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Mark Brandis (Hörspiel) - Folge 30 "Planetaktion Z"

Mark Brandis (Hörspiel) - Folge 30  "Planetaktion Z"

2136: Ein Notruf hat den Raumnotrettungskreuzer »Florence Nightingale« zur »Barrakuda« geführt. Im leeren Luxuskreuzer entdeckt Vormann Grischa Romen Spuren eines Verbrechens, das er sich nicht erklären kann. Als er zur Erde zurückkehrt, stellt er fest, dass sich das politische Klima der Union inzwischen verändert hat. Bereits ausgerottet geglaubte Fremdenfeindlichkeit ist wieder aufgeflackert, und bald muss der stolze Tzigan um sein Leben fürchten ...

Um es vorwegzuschicken: Auch die neue Mark Brandis – Folge hält den hohen Standard, den man von der Serie inzwischen gewohnt ist.

Dennoch hinterließ mich die Folge nach dem Hören höchst zwie-, ja sogar tri-gespalten. Da wäre zum einen die schon in der Buchvorlage von Nikolai von Michalewsky enthaltene Rassismus-Thematik, die einmal mehr beweist, welche und brisanten und jetzt gerade wieder hochaktuellen Themen die Serie von Anfang an angefasst hat. Für Verschwörungstheorien und das kollektive Beschuldigen bestimmter Bevölkerungsgruppen als Sündenbock ist derzeit hierzulande leider kein Science Fiction nötig – Pegida sei dank.

Der aktuelle Bezug klingt auch im Hörspiel wunderbar an. Dennoch finde ich die Umsetzung zum größten Teil mißlungen. Wie passt das zusammen? Ganz einfach: Ein Thema funktioniert nicht nur durch die bloße Tatsache, daß man es aufgreift, man muß ihm auch den nötigen Raum geben. Gerade bei einer derart komplexen Materie wie dem Zusammenspiel von Existenzängsten, Fremdenphobie, Hassprojektionen und dazu noch deren politischer Instrumentalisierung. Es gibt eben, wie man ja durchaus auch im Hörspieltext zuzugeben bereit ist, niemals nur schwarz und weiß. Um aber das das Grau zu erzählen, braucht es Zeit. Zwar ist die Episode mit 78 Minuten für eine Hörspiel-CD durchaus länger als der Durchschnitt, hier hätte es jedoch locker für zwei CDs gereicht. Warum man das Ganze nicht auf einen Zweiteiler angelegt hat, erschließt sich mir nicht ganz – es wäre ja nicht das erste Mal gewesen.

So wirken viele Elemente in der Story leider unglaubwürdig: Das gilt sowohl für die viel zu rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen in Hinblick auf die Zigeuner-Hetzjagd und die Schutzhaft-Lager als auch für die – aus dramaturgischen Gründen eingefügte – Seitensprung-Geschichte und Ko Ais Reaktion darauf. Und wenn wir gerade dabei sind – auch die, gemessen an der Heftigkeit der Ereignisse, ziemlich gleichgültig wirkende Reaktion von Mark auf Grishas Haft wirkt unerklärlich.

Natürlich kann eine Hörspiel-Bearbeitung, genau wie ein Theaterstück oder ein Film niemals eine 1:1 Wiedergabe der literarischen Vorlage liefern und somit sind Änderungen per se nicht nur legitim sondern sogar notwendig. Hier hat man sich meiner Meinung nach – und das ist der angesprochene dritte Aspekt – aber zu weit vom Original entfernt. Das gilt vor allem auch für den Schluß. Vielleicht spricht hier jetzt weniger der Hörspiel-Kritiker als der Fan, aber sei es drum: Liebe Leute von Interplanar, mußte das denn wirklich sein? Es drängt sich ein wenig der Verdacht auf, dass man im Hinblick auf das kommende Ende der Serie ein möglichst dramatisches Finale bieten will...

Neben der bekannten Besetzung sind auch diesmal jede Menge, teils hochkarätige, Gäste an Bord. Unter anderem darf man sich über folgende Stimmen freuen:

Grishas One-Night-Stand, Lieutenant Marie Hamilton, wird gesprochen von Antje von der Ahe, der deutschen Sprecherin von Katherine Heigl und Pauley Perrette („Abby“ bei NCIS). Gregor Chesterfield verdankt seine Stimme dem noch recht unbekannten Fabian Kluckert – da er aus einer Familie großer Sprecher stammt ist das wohl aber nur eine Frage der Zeit. Lieutenant Per Dahlsen aka Erich Räuker kennt man unter anderem als deutsche Stimme des kanadischen Schauspielers Elias Koteas oder auch von Richard Dean Anderson (als „Jack O’Neill) bei Stargate - SG1. Und last aber gewiss nicht least kehrt Rainer „Larry Brent“ Schmitt in seiner Rolle als Juan Segovia aus Episode 4 „Aufstand der Roboter“ zurück.

Fazit: Produktion, Sound, Sprecher und Musik bewegen sich auf gewohnt hohem Niveau. Bei der Umsetzung der Geschichte gibt es von mir diesmal jedoch leider Abstriche.

Weitere Infos:

Gesamtspielzeit: ca. 78 Minuten
Altersempfehlung ab 12 Jahren

Sprecher:
Cpt. Esko Tuomi: Martin May
Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Lt. Marie Hamilton: Antje von der Ahe
Prolog: Wolf Frass
Lt. Per Dahlsen: Erich Räuker
Gregor Chesterfield: Fabian Kluckert
Präsident Hastings: Georg Matthias
Juan Segovia: Rainer Schmitt
Mark Brandis: Michael Lott
Jacques Rochelle: Rainer Fritzsche
Walter Hildebrand: Oliver Rohrbeck
Prof. Richard Westhoff: Leon Boden
Janosch Adonay: Walèra Kanischtscheff
Alain Ibañez: Daniel Montoya
Ko Ai: Tanja Fornaro
Sven Björnsen: Robert Vogel
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
sowie Johannes Avenarius, Anja Jaramillo, Thomas Müller, Melanie Pukaß, Jochim C. Redeker, Artur Weimann und Hanna Ziemens

Credits:
Nach Motiven des gleichnamigen Romans "PlanetaktionZ "von Nikolai v. Michalewsky
Manuskript: Balthasar von Weymarn
Sounddesign & Musik: Jochim-C. Redeker
Aufnahme: Sven-Michael Bluhm, Stefan Schieffer und Dennis Schmidkunz
Wortschnitt: Tommi Schneefuß
Produktion, Regie und Schnitt: Jochim-C. Redeker & Balthasar von Weymarn
Artwork: Alexander Preuss
Layout/ Satz: Jürgen Straub
Product Management: dp

Zu dieser Rezension:

Autor:
redbeard

Weiteres:

Verlag:
Universal/Folgenreich

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Artikel eingestellt:
05.03.2015