Wer kennt Ihn nicht, den weltberühmten Wissenschaftler und womöglich noch berühmteren Amateurkriminologen Professor Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen? Heutzutage kann es durchaus passieren, daß man auf diese Frage nur verständnislose Blicke erntet. Hätte man diese Frage jedoch vor 20 Jahren gestellt, so hätte man, nicht nur unter Hörspielfans, als Antwort mit Sicherheit die auch dem Professor genehme, rethorische Gegenfrage erhalten: Ja, in der Tat, wer kennt Ihn nicht? Die Abenteuer der „Denkmaschine“ und seines Whisky und Zigarren liebenden Adlatus Hutchinson Hatch begeisterten von den 70er bis in die 90er Jahre regelmäßig die Hörer von Deutschlandfunk und RIAS. Eigentlich sollte die Reihe bereits mit der am 20.1.1982 ausgestrahlten Episode „Die Erde hat Ihn wieder“ nach nur 24 Folgen enden, jedoch forderten die Fans, die den Tod van Dusens auf keinen Fall akzeptieren wollten, so vehement dessen Rückkehr, daß bis zum Jahr 1997 nicht weniger als 54 weitere Folgen produziert wurden, die chronologisch allesamt vor dem Ableben des genialen Wissenschaftlers spielen. Doch nicht genug, in einer weiteren, 1999 ausgestrahlten, Folge erstand die Denkmaschine aufgrund der nach wie vor ungebrochenen Begeisterung der Fans sogar leibhaftig von den Toten – allerdings nur um am Ende postwendend und endgültig wieder zu sterben, als er sich auf einem Dampfer namens Titanic einschiffte... Ein passendes Ende, ging doch auch der ursprüngliche van Dusen – Erfinder, der amerikanische Journalist und Autor Jaques Futrelle, mit dem bekannten Luxusdampfer unter.
Der Hörspielverlag Folgenreich hat diese wirklich legendäre Perle unter den Hörspielserien der Vergangenheit entrissen und veröffentlicht die Folgen nach und nach in der ursprünglichen Produktionsreihenfolge. Nach den bereits im Herbst letzten Jahres erschienenen ersten vier Episoden feierte nun endlich die zweite „Staffel“ mit den Folgen 5-8 ihr „re-release“.
Folge 5 „Stirb schön mit Shakespeare“ ist dabei mit einer Ausnahme (11 – „Van Dusens erster Fall“) bereits die letzte Folge, die Hörspielautor Michael Koser aus einer der literarischen Vorlagen Jaques Futrelles (der Kurzgeschichte „Dressing Room A“) umarbeitete. Im Gegensatz zum Original änderte er jedoch auch hier schon das ein oder andere ab, so wurde etwa das große Polizeiverhör von ihm neu dazu erfunden und auch die Aufklärungsarie des Professors am Ende der Geschichte stammt textlich komplett aus Kosers Feder. Zuguterletzt ist im Hörspiel der Mörder dann auch ein ganz anderer als ursprünglich bei Futrelle. Diese große Menge und Qualität der Änderungen veranlasste Koser dazu, sich in der Folge auch an eigene Van Dusen – Geschichten zu wagen, zudem es unter Futrelles Kurzgeschichten in seinen Augen keine weiteren für eine Hörspielbearbeitung geeigneten Vorlagen gab. Eine Entscheidung, die man im Nachhinein als einen wahren Glücksfall der deutschen Radio- und Hörspielunterhaltung bezeichnen muss!
Im Gegensatz zu vielen der actiongeladenen späteren Weltreise-Folgen ist „Stirb schön mit Shakespeare“ eine klassische, in New York angesiedelte, Detektivgeschichte, bei der die Denkmaschine, ganz in der Tradition von Sherlock Holmes (ich entschuldige mich hier in aller Form bei Prof. Van Dusen für den unangebrachten Vergleich mit dem „überschätzten britischen Wichtigtuer“), in der Hauptsache durch ihre Kombinationsgabe glänzt. Neben den beiden üblichen Protagonisten Friedrich Wilhelm Bauschulte (van Dusen) und Klaus Herm (Hatch) ist in dieser Episode als prominente Verstärkung unter anderem Otto Sander in einer Nebenrolle zu hören.
Im Anschluss an die Folge gibt es als Bonustrack, wie schon bei den ersten vier Wiederveröffentlichungen, ein wenig „Nähkästchengeplauder“ mit den Hörspielmachern Michael Koser, Rainer Clute und Klaus Herm.
Neben „Stirb schön mit Shakespeare“ erschienen gleichzeitig Folge 6 „Die Perlen der Kali“, Folge 7 „Whisky in den Wolken“ und Folge 8 „Wettbewerb der Detektive“, die bereits zum großen Weltreise-Zyklus zählen, hier aber mangels Rezensionsexemplar nicht näher besprochen werden.
Fazit: Ehre wem Ehre gebührt! Den Anhängern des Professors muss ich eine Kenntnisnahme ja nicht mehr wirklich empfehlen. All denjenigen jedoch, die bislang die Ignoranz besaßen das größte Genie der vorletzten Jahrhundertwende nicht zu würdigen sei der Kauf der CDs hier dringend ans Herz gelegt!
Weitere Infos:
Nach der Kurzgeschichte „Dressing Room A“ (Jaques Futrelle, 1908)
Autor:
redbeard
Weiteres:
Verlag:
Universal Music Family Entertainment/ Folgenreich
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Artikel eingestellt:
24.10.2011