Das Label Folgenreich erfreut mit einer neuen Folge der SciFi-Serie „Mark Brandis“. Und mit dieser Aussage nehme ich tatsächlich das Fazit bereits vorweg, denn „Pilgrim 2000“ bietet wirklich einmal mehr Hörspielgenuß vom Feinsten.
Doch zunächst zum Inhalt:
Wir schreiben das jahr 2127: Nach Reparaturen an einer Raumstation sind Commander Brandis und seine Crew mit der HERMES bereits auf dem Rückweg, als die Kommunikation ausfällt, da sie sich auf der erdabgewandten Seite der Sonne befinden. Erst in 17 Tagen werden sie wieder Kontakt zur Erde erhalten. Die Nähe zur Sonne hat die Sehfähigkeiten der sechs Raumfahrer beeinträchtigt. Als plötzlich ein seit Jahrzehnten verschollenes Generationenschiff vor ihnen auftaucht, das auf Funkrufe nicht reagiert, befiehlt Brandis die Landung, um herauszufinden, ob noch jemand an Bord lebt. Im Inneren des riesigen Schiffes finden sie verwilderte Felder und heruntergekommene, verlassene Siedlungen vor, doch zunächst keine Überlebenden, abgesehen von hundegroßen Ratten, die sich als äußerst aggresiv erweisen. Schließlich jedoch finden sie Judith, die scheinbar letzte Überlebende der Besatzung, die in einem kleinen Barackendorf von den Erträgen ihrer bescheidenen Landwirtschaft lebt, von denen sie jedoch einen großen Teil an ein geheimnisvolles gottgleiches Wesen opfert. Zunächst geht Brandis davon aus, daß es sich bei diesem um eine durch die Isolation hervorgerufene, religiöse Einbildung Judiths handelt, bis er die Stimme des „Einen“ in seinem eigenen Kopf hört. Zwar ist er überzeugt, daß es sich nicht um ein übernatürliches Wesen sondern um einen Menschen handelt, doch ist er zunächst machtlos gegen dessen Kräfte, mit denen er anscheinend auch das Verhalten der Riesenratten beeinflußen kann. Und dies ist bei weitem nicht das einzige Problem: Das Generationenschiff gerät unweigerlich immer mehr in den Gravitationssog der Sonne und wird binnen Tagen in den glühenden Stern stürzen. Doch der Rückweg zur Schleuse, an der die HERMES angedockt liegt, ist nach wie vor versperrt durch ein Heer von mutierten Ratten...
Die Geschichte wurde im Gegensatz zur Romanvorlage dahingehend vereinfacht, daß die beiden opponierenden Parteien der bibeltreuen Dorfbewohner und der seltsamen mit den Ratten verbündeten „ratmen“ auf jeweils eine einzige überlebende Person reduziert wurden. Dies nimmt der Story natürlich einiges von ihrer ursprünglichen Gesellschaftskritik, hebt sie dafür aber auf eine individuelle, persönliche Ebene.
Die Dramaturgie und Atmosphäre der Vertonung ist in jedem Falle hervorragend. Man fühlt sich wunderbar in das Geschehen an Bord des gigantischen Biosphärenschiffs hineinversetzt und die Tatsache, daß sich die Brandis-Crew hier einmal weitgehend ohne überlegene Technik in einer unbekannten und bedrohlichen Umgebung zurechtfinden muss, beziehungsweise daß diese im Falle von CORA schlicht den Dienst verweigert, sorgt für ein gutes Maß an Spannung. Durch die Kampfsequenzen mit den Riesenratten ist dazu auch noch ausreichend Action geboten.
Da zwischen den letzten vertonten Romanen und der neuen Hörspielfolge ein gehöriger Abstand besteht, was die ursprüngliche Reihenfolge der Veröffentlichungen betrifft, tauchen natürlich an Bord der HERMES einige neue Charaktere und damit auch neue Sprecher auf:
Die neue Bordärztin Dr. Rebecca Levy wird in ihrer trocken-lakonischen Weise hervorragend verkörpert von der grandiosen Claudia „Angelina Jolie“ Urbschat-Mingues, ohne die Folgenreich-Hörspiele im Moment scheibar undenkbar sind, ist sie doch nach den beiden wiederkehrenden Charakteren in den Serien „Dorian Hunter - Dämonenkiller“ und „Don Harris - Psychocop“ hier schon in ihrer dritten tragenden Rolle zu hören.
Weiterhin neu an Bord sind Martin „Nicolas Cage“ Keßler als Lt. Pablo Torrente und Gernot Endemann als Lt. Konstantinos Simopoulos.
Eine wunderbare Performance liefert in der Folge aber auch Katarina Tomaschewsky, die dem breiten Publikum wohl als Synchronstimme von Kim Katrall in „Sex and the City“ oder als Jorja „Sara Seidel“ Fox in „CSI“ am vertrautesten sein dürfte. Hier überzeugt sie in der Rolle von Judith, der einzigen, einsamen Überlebenden des Generationenschiffs .
Fazit: „Pilgrim 2000“ bietet beste Hörspielunterhaltung auf gewohnt hohem Folgenreich-Niveau. Auch Nicht-SciFi-Liebhaber sollten hier mal ein Ohr riskieren!
Weitere Infos:
CD1
Autor:
redbeard
Weiteres:
Verlag:
Universal Music Family Entertainment/ Folgenreich
ISBN:
978-3-8291-2436-2 u. 978-3-8291-2437-9
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Artikel eingestellt:
16.03.2011