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CELESTIAL BLOODSHED - Omega

CELESTIAL BLOODSHED - Omega

Die Band hält sich auf ihrem zweiten Album "Omega" nicht lange mit mystischen Intros auf und bölzert sogleich drauflos, allerdings sehr geschmackvoll vom Klang und von der Stimmung her.

"The aorta of my thoughts" ist ein roh und majestätisch klingender Hassbrocken eines Blackmetalmonolithen. Viele rasante Passagen, immer wieder unterbrochen von treibenden Headbangerriffs und einigen zähflüssigen Abschnitten, bilden das Hauptgerüst des Stückes.  Der Song ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bereits mindestens vier Jahre alt, da hier noch Steingrim Torson seine unglaublich bösartige Stimme grollen lässt und dieser Herr wurde 2009 in Trondheim, der Bandheimatstadt, auf mysteriöse Weise erschossen. Gerade der hintere Teil des Stückes mit monolithischen Akkorderuptionen auf tolwütig rasendem Schlagzeugfundament wird Deine Seele zermalmen. Am Anfang hat der Song sogar noch einen feist wogenden Groove, der zwei aufeinander prallende Wellen von entfesselten Kriegern symbolisieren könnte. Die Riffs sind schwer und düster, Steingrim Torson bebt regelrecht vor Wut, wenn er seine Texte in die Welt hinausbrüllt. Ein kurzer Übergang ohne Schlagzeug beginnt schon damit, Deine Seele zu zersetzen, da erklingen Snarewirbel und das morbide Riff nebst Windgeräuschen bekommt einen Blastbeatunterbau. Die Trommeln flitzen im Irrsinstempo voran und scheinen doch still zu stehen, da die Gitarre alles beherrscht. Aber ein kräftiger Einschub mit zackigem Rhythmus, der mich an einen Todesflamenco erinnert, lockert diese diabolische Bergpredigt immer wieder auf und scheint eine Art Kehrreim bilden zu wollen. Wenn Du Dich drauf einlassen willst, dann nehmen CELESTIAL BLOODSHED Dich hiermit gefangen.

Die Rübe ab gibt es dann bei "Begone, chains of life!", einem wiederum tosenden und wogenden, aber rhythmisch sehr packenden Stück, in welchem dennoch immer wieder so kleine Passagen des schieren Verharrens auftauchen. Dieses Umherwogen, dazu die machtvollen Vocals von S.T. nebst den melodischeren Passagen mit gleißend hellen Gitarrenläufen, irgendwie repetativ und dadurch hypnotisierend intensiv, leiten ein Inferno epischen Hyperspeedblackmetals ein. Vielleicht hat es solche Musik schon gegeben, aber für eine dem echten, rohen, urigen Blackmetal verschriebene Band machen CELESTIAL BLOODSHED es perfekt.

"Deathsquad alliance" ist dann ein Stück, auf dem ein Gastsänger zu brillieren gedenkt. Eine grobe Keule 80er Hyperthrash macht dieses Stück zu einer brutalen Supernova des härtesten Metals ever. SLAUGHTER, KREATOR, POSSESSED und SODOM könnten Vorbilder sein, nach deren Material CELESTIAL BLOODSHED hier eine nicht ganz dreiminütige Nummer geschrieben haben. Egal, denn es macht Freude.

"Spiraculum mortis" wird ebenfalls von Gastsängern veredelt, rast und donnert morbide und monolithisch aus den Boxen und reißt Dich direkt in einen Höllenschlund, worin Deine Seele durch die Urschreie der Gepeinigten auf ewig gemartert werden soll. Sechs Minuten musst Du als Hörer durchhalten und ein paar schleppende Einschübe lindern den Schmerz etwas. Würden die Gitarren mehr brodeln statt zu klirren, könnte man hier eine alte Deathmetalnummer aus den frühen 90ern bzw. späten 80ern vermuten. Bis in epische Doomgefilde treibt es die Norweger hinein und Leadgitarren von einer überragenden Schönheit und Klarheit legen sich auf das Geklirre und Gekratze. Old School as fuck, so möchte ich es ausdrücken. Innovativ geht wohl anders, aber wenn ich schon Altherrenmetall wie NIGHT abfeiere und auf Retrobands mit 70s Sounds stehe, dann kann ich mich auch sehr gut mit Blackmetal anfreunden, der 1994 zu den progressiveren, gleichzeitig aber auch morbidesten und härtesten Bands gepasst hätte.

