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HumAnemy (Hörspiel), Folge 3 „Der Hacker“

HumAnemy (Hörspiel), Folge 3 „Der Hacker“

Die teaminternen Unstimmigkeiten führten direkt in ein schreckliches Desaster. Außerdem sind die gestohlenen Daten nicht vollständig. Ist der Auftrag somit gescheitert? Das Chamäleon und seine Partner versuchen sich neu zu organisieren und arbeiten fieberhaft an einem Plan B. Doch die Zeit wird knapp, die Regierung sitzt ihnen im Nacken und die Stimmung ist zum zerreißen gespannt. Sie müssen alles auf eine Karte setzen und begeben sich in die dunkelsten Schatten der Stadt.

Aller guten Dinge sind drei – diese alte Weisheit ist im Falle der dritten Episode des Dark Future Hörspiels „HumAnemy“ aus dem Hause Lindenblatt Records aus zwei Gründen nicht so ganz korrekt. Zum einen handelt es sich ja erst um den vorletzten Teil der Geschichte, zum anderen fällt „Der Hacker“ im Vergleich zur letzten Episode meiner Meinung nach ein klein wenig ab.

Im Gegensatz zur rasanten Handlung des Vorgängers kommt hier die Action etwas kürzer und die Folge ist zumindest im ersten Teil dadurch ein wenig dialoglastig- beziehungsweise monologisch. Dafür erfährt man allerdings wieder viel über die Hintergründe der Story. So erfährt man, wie der Titel schon vermuten lässt, einiges über die Person und das Innenleben des Computerspezialisten „Bones“. Die Zerrissenheit des Charakters, dessen Fähigkeiten als Hacker man eindrucksvoll vorgeführt bekommt, der aber, sobald er nicht online ist einigermaßen hilflos wirkt, wurde gut in Szene gesetzt.

Es wird jedoch nicht nur, wie man es ja schon von Teil 1 und 2 gewohnt ist, eine der handelnden Figuren näher beleuchtet, sondern man bekommt auch ein besseres Bild der Umgebung, in der die Geschichte spielt. Das Konzept der Unterstadt ist stimmig und erinnert mich ansatzweise ein bisschen an Neil Gaimans Kultroman „Neverwhere“.

Wie schon erwähnt, nimmt die Folge etwa ab der Hälfte wieder mehr Tempo auf. Schade ist nur, dass der Hörer im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen, die in ihrer Teilhandlung so etwas wie ein eigenes Ende hatten, diesmal am Schluss ziemlich in der Luft hängen gelassen wird. Kaum wird man durch die steigende Spannung von der Handlung wieder endgültig eingesaugt, bricht die Folge unvermittelt ab. Gemein, aber natürlich von den Machern ganz klar so gewollt, steigern sie doch damit die Spannung auf den letzten Teil.

Das Highlight der Folge ist in meinen Augen, beziehungsweise Ohren, ganz klar die Figur des „Abraham Picard“, die stellenweise vielleicht einen Tick zu weit überzogen aber ansonsten einfach herrlich schräg rüberkommt. Sprecher Harald Friedlin war bereits in der letzten Episode als anonymer Soldat im Folter-Video zu hören. Bleiben wir gleich bei den Sprechern: Diese dritte Episode von HumAnemy kommt diesmal gänzlich ohne die Unterstützung von Profis aus. Dafür, dass es sich beim Ensemble also um eine Mischung aus kompletten Laien und im Sprecherbuisness unerfahrenen jungen Theaterschauspielern handelt, machen die Akteure ihre Sache durchaus gut. Zwar kommt im direkten Vergleich der beiden Lindner-Brüder Thomas nach wie vor besser weg – was nicht verwundert, hat er doch als hauptberuflicher Sänger einfach mehr Erfahrung im Umgang mit Texten – und auch Patrick Borlé als „Maurice“ hat mir in der letzten Folge einen Zacken besser gefallen, aber auch Stefan, dem als „Bones“ diesmal der tragende Part zufällt, muss sich nicht verstecken. (Übrigens ist Patrick Borlé, obwohl sein Charakter ja in der letzten Folge eigentlich verschieden ist, auch diesmal wieder mit dabei, und das ebenfalls in einer fahrenden Rolle, er taucht kurz als Taxi-Chauffeur auf.) Rike Stief liefert als „Melinda“ wenn vielleicht keine glänzende, so aber eine ordentliche Performance ab. Eine größeren Part hat diesmal auch die junge Schauspielerin Inga Bramm, die in kleineren Rollen bereits in den beiden vorherigen Teilen mit von der Partie war. Ihre Leistung lässt sich jedoch nur schwer beurteilen, da die von ihr eingesprochene Stimme des Computers „Penelope“ elektronisch verfremdet ist. Lobend erwähnen möchte ich hier auch noch den jungen Lukas Lindner als „Tanto“, der seine Figur wirklich glaubwürdig rüberbringt. Last but not least gab es auch diesmal wieder Unterstützung durch eine Musikerkollegen von Thomas: Georgij Makazaria, Sänger der Band RUSSKAJA, spricht nicht nur einen, sondern gleich alle Russen in der Szene auf dem Markt.

