Die schlicht „IV“ betitelte Scheibe ist das vierte Album der Kieler Band IVORY TOWER, die im Jahr 1996 gegründet wurde und zwei Jahre später ihr Debut veröffentlichte. Konnte insbesondere das zweite Werk „Beyond the Stars“ bei der Presse gute Kritiken einheimsen scheint die Kreativität der Band im Laufe der Zeit nachgelassen zu haben. Die Band ordnet sich selbst im Bereich Prog Rock, bzw. Prog Metal ein, aber hat Prog Metal nicht eigentlich etwas mit „progressiv“ zu tun? Progressiv, im Sinne von fortschrittlich? In diesem Bereich mögen DREAM THEATER ja einiges geleistet haben, doch IVORY TOWER scheitern hier ganz klar. Auch liegt die Ausrichtung der Band inzwischen anders und die Songs sind deutlich straighter. Verwirft man die Idee, etwas Neues geboten zu bekommen, gleich zu Beginn, so wird man an dem Album eindeutig mehr Spaß haben.
Die Nordlichter haben schon mit durchaus namhaften Kollegen die Bühne geteilt, abgefärbt hat das aber anscheinend nicht. Zwar beherrschen die Musiker ihr Handwerk, doch strebt die Scheibe auf etwas über einer Dreiviertelstunde nach einer gewissen Epik, ohne wirkliche Größe zu entwickeln. Sie kann mit angemessenem Abwechslungsreichtum punkten, nicht jedoch mit herausragenden Melodien - und auch nicht mit einer besonders guten Produktion. Abgehackte Metalriffs folgen auf rasantere Passagen, insgesamt bleiben die Songs allerdings sehr melodisch.
Einen Ruhepol zwischen den lauteren Metalstücken bildet die hübsche Ballade „Loss“, die mit Akustikgitarre sehr gelungen beginnt und lediglich gegen Ende etwas zu jammerig wird. Das gleich darauf folgende „What if“ weist etwas Symphonic Metal-Einfluss auf, bleibt aber insgesamt - trotz des auch in diesem Song zwischen drin eingeworfenen und durchaus gekonnten Gitarrensolos - sehr glanzlos. Mit „Wailing Wall“ versucht die Band lauter und aggressiver zu werden, der Text ist streckenweise beinahe gerappt und kann die Stimmung nicht angemessen transportieren. Ansonsten sind die Texte der CD tatsächlich gelungen und der Gesang ist sehr angenehm. Das trifft die Scheibe überhaupt: Nett, und angenehm. Nicht beeindruckend oder ansatzweise spektakulär, aber durchaus etwas, das man gut mal nebenbei laufen lassen kann und das an der ein oder anderen Stelle sogar mal etwas Aufmerksamkeit verdient hat. Auch nach dem Klagemauer-Song wird es nicht wirklich besser. Das knapp zwei Minuten kurze, wieder balladeskere „Child of Burden“ ist mit viel Synthies angereichert und klingt etwas zu melodramatisch. „We’re lost“ gibt dagegen zumindest am Anfang Gas und kann auch später nochmal zum Zuhören bewegen, bevor „IV“ schließlich mit „Moments of Delight“ zu Ende geht, ohne besonders viele Momente der Entzückung bereitgehalten zu haben.
Lineup:
Andre Fischer: Gesang
Sven Böge: Gitarre
Björn Bombach: Bass
Flo Tabbert: Schlagzeug
Anspieltipps:
Catatonic Sleep
Hands to the Sky
We’re Lost
Tracklist:
01. Rape Of Time
Autor:
Kolyma
Bewertung:
6,5 von 10 Punkten
Weiteres:
Label:
Dust on the Tracks
Band-Webseite:
www.ivorytower.de/
Release:
28.10.2011
Gelesen:
209 x
Artikel eingestellt:
22.01.2012