"Manifested darkness, bloodred sunrise" ist dann ein bitterböser Zehnminüter, der sich zuerst doomig gibt und langsam und bedächtig vorwärtsschreitet, während Herr Torson wieder am Mikro steht und wie ein Geisteskranker röchelt und grollt. Erneut hält mich die klirrende Gitarre davon ab, hierbei von "Doomdeath" zu sprechen, aber es passt schon. Auch wenn das Schlagzeug irgendwo noch Fahrt gewinnt, so bleiben die Riffs erstmal sumpfig und gemächlich. Schicht um Schicht türmt sich dieser Song nun in die Höhe. In der Tat entwickelt er sich in zwei Richtungen, vorwärts und senkrecht hinauf. Immer mal wieder fallen CELESTIAL BLOODSHED in ihren doomigen Trott zurück und schleppen sich wie zerfallende Körper zu neuem unheiligen Leben erweckter Moorleichen durch ihre Klangwelt. Ein rhythmusfreier, eiskalt wirkender Abschnitt malt sinistere Bilder in Deine Seele und verstärkt Deine Trance noch, bevor sich das doomige Dahinziehen wieder ins Geschehen einbringt. Schöne Leadgitarren lassen sich vernehmen. Brummende Backingchöre und dezente Keyboards verdichten die Musik und ihre Atmosphäre und Steingrim Torson wütet hierüber gleich einem Berserker, was selbst bei diesem entspannten Tempo Angst machen kann. Im Bereich derber Musik gehörte er definitiv zu den beseelteren und charismatischeren Growlern. Ein sonores maschinelles Brummen beschließt diesen Monolithen von Song.

Aber einen haben wir noch. "Trosbekjennelse" nennt er sich, beginnt mit einer Rückkopplung, einer gebetsartigen Ansage und vier Anzählschlägen, dann explodiert er aus den Boxen. Man merkt sofort, dass der Sound anders ist und denkt unweigerlich an eine Demonummer als Bonusstück. Der eher als Bollern und Wummern wahrnehmbare Bass und die bestialisch geschundene Gitarre spinnen schöne primitive Strukturen über das monoton treibende Schlagzeug. Steingrim krächzt darüber fast schon ekelerregend gammelig seine Vocals. Ein Zwischenpart mit sludgigen Riffs und vermindertem Tempo bringt auch keine Entspannung. Dieser Song hier ist die schiere Hölle, aber auf angenehme, unterhaltsame Weise. Die Art zu Shouten von Steingrim Torson hat schon etwas von Parolendreschen. Bei allen vermeintlichen Makeln, mit denen dieses Abschlußstück behaftet ist, CELESTIAL BLOODSHED wissen auch hier zu berühren und es dürfte ein bewusster Zug gewesen sein, diese Aufnahme zu verwenden.

Nun die Kardinalsfrage, reichen 34 Minuten heuer noch aus, CD Käufer in die Läden zu treiben und für ein Album den Vollpreis zu zahlen? Ist es denn wirklich die Masse oder sollte es dann doch eher die Klasse des Materials sein, welches die Entscheidung beeinflusst? Wie auch immer, bei mir hat es ausgereicht. Mein Geld floss in den Erwerb dieser CD und ich freue mich über diesen Kauf. Eine tolle Band ist das und ich freue mich auf die bald bei mir eintrudelnde Debüt CD, welche Kollegin Velvet hier an anderer Stelle bei Veröffentlichung bereits besprochen hat. Allerdings fällt meine Benotung noch positiver aus, da bin ich mir nach einigen Hörproben bei Youtube sicher. Blackmetalliebhaber dürfen zuschlagen!

 

 

Tracklist:

01. The Aorta of My Thoughts
02. Begone, Chains of Life!
03. Deathsquad Alliance
04. Spiraculum Mortis
05. Manifested Darkness, Bloodred Sunrise
06. Trosbekjennelse

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

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Band-Webseite:
www.facebook.com/pages/Celestial-Bloodshed/249192068433920?fref=ts
Release:
24.02.2013

Gelesen:
7242 x

Artikel eingestellt:
24.04.2015