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SCHRAT - Schattenwahn

SCHRAT - Schattenwahn

Parental advisory: explicit lyrics. Oder auch, wie man mit dem Hammer philosophiert. Die deutschen SCHRAT nehmen kein Blatt vor den Mund, hauen fröhlich auf dem Schönen Schein des Seins herum, mit dem Hammer, von Thor gegeben, von Nietzsche geweiht, und sie mähen alles nieder, fühlen sich wohl in der Rolle des Elefanten im Porzellanladen, zerschmettern, zertrümmern, spritzen alles voller Blut. Und machen gerade deshalb ungemein viel Spass, wenn man das so sagen darf.

Musikalisch sind SCHRAT wohl deutlich auf IMMORTAL Pfaden, durchsetzt mit DARKTHRONE, ein wenig in Richtung DARK FUNERAL schielend, und trotzdem ziemlich deutsch. Schrammelnde Gitarren, rumpeliges Drumming, ansatzweise stakkatoartig, aber immer pushend, treibend und thrillend, und die Stimme ist schratig durch und durch. Der Name passt wie Faust aufs Auge, oder auch in die Magengrube. Wenn man die "Chöre" in "Mal der Schande" erwähnt, dann kann man gleich mal alles vergessen, was man normalerweise darunter versteht. Mehrstimmige Dämonenbrut knurrt im Hintergrund, das Knurren schwillt bedrohlich an und fügt Frequenzen hinzu, die entfernt an den guten Attila erinnern. Kreischer Nastrond kann diese bösartig unterschwelligen Frequenzen aber auch.

Für zarte Gemüter ist das wahrlich nichts, weder musikalisch noch textlich, beides zerfleddert beharrlich das Nervenkostümchen moraliner Weichlinge, mit Stolz trampeln sie auf so ziemlich allem herum, was schwach und klein ist, klein sein will, der moderne Mensch, diesem Duckmäuser, den schon Nietzsche mit so grosser Wortgewandtheit auf hohem Niveau verachtete. Ihnen fehlt nicht dieses Quentchen Melancholie, das aus Rumpelschwarzmetall grosses Kino macht. Sirrende Gitarrenläufe, die mal tiefe Wunden reissen oder sich wie giftige Schlangen um die Wirbelsäule winden, Breakdowns im Tempo ohne wirklich zu bremsen, eine Spur Verzweiflung in der Stimme, diese Art von Verzweiflung die einen zum Misanthropen macht, während die Suche nach "Transzendenz" des Menschen doch von spirituellem Gehalt zeugt.

Die "Beschwörung" beginnt mit kreischend obskuren Guitars in allerbester IMMORTAL Manier, die einem das Blut in den Adern gefrieren, bevor der Song in ritualistisch-rhythmische Strukturen übergeht, fast zu rhythmisch, aber die schreiend-schwirrenden Gitarren kehren in den Breakdownphasen immer wieder, das Ende der Welt wird beschworen und die aufziehende Dunkelheit kriecht einem in die Knochen, echtes Kopfkino. Der Sound ist ebenfalls wirklich gut gelungen und passt zu SCHRAT, da hat V. Santura in seinem Studio ganze Arbeit geleistet. Schön differenziert, aber nicht poliert, sondern schön kreischig, rumpelig, schratig eben, wie das ganze Album, auch wenn es mit "Kriegsgericht" einen kleinen Durchhänger in der Mitte gibt, der einfach zu sehr DARKTHRONE ist, "Jenseits der Einsamkeit" gleicht das aber auch gleich wieder aus. Sonst kann man hier gar nix anmeckern, obwohl durchaus noch Luft nach oben ist mit den Feinheiten, aber dafür schön undergroundig und deutlich in den 90ern verwurzelt. Kein Schnick Schnack im Black Metal.

Tracklist:

01. Prolog
02. Mal der Schande
03. Schwarze Brut
04. Transzendenz
05. Beschwörung
06. Kriegsgericht
07. Jenseits der Einsamkeit
08. Eruption
09. Im Zwielicht - Abgrund
10. Erbarmungslos

Zu dieser Rezension:

Autor:
Velvet

Bewertung:
8,5 von 10 Punkten

Weiteres:

Label:
ARTicat
Band-Webseite:
www.myspace.com/Schratdivision
Release:
02.09.2011

Gelesen:
361 x

Artikel eingestellt:
07.02.2012