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REINO ERMITANO - Conjuros de poder

REINO ERMITANO - Conjuros de poder

Ich entsinne mich genau, wie die "Brujas del mar" CD von 2006 bei Freunden und Kollegen, die auf schwere Doomsounds abfuhren, ob der hexenhaft verrückten Stimme von Sängerin Tania Duarte und der kauzigen Folkelemente zu eher unangenehmen Gefühlen Band und Album gegenüber führte. Seit dem nächsten Werk war es dann auch vorbei mit allen nichtmetallischen Elementen und es regierte die reine Dampfwalze.

Neun Jahre ist mein erster Kontakt mit den Peruanern schon her, damals war von THE DEVIL'S BLOOD, BLOOD CEREMONY, BLUES PILLS oder THE OATH / LUCIFER noch nicht die Rede und die hippe Okkultrockschiene neben dem Retrorocktrend noch eine sehr untergrundige Angelegenheit. Soviel nur dazu, dass vielleicht ein paar Schnösel behaupten könnten, die Peruaner wären Nachmacher. Ja, schon, sie machen irgendwie genau das, was vor ihnen andere gemacht haben, Doom, mal rockig, mal metallisch, mal lässig und mal episch, aber immer heavy as fuck.

Tania ist eine erstklassige Sängerin, verbleibt allerdings gerne in einer Lage, die eher die mittleren Höhen abdeckt und entsprechend angenehm wirkt. Ein paar merkwürdige Effekte sind zwischendrin möglich, aber sie werden im Rahmen gehalten. Die Instrumentalisten sind auch immer bereit, den Blick über den Tellerrand zu wagen, damit ihnen kompositorisch die Frische auch bleibt. Doom ist nunmal eine sehr klare Sache, aber REINO ERMITANO haben ihre Schlupflöcher. Da sind die machtvoll dahinstampfenden Postrockpassagen im Endteil des Epos "Circe", da ist das psychedelische "Kali" mit seinem Eingangs - und Endpart bestehend aus betörenden Gesängen von Tania und Sitarmelodien, welches sich in der Mitte dann in eine wogende Doomwalze verwandelt, auf deren brodelnden Riffs verzaubernde Gesangsharmonien und ein von indischer Folklore beeinflusstes Gitarrensolo liegen. Heissa, macht das Laune.

Bei aller monumentalen Wucht und bleiernen Schwere, bei aller kunstvoll inszenierten Monotonie, REINO ERMINTANO wissen schon, wieder und wieder so kleine Melodiebögen oder eindringliche Akkordfolgen in ihre Songs einzubauen, damit der Hörer nicht nur paralysiert in seiner Wohlfühlecke dahintrippt, sondern auch hinterher noch weiß, was er da überhaupt erlebt hat. Klassische Abfolgen sind natürlich stets präsent und die musikalische Genesis auszurufen läge wohl auch abseits des Planes unserer peruanischen Freunde.

Doomfans sollten dieses Album lieben. Jede Note sitzt an ihrem Platz, jeder Beat, jedes Riff, alles wirkt in einander und so wird aus jedem Stück eine pulsierende klangliche Manifestation schierer Lebensfreude und Leidenschaft. Stoner - und Doombands gibt es sicher wie Sand am Meer und REINO ERMITANO sind da ganz weit vorne dabei, auch wenn sie definitiv dem Ehrenkodex des Genres verhaftet bleiben.

Mit der Hymne "En mi mente" haben sie dann noch einen Hitsong an Bord, der sich zum Livefavoriten entwickeln sollte. Schöne Grundmelodie, wunderschöne Soli, die vor tiefen Gefühlen nur so strotzen, die schräge Flöte der Anfangszeiten ganz dezent als Begleitung und ein sich ständig wiederholender Grundlauf, der allerdings in der Intensität der Darbietung Variationen erkennen lässt. Auch hier hat man wieder diesen Aspekt des Postrock in sich aufgenommen, denn mit englischem Text und weniger wuchtigen Gitarren könnte das hier auch eine Kultnummer von CRIPPLED BLACK PHOENIX werden.

Ach ja, REINO ERMITANO haben natürlich nach wie vor Texte auf Spanisch mit peruanischem Dialekt. Wer allein Englisch als Doomsprache zulassen möchte, der kann schon mal zur nächsten Band weiterschauen. Aber er verpasst was. "En mi mente" bringt ein ohnehin feines Album übrigens noch ein Level nach oben und treibt mich als Fan der Band in die schiere Ekstase. Im Vertrieb von I HATE RECORDS

Tracklist:

01. Caléndula
02. Ancestral
03. Abraxas
04. Estigma de Caín
05. Circe
06. Kali
07. Chancapiedra
08. En mi mente
09. Apátrida

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
I Hate Records
Band-Webseite:
https://www.facebook.com/pages/Reino-Ermita%C3%B1o/229687576031
Release:
15.09.2014

Gelesen:
8628 x

Artikel eingestellt:
15.04.2015