Suche:

ZQKMGDZ - Dimension plasma

ZQKMGDZ - Dimension plasma

Andreas Libera ist uns durch seine bisherigen musikalischen Projekte durchaus schon ein bekannter Name im deutschen Metalunderground. Tourbassist bei HOLY MOSES, muss so 2002 gewesen sein, Gitarrist bei SPIRIT DESCENT mit drei exzellenten Alben, einer der Köpfe der Doomer COLD EMBRACE und ebenfalls Livebassist bei der englischen Legende SOLSTICE. Der gute Mann hat also einiges an Credibility auf dem Puckel.

Pink Tank Records aus Hamburg haben sich nun eines der neuesten Geschöpfe dieses Doomfrankensteins angenommen, ZQKGDZ, was ausgeschrieben "Zehntausend Quadratkilometer gegen die Zeit" bedeutet. Das hört sich nach Spacerock an, hat einen psychedelischen Ausdruck und scheint etwas für die Weggeflogenen und Fortgebeamten unter uns zu sein. Aber der gute Andi wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch einen gewissen Hauch von Doom ins Spiel brächte. Schauen wir mal.

"Brainsnail octopus" hat treibende und schwer brodelnde, zermalmende stampfende Parts mit jaulenden Fuzzgitarren zu bieten, die zugleich betörend hypnotisch und von ergreifender Eingängigkeit sind. Der Bass zerrt, knirscht und sägt noch zusätzlich zu den Sechssaitern. Von der Komposition her ist das recht klassisch gehalten, die 70er Heavyrocker und ihre etwas bedampfteren Zeitgenossen, sowie die NWoBHM Fraktion des Lavarocks sind eindeutige Vorbilder. Aber es kommt hier mehr auf das Feeling an und das ist großartig. Die Atmosphäre ist drückend und sexuell stimulierend. Das liebe ich beim Heavyrock. Nach knapp siebeneinhalb Minuten verschwindet der Hirnschneckenkrake im Weltall und macht Platz für das Manifest des Mammuts.

"Mammoth manifest" ist ein mittelschneller Heavyrocker von ungefähr fünf Minuten Länge, der straight über den Umweg Kräutergarten durch die Pforten der Wahrnehmung hinaus in die Wüste donnert und neben den klassischen Ideen des ursprünglichen bluesigen Powerrocks der frühen 70er noch eine Keule des 90er Stonerrocks zu einer ganz urtraditionellen, aber stets wohlklingenden Musik verrührt. Auch hier gilt Feeling vor Innovation.

"Ambrosia" ist ja die Nahrung der Götter in der einen oder anderen alten Mythologie, hier ist es ein entspannt groovender, brodelnder und knarrender Rocker mit bis zum Anschlag verzerrten Saiteninstrumenten, der feine Gitarrenmelodien zwischen all dem Gesäge offenbart und sympathisch stampft, wenngleich das Schlagzeug einen eher tänzelnden Beat unter die schwerfällig dröhnenden Läufe von Bass und Gitarren legt. Der Gesang ist wie bei den Stücken zuvor eher ein total verhalltes Rufen mit minimal angelegter Melodie aus den Tiefen des Weltraums. Hier kommen Assoziationen zu ELECTRIC WIZARD auf, bei allen Songs. Sechs Minuten lang zermatscht Dir "Ambrosia" die Sinne, dann kommt der finale Rettungstrip.

"Astrosabbath", vierzehneinhalb Minuten morbide Klangkunst. Die Gitarren walzen mit angezogener Handbremse über dem schleppenden Drumming, in welches der Trommelkünstler trotzdem noch kleine, schön gespielte Figuren und einen dezenten, lasziven Groove einbringt. Und so sehr auch dieses Stück in den Genretraditionen von 45 Jahren ultraschwerem Heavyrock schwelgt, so massiv berührt es auch wiederum den Hörer. Hier wird noch am klassischsten der Doom zelebriert und man versinkt in der fiebrigen Atmosphäre dieses Lavarockers. Die Soli lassen Deine Seele zerspringen, so schneidend sind sie und dabei setzen sie Dich vollkommen in Brand. Schmilz dahin, Menschenwurm. Aber lass Dich vorher von der wüsten Effektorgie, einem Surren, Flirren und Wabern der Fuzzgitarre ins Nirvana beamen. Totaler Overkill!!!!

Nach dieser letzten Orgie kommen wir zu dem Fazit, dass sich die knapp über eine halbe Stunde Musik auf diesem Album (oder ist es eine Longplay EP?) nicht mit dem Anspruch herumschlägt, den Winterreifen vollkommen neu zu erfinden, sondern Omis altem 72er Mercedes frisches, aber bewährtes Gummi für guten Halt auf glatten Wüstenpisten aufzieht. Ich möchte sie schon mit ELECTRIC WIZARD zu Zeiten ihres "Dopethrone" Kultalbums vergleichen, was vorallem das Dröhnen und Sägen angeht, aber wo Andi Libera mitmacht, ist immer zumindest ein gutes Stück Eigensinnigkeit gewährt. Ist das eine Scheibe für die ich persönlich Geld ausgäbe? Gehen wir weg vom Konjunktiv, ja, hierfür gebe ich gerne mein Geld aus. Musik, Band und Label sind sympathisch, die Aufmachung immer echt fein, sowohl der Musikliebhaber als auch der Sammler in mir sind zufrieden.

Tracklist:

01. Brainsnail octopus
02. Mammoth manifest
03. Ambrosia
04. Astrosabbath

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
8 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
Pink Tank Records
Release:
15.02.2015

Gelesen:
7900 x

Artikel eingestellt:
27.11.2014