herumwirbelnde Rhythmen, fragil wirkende ruhige Passagen, ein Wechselspiel aus Dynamiken gebettet in mystische, betörende Zaubermelodien. Was ist das? Progressiverock? Desertrock? Eine unheilige Verbindung aus beiden Subgenres der Rockmusik? Es scheint fast so.

DUNST spielen frei und haben diesen kantigen Ansatz, für den die richtigen Rocker in der deutschen Szene vor rund 45 Jahren berüchtigt waren. Der aktuelle Jamrock psychedelischer Natur hingegen zieht nur im Ansatz als stilistischer Weidezaun, weil DUNST ihre Songs als relativ gut strukturierte Kompositionen präsentieren, bei denen allein einzelne Momente etwas freier, ausladender und feuriger gespielt werden.

Die Gitarre ersetzt auf "Archimedes Waffen" den Sänger hervorragend und zaubert Melodiebögen, die sich tief in Euren Sinnen festsetzen, egal ob sie nun zurückhaltend und mit wenigen Effekten gespielt  einen sehr nackten Klang und eine Atmosphäre von äußerster Intimität aufbaut oder über einem tosenden Fundament aus Bass und Schlagzeug lauthals röhrt und jault.

DUNST haben es wirklich mit wunderbaren Notenfolgen. Ein paar arabische Harmonien lockern die ohnehin mit Magie beladenen Stücke auf. Gerne reduzieren Bass und Gitarre ihr Wirken auch und lassen das Schlagzeug eine kurze Weile die Leitfunktion übernehmen. Und immer wieder ziehen sie Dich als Hörer in die brütende Wüstenhitze Nordafrikas, Mexikos oder der USA, wo außer Kakteen (Peyote!!!!!!) nichts mehr wachsen will. Die Halluzinationen werden im Falle von DUNST jetzt allerdings allein von den Dich leidenschaftlich umtanzenden Läufen aller drei Instrumente hervorgerufen.

Nebenher können die Boys auch noch fantastisch spielen. Technisch stimmt hier alles. Aber dieser Grad der Instrumentenbeherrschung sorgt eben auch dafür, dass DUNST nicht einfach nur eine der typischen Kifferjambands sind, die sich tatsächlich großer Beliebtheit erfreuen, jedoch recht rasch in Gleichförmigkeit verfallen. Immer wieder bekommen die Stücke einen gewaltigen Kraftschub, wenn die Jungs vorwärtsdringen, ihre Instrumente gleich einem Haufen Berserkern bearbeiten und sehr wild und aggressiv eine eruptivere Schiene fahren.

Nach zwei Durchläufen hatte mich diese CD, die zweite und leider letzte der inzwischen aufgelösten DUNST. Sie haben enorme Cojones, auch einmal sehr delikate Progpassagen mit anspruchsvoller Spieltechnik dahinter auf den Stonerfan loszulassen. Jener ist nun aber auch oftmals affiner für Prog als man sich das denkt. Der Groove der Boys ist als Krönung noch unwiderstehlich intensiv. Ich bin sehr begeistert und mit leichter Wehmut wird dieses Album zu einem der schönsten Werke einer neuen deutschen Desert Rock Band ernannt.

Tracklist:

01. Kin-Shaq-King
02. Archimedes Waffen
03. We can try to play like or we can try
04. Dhimahi Prachodayat
05. Hammerhigh
06. Agathe & Saturnia

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
World In Sound
Band-Webseite:
www.facebook.com/dunstdunst
Release:
25.09.2015

Gelesen:
5780 x

Artikel eingestellt:
19.08.2015