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WOBURN HOUSE - Sleep summer storm

WOBURN HOUSE - Sleep summer storm

Hab ja noch nie vorher die Sonne so genervt schauen sehen, wie auf dem Cover der aktuellen WOBURN HOUSE CD "Sleep summer storm", ihrem dritten Album seit 2006. Ich fühle jetzt schon, nach wenigen Hördurchläufen, dass mir die beiden Vorgängeralben in der heimischen Sammlung durchaus fehlen. Geiles Zeug!

Dabei sind WOBURN HOUSE keine besonders harten Typen, also, Florian Toyka und Christian Kolf mit ihren anderen Bands wie KLABAUTAMANN oder VALBORG schon, aber eben in der Gemeinschaft eher peacig. Und melancholisch. Und auf gewisse Weise morbide und düster.

Wie vermag ich diese Musik nun zu benennen? Blackmetal ist es gar nicht. Doom ist es nicht. Artrock, Gothicrock, Post Rock, ach, was weiss ich? Ich bin der Meinung, dass beide Musiker bei jedem ihrer Projekte mit den Elementen spielen, aber statt eine bestimmte Richtung stur durchzuziehen, statt vielleicht auch nach unnützen Innovationen zu streben, lieber gute Songs und tolle Musik schreiben, abseits der meisten Kategorisierungen.

Doom, Sludge, Postrock, Gothicrock und schwebender Artrock sind Teile des gesamten Bildes, aber sie werden so liebevoll miteinander verwoben, dass am Ende eine Art atmosphärischer und sehr düsterer, zuweilen bedrohlicher, zuweilen betörender Rockmusik entsteht, die eben dazu auffordert, ihr zuzuhören, nicht nur mit den Ohren, vor allem auch mit dem Herzen und der Seele. Schon bald haben die sanften Passagen Euch liebevoll aus dieser Welt hinausgeküsst und die kräftigeren Momente, wo die Gitarre auch mal etwas mehr Zerre haben kann, versetzen Euch in schiere Ekstase.

Die Songs sind in der Tat als solche erkennbar, setzen sich mit der Zeit tief in den Sinnen fest, haben eben mehr Ecken und Kanten als viele eingängigere Stücke. Die Musik ist in ihrer Intensität, Leidenschaft und Schönheit mehr wie ein Liebesspiel zweier in einander verlorener Seelen, denn einfach nur trocken heruntergespielte Rockmusik. Die Synthesizerklänge faszinieren, bringen einen kosmischen Aspekt ins Geschehen.

Ja, in der Tat, die Herren Kolf und Toyka sind hier mit einer immensen Inspiration zuwerke gegangen, weiß der Teufel, woher sie diese bezogen haben, aber sie scheint ihnen mühelos zugeflogen zu sein.

Mein heimlicher Favourit hier ist das warme, sehr schöne Titelstück mit vielen akustischen Gitarren und zurückhaltender Synthiegrundfläche, dem Wechsel von erdrückender Melancholie, zu etwas weniger elegischen, hellen Momenten, in denen der Blick vom alles unter sich begrabenden Leichentuch aus Schnee im tiefsten, schwärzesten und kältesten Winter zu neu erblühendem Leben wandert.

Der Gesang ist, wie ich finde, sehr charismatisch, eher mittelhoch, leicht angeraut die Stimme, aber immer klar und natürlich. Die Melodien sind ebenso zurückhaltend wie insgesamt die gesamten Kompositionen. Und aus diesem Understatement fließt hier die gesamte Magie in die Musik, denn die Unaufdringlichkeit der Songs macht eine Menge Freude, die Musik berührt und verführt Dich.

Für Freunde von CRIPPLED BLACK PHOENIX, FIELDS OF THE NEPHILIM, sphärischen TIAMAT und KATATONIA, ANATHEMA, MY DYING BRIDE, ausladenderen PINK FLOYD, all solchen Bands ist das hier ein schöner, frischer Farbtupfer in ihrer Sammlung. Auch wenn keine der genannten Bands zu einhundert Prozent mit WOBURN HOUSE musikalisch konform geht. Es ist ein gemeinsamer Geist, der das Bild beherrscht.

Ich bin vollkommen hin und weg von diesem Album und sehr glücklich, dass ich seiner gewahr werden durfte. Mein Lob den beteiligten Musikern, die hier wieder einmal bewiesen haben, dass es nach wie vor unheimlich viel Genialität in der Rockmusik gibt.

Tracklist:

01. Willow
02. Shifter
03. Rain Keeps Falling Down
04. Clash
05. Sleep Summer Storm
06. Behind You
07. A Simple Man
08. Hood

Zu dieser Rezension:

Autor:
SirLordDoom

Bewertung:
9,5 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
Zeitgeister Musik
Release:
21.11.2011

Gelesen:
512 x

Artikel eingestellt:
11.02.2012