Wo wir gerade bei Musik sind, auch diese muss hier unbedingt noch einmal lobend erwähnt werden, denn die Untermalung der Story durch die Münchner Formation VORTEX trägt auch in Teil 3 einen großen Teil zur Atmosphäre des Hörspiels bei. Gleiches gilt für die von Thomas Lindner verantwortete Geräuschkulisse, hier kann man in jedem Fall mit arrivierten Major-Produktionen mithalten.

Fazit: Nicht der stärkste Teil der Reihe, aber im großen und ganzen schaffen es die Hörspielmacher das Niveau der beiden ersten Episoden zu halten. Durch das sehr abrupte Ende wird die Erwartung auf die im Dezember erscheinende Fortsetzung und Auflösung der Geschichte geschürt – man darf gespannt sein.

 

Tracks:

1.MelanKolik

2.HUMANEMY Theme

3.Die Ratte war ein Maulwurf

4.Melinda

5.Der Hacker

6.Unterstadt

7.Der Schwarzmarkt

8.Die Tunnel

Weitere Infos:

Gesamtspielzeit:
Altersempfehlung: Ab 16 Jahren

Sprecher:
Oliver Mink: Intro
Stefan Lindner: Bones
Thomas Lindner: Lennart, das Chamäleon
Johnny Wittermann: Center
Rike Stief: Melinda
Inga Bramm: Penelope
Jo Hempel: Herr Schmidt
Nico Geissler: Tombstone
Lukas Lindner: Tanto
Harald Friedlin: Picard
Sascha Schemmer: Psycho

In weiteren Rollen:

Patrick Borlé: Taxi Driver
Cheick Tolno: Händler auf dem Markt
Stephanie Marin: keifende Frau auf dem Markt
Georgij Makazaria: Russen auf dem Markt
Carolus Kubon: Don Juan

Story: Stefan Lindner & Johnny Wittermann
Buch: Stefan Lindner
Regie: Stefan Lindner & Thomas Lindner
Regieassistent: Johnny Wittermann
Sprachaufnahmen (außer Oliver Mink): Thomas Lindner
Geräusche, Schnitt & Mix: Thomas Lindner
Musik Arrangement & Mischung: Stephan Gossen
Mastering: Thomas Heimann-Trosien (Turnstyle Mastering Berlin)
Layout & Satz: Creative Partners GmbH
Illustration: Sandro Lindner
Shop & technische Unterstützung: NewHorizon Event- und Musikmanagement

Erhältlich bei www.lindenblatt-records.de, im SCHANDMAUL-Shop, im Hörspiel-Online-Shop von POP.de, bei Amazon, sowie im AUDIAMO Hörbuch- und Hörspielshop (Österreich).

Zu dieser Rezension:

Autor:
redbeard

Weiteres:

Verlag:
Lindenblatt Records

Gelesen:
3948 x

Artikel eingestellt:
16.09.2013