„Es waren einmal ein singender Gitarrist und ein Schlagzeuger, die streiften durch den Schwarzwald, bis sie ihre wahre Bestimmung fanden: Sie gründeten die Band TOUCH THE SPIDER.“ - Passend zu dieser märchenhaft-mystischen Verklärung der Bandanfänge geben sich die beiden Protagonisten dann auch Namen wie „Unholy Ghost“ und „Cosmic Energy“. Mit „Generation Zombie“ legt das Duo bereits sein fünftes Album vor.
Die Songs der neuen Scheibe entstanden nach Angaben der Band zum großen Teil bereits parallel zu den beiden Vorgängern „Tales of Woe“ und „Dead@Last". Im Gegensatz zu diesen beiden handelt es sich bei „Generation Zombie“ aber nicht um ein Konzeptalbum. Die Musik der Band ist jedoch, wie schon auf den Vorgängern, eine stilistische Mischung aus Old School Goth Rock, Batcave, Horrorpunk und Stonerrock, gepaart mit einem ordentlichen Schuß Doom. Liest man sich die Liste der Bands durch, die die beiden als Vorbilder angeben (u.a. ST. VITUS, MOTÖRHEAD, JOY DIVISION und die frühen PINK FLOYD) so finden sich tatsächlich Einflüsse beinahe aller dieser Musikgrößen auf „Generation Zombie“ wieder. „We belong forever“ beispielsweise lässt in einigen Momenten tatsächlich an die Anfänge der Godfathers of Spacerock zu den Zeiten von „A piper at the gates of dawn“ denken, erinnert mich aber auch an die zu meinen Jugendzeiten erfolgreiche fränkische Formation THE SHINY GNOMES. Lemmy und Co findet man ganz klar im rotzigen „Hit & Run”, während der vorherige Track „Men vs. Machine“ ein Tribute der Band an die legendäre Psychedelic-Rock Combo HAWKWIND darstellt. Beim doomigen „Forsake me not“ wiederum hat man das Gefühl, Carl McCoy und seine FIELDS OF THE NEPHILIM hätten für den Song Pate gestanden und bei „The Return of the Revenant“ winkt ein gewisser Andrew Eldritch einen Gruß aus den Boxen. Bei allen Vergleichen zu alten Genre-Helden – und deren mit Sicherheit vorhandenen Einflüssen auf die Musik des Düster-Duos – schaffen es TOUCH THE SPIDER jedoch immer, nie nach einer bloßen Kopie zu klingen, sondern alle Zutaten zu einem eigenständigen, ja eigenwilligen Gesamtsound zu verschmelzen.
Und damit sind wir beim wohl größten Knackpunkt, dem Klang: Die Produktion von „Generation Zombie“ klingt stellenweise dünn und kraftlos, manchmal hat man gar das Gefühl, als wäre die Musik durch einen rostigen Blecheimer aufgenommen. An mancher Stelle vermisst man da beim ersten Hören einfach ein bißchen mehr Dynamik und Wumms. Natürlich ist es eine Geschmacksfrage, aber es ist auch durchaus lohnenswert, sich darauf einzulassen. Wenn man sich an diesen eher dünnen, bewusst als Stilmittel eingesetzen Sound nämlich erst einmal gewöhnt hat, entwickeln die Songs allesamt einen schön morbide-unterkühlten Charme.
Fazit: Eine angenehm altmodisch klingende Gothrock-Scheibe, die zwar jede Menge Vorbilder zitiert, jedoch dabei nie zum Plagiat verkommt. Mit dem Sound muss man sich zwar erst anfreunden, dann jedoch macht das Album richtig Spaß - mir zumindest! Und wer sich das Album ganz unverbindlich mal anhören möchte, kann dies auf der homepage der Band ohne Probleme tun, dort besteht die Möglichkeit zum kostenlosen Download.
Anspieltipps: „Twisted Heart”, „Forsake me not“, „The Return of the Revenant“
Tracklist:
1. Twisted Heart
Autor:
redbeard
Bewertung:
8,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Where are you from Records
Band-Webseite:
www.touchthespider.de
Release:
11.11.2011
Gelesen:
392 x
Artikel eingestellt:
07.02.